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Vorwort des Herausgebers



Als vor sechs Jahren das erste Heft der Reihe "Die deutsche Frage im Unterricht" erschien, wurde in der Einführung die Befürchtung geäußert, daß das Bewußtsein von einer deutschen Nation verloren gegangen sein könnte. Deshalb wollte die neue Zeitschrift ihren Lesern - und das waren in erster Linie Lehrer und Schüler - Gemeinsamkeiten, Verbindendes zwischen dem deutschen Südwesten und vor allem Sachsen und Thüringen deutlich machen und nahebringen. Die Ereignisse seit dem 9. November 1989 haben gezeigt, daß mehr an Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den Menschen beider deutscher Staaten vorhanden ist, als viele in den vergangenen Jahren noch zu hoffen gewagt hatten. Zu übersehen sind die Jahre der Trennung aber auch nicht, manches ist da an Wissen verloren gegangen; und so glauben wir, daß das Anliegen unserer Hefte auch jetzt keineswegs überholt ist.

Philipp Melanchthon, dem das vorliegende Heft gewidmet ist, gehört zu den Deutschen, deren Lebensweg Südwest- und Mitteldeutschland verbindet: geboren und aufgewachsen in Bretten, Student in Heidelberg und Tübingen, Professor in Wittenberg. Seine Rolle während der Reformation, die die deutsche Geschichte so nachhaltig beeinflußte, als Berater und Mitstreiter Luthers kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Er hielt noch an der Idee der Kircheneinheit fest, als die meisten anderen Protestanten sich schon mit der Glaubensspaltung abgefunden hatten. Auch bei der Übersetzung der Bibel, die so bedeutend für das Entstehen einer deutschen Hochsprache war, hat Melanchthon Luther beratend zur Seite gestanden. Und nicht zuletzt hat er den Anstoß zu einer Reform des deutschen Schulwesens und der Universitäten gegeben, was ihm schon bei seinen Zeitgenossen den Ehrentitel "praeceptor Germaniae" eingetragen hat.

Das vorliegende Heft stellt die Stationen von Melanchthons Lebensweg vor, schildert sein Wirken während der entscheidenden Jahre der Reformation und zeigt ihn als Reformer des Schulwesens. Das Heft ist vor allem im Geschichts- und Religionsunterricht einsetzbar.


Siegfried Schiele
Direktor der Landeszentrale für politische Bildung
Baden-Württemberg


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