titoder.gif (18518 Byte)


Landschaft und Wirtschaft


2. Die Natur der Landschaften im Oderraum

Das Mittelgebirge der Sudeten (Sudety) gehört zum gleichen Landschaftstyp wie der Schwarzwald. Die Wasserscheide zwischen dem Einzugsgebiet der Oder und den südlich anschließenden Gebieten der Elbe und Donau läuft über die Sudetenkämme und bildet dort meist auch die Staatsgrenze zwischen Polen und der Tschechischen Republik. Erzgänge mit verschiedenen Metallen ermöglichten den Bergbau, der stellenweise bis ins 20. Jahrhundert hinein betrieben wurde, Mineralquellen das Entstehen von Kurorten. Die Sudeten sind durch tektonische Senken in kleine Einzelgebirge unterteilt.

Besonders herausgehoben ist das Riesengebirge (Karkonosze), es erreicht in der Schneekoppe (Sniezka) 1602 m. Das Steinkohlenrevier von Waldenburg (Walbrzych) ist dem Saar-Revier vergleichbar; beide Lagerstätten entstanden in Binnenseen.

Das Mittelgebirge der Beskiden (Beskid), die den Westteil der Karpaten bilden, erhebt sich östlich der Mährischen Pforte, die seit alters her als bequemer Verkehrsweg aus dem Donaugebiet (Marchtal) ins Odergebiet genutzt wird.

Die Oberschlesische Platte (Wyzyna Górnoslaska) besteht an der Oberfläche vor allem aus Muschelkalkschichten. Diese bilden zur Oderniederung hin eine deutliche Schichtstufe und führen stellenweise Flöze von Zink- und Bleierzen. Unterlagert wird das Gebiet von alten Gesteinen, die eine der größten europäischen Steinkohlenlagerstätten bergen (geologischer Typ der Vorlandsenke wie das Ruhrgebiet). Diese setzt sich bis nach Ostrau/Ostrova (Nordmähren) fort. Die Hochfläche wird vom Basaltkegel des Annaberges (Góra Swietej Anny) überragt (385 m).

Das mitteleuropäische Tiefland ist gänzlich aus mächtigen eiszeitlichen Lockermaterialien aufgebaut, wobei man von Süd nach Nord eine viermalige Abfolge von Urstromtälern, Sanderflächen, Endmoränen-Hügelzügen und Grundmoränenplatten feststellen kann. Das alte Felsgestein ragt nur im schlesischen Granitberg Zobten/Sleza (718 m) durch die jungen Ablagerungen. Die Bodenschätze des Tieflandes liefert - abgesehen von Baumaterialien (Kies, Sand, Backstein-Lehm) - nur der ältere Untergrund: in geringerer Tiefe Braunkohlen (an der Görlitzer Neiße und mittleren Warthe), in größeren Tiefen um 800 m Kupfererzflöze (zwischen Liegnitz/Legnica und Glogau/Glogów).

Das Schlesische Tiefland (Nizina Slaska) besteht aus der Schlesischen Bucht, in der sich links der Oder die fruchtbaren Lößböden der Schlesischen Börde ausdehnen, und dem Schlesischen Landrücken, der - weniger fruchtbar - aus der vorletzten Eiszeit stammt und seine markantesten Hügel im bewaldeten Trebnitzer Katzengebirge (Wzgórze Trzebnickie) aufweist (bis zu 256 m). Die Pommersche Seenplatte (Pojezierze Pomorskie) gehört zum großen Nördlichen Landrücken, der jüngsten Endmoränenzone der letzten Eiszeit. Ihre zahlreichen Seen sind meist zwischen bewaldeten Hügeln eingebettet, die sich bis zu 279 m erheben.

Das Pommersche Küstengebiet (Nadbrzeze Pomorskie) mit seinen Sandstränden, Steilküsten, bis zu 56 m hohen Dünen und großen Strandseen ist für den Tourismus seit alters her gut erschlossen.

Das untere Odertal bildet zwischen Schwedt und Stettin (Szczecin) noch ein lückenlos erhaltenes Feuchtbiotop von 40 km Länge mit selten gewordenen Tier- und Pflanzenarten (z. B. Seeadler, Schwarzstorch).


Back

Copyright ©   1996  LpB Baden-Württemberg   HOME

Kontakt / Vorschläge / Verbesserungen bitte an: lpb@lpb-bw.de