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Ausgabe 1/97: Wales


Vorwort des Herausgebers


Die europäische Region Wales, Teil des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland, europäische Partnerregion Baden-Württembergs, erlebt gegen Ende des 20. Jahrhunderts einen fundamentalen Wandel vom sterbenden Industrieland zu einer modernen Dienstleistungsgesellschaft. Gemeinhin als "Land zwischen Schafen, Schiefer und Kohle" bekannt, Geheimtip für Sommertouristen und Naturliebhaber, befindet es sich zur Zeit in einem starken wirtschaftlichen und - nach dem Sieg von New Labour bei den Wahlen zum britischen Unterhaus im Mai 1997- womöglich verfassungspolitischen Umbruch.

Die bevorstehenden Milleniumsfeiern zu Ende des zweiten, Anfang des dritten Jahrtausends bieten Anlaß zu zahlreichen Projekten in Städten und auf dem Land und beschleunigen die Prozesse des Strukturwandels. Ermöglicht wird dieser durch erhebliche Zuschüsse des European Regional Development Fund der Europäischen Union und durch die im Vereinigten Königreich praktizierte und von der Regierung in London, dem Welsh Office und den Kommunen in Wales geförderte Ansiedelung internationaler, auch deutscher Firmen. Politisch hat die wieder aufgeflammte Debatte um die walisische Nation mit einer eigenen "Welsh Assembly" erst jüngst neue Nahrung erhalten: Der Ausschuß der Regionen in Brüssel hat Wales als einen der Distrikte in Europa mit demokratischem Defizit bezeichnet und für Wales die Entwicklung regionaler Regierungsstrukturen sowie die Stärkung der Kommunen gefordert. Als Vorbild für die Entwicklung derartiger politischer Strukturen und für die größere Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an den Entscheidungsprozessen werden Regionen in Europa wie das Land Baden-Württemberg genannt.

Argumente genug, dieser europäischen Region ein Exkursionsheft unserer Reihe zu widmen, zumal bisher kein vergleichbares Heftprojekt für unsere Zielgruppen vorliegt. Dabei bleiben die üblichen - weniger oder mehr bekannten - Gründe, sich mit Wales eingehender zu befassen, nicht unerwähnt: Exkursionen in die Landschaft, zu Burgen, Klosterruinen und Bergbaumuseen fehlen nicht. Doch wird grundsätzlich Wert darauf gelegt, auch Aspekte des modernen Wales zu zeigen, die das übliche Touristenbild korrigieren, und die Wege der Wales-Besucher auch dort hinzulenken, wo das moderne, europäisch orientierte Wales entsteht. Kapitel über walisische Persönlichkeiten, politische und wirtschaftliche Aspekte, über urbane Modernisierungstendenzen vervollständigen das Bild dieser europäischen Region.

Einge Aspekte, die leicht in den gängigen Informationsbroschüren und -büchern zu finden sind, haben wir bewußt ganz vernachlässigt: Rugby, Schiefer,"The Great Little Trains", zahlreiche weitere Burgen, die handwerkliche Tradition der "love spoons", Variationen vieler Sagen und Mythen u.v.a.m. konnten keinen Platz finden.

Stattdessen präsentieren wir den Beitrag einer walisischen Autorin, eines englischen Autors und verschiedene Routenvorschläge, an deren Ausarbeitung ein weiterer Engländer mitwirkte. Auf walisische Sprachbeispiele und eine die Beiträge stützende Zeittafel wollten wir auch nicht verzichten.

Alle Beiträge basieren - wo sich dies anbot - auf Erkundungen in Wales; Praxisbezüge und Realisierbarkeit von Routenvorschlägen wurden geprüft. Möge dieses Heft allen Wales-Liebhabern sowie allen, die bisher das Land wenig beachteten, vor allem allen Jugendlichen, die zu Austausch-Aufenthalten, Kursprojekten, Praktika und Konzerten dorthin fahren, den Weg nach Wales, die Wege in Wales erleichtern oder überhaupt erst öffnen. Mögen sie alle Wales mit seinem reichen Erbe als Teil Europas erfahren, das gerade für die kleinen Völker eine Zukunft bereithält.

Siegfried Schiele

Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg



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