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Ausgabe 1/97: Wales


IV. Wales und die Waliser

4. David Lloyd George - vom walisischen Nationalisten zum europäischen Staatsmann


David Lloyd George (1863-1945) sei "in nichts verwurzelt" ("rooted in nothing"), so lautete 1919 das wenig schmeichelhafte Urteil des bekannten britischen Nationalökonomen J.M. Keynes über den damaligen britischen Premierminister, der gerade von der Versailler Friedenskonferenz zurückgekommen war und von der überwiegenden Mehrheit seiner Landsleute begeistert als "the man who won the war" gefeiert wurde. Zwischen glühender Bewunderung und abgrundtiefer Verachtung schwankte das Urteil über Lloyd George in der Öffentlichkeit, und erst heute, über 50 Jahre nach seinem Tod, setzt sich eine nüchterne Einschätzung seiner Person und Leistung durch.

Kritiker warfen dem "Waliser Hexenmeister" nicht nur vorübergehende Bewunderung Hitlers vor; gebrandmarkt wurden auch seine Rücksichtslosigkeit bei der Wahl der Mittel zur Erreichung seiner politischen Ziele, seine geringe Achtung bestehender politischer Spielregeln und etablierter Institutionen. Bewunderer heben vor allem seine politischen Verdienste hervor: "Er begründete den Wohlfahrtsstaat. Er brach die Macht des Oberhauses. Er führte im Ersten Weltkrieg das Land zum Sieg. Er bewältigte die sozialen und politischen Gefahren, die auf den Krieg folgten. Er beendete die uralte Fehde zwischen Irland und Großbritannien.1 Als Lloyd George 1922 als Premier zurücktreten mußte, blieb er seinem Land als kluger politischer Ratgeber im Unterhaus bis zu seinem Tod erhalten. Aber keiner seiner Nachfolger hat ihn je wieder in ein hohes Amt berufen, und das hat unter anderem auch etwas mit den von Keynes verkannten "Wurzeln" Lloyd Georges zu tun (s. o.), die dem feinen, zum britischen Establishment zählenden Gelehrten aus Cambridge natürlich ganz fremd waren. Lloyd George war und blieb im Londoner Establishment der "walisische Außenseiter" (Morgan), nicht nur wegen seiner romantischen äußeren Erscheinung ungewöhnlich, sondern vor allem einmalig wegen seiner nationalen und sozialen Herkunft: Waliser, der Englisch nicht als seine Muttersprache gelernt hatte, und bis dahin der einzige "wahre Sohn des Volkes", der je in das höchste Amt gelangt war. Schon das machte ihn suspekt.


Lloyd George - Karikatur
Copyright by National Library of Wales, Aberystwyth,
Aus: Kenneth O. Morgan, Lloyd George.
Weidenfeld and Nicolson, London 1974, p. 9


Kämpfer für die walisische Sache

Lloyd Georges Wurzeln sind in Wales zu suchen, genauer gesagt im Nordwesten, in Caernarfonshire, in dem winzigen Dorf Llanystumdwy, zwei Meilen von der Kleinstadt Criccieth entfernt.

Llanystumdwy:
Lloyd Georges Grabstätte
Lloyd George Museum und Robert Lloyd Highgate Cottage.
Besichtigungen möglich: Tel.: 0766 522071

Nach Llanystumdwy zog die Mutter 1864 mit dem einjährigen David nach dem frühen Tod des Vaters, eines Lehrers. Sie wohnten bei Robert Lloyd, dem Bruder der Mutter, der als Schuhmacher für den Unterhalt der Familie sorgte und dessen Laden Mittelpunkt des Dorflebens war, in dem "die Dinge dieser und der kommenden Welt" diskutiert wurden. Onkel Robert war nämlich als Mitglied der Baptisten Laienprediger, und so wurde der junge David von seinem wortgewaltigen Ersatzvater bibelfest erzogen, was sich in vielen seiner späteren Reden niedergeschlagen hat. Die nonkonformistischen Chapels (siehe Einleitung), denen um die Jahrhundertwende 550 000 Waliser angehörten (gegenüber 193 000 Mitgliedern der anglikanischen Kirche), waren aber auch Vehikel für das Verlangen nach kultureller und politischer Autonomie gegenüber anglikanischer Kirche, englischem Staat und anglisierten Großgrundbesitzern.

Das zweite prägende Element in Lloyd Georges Erziehung waren die politischen Überzeugungen von Onkel Robert, der als Anhänger des radikalen Flügels der Liberalen Partei in Wales für religiöse und politische Freiheit, soziale Gerechtigkeit und walisische Unabhängigkeit eintrat. In dieser Atmosphäre aufgewachsen, träumte Lloyd George bereits als Schuljunge von einer Karriere als Politiker, der das walisische Volk von einem durch Pfarrer und Großgrundbesitzer beherrschten Klassensystem befreien würde.

Erstaunlich ist, wie unbeirrt und ohne "old school"- und "Oxbridge"-Verbindungen Lloyd George seinen Weg in die Politik fand. Nach dem Besuch des Unterhauses in London notierte der Achtzehnjährige in seinem Tagebuch: "Ich kann nur sagen, daß ich die Versammlung in einem Geist in Augenschein nahm, der demjenigen von Wilhelm dem Eroberer bei seinem Besuch bei Edward dem Bekenner in England glich, nämlich als Stätte seiner zukünftigen Herrschaft. Oh Eitelkeit!"2

Die Schritte dorthin plante er sorgfältig: Es galt, seinen Ruf als Redner zu festigen, sich einen Namen zu machen bei einflußreichen Personen und durch Artikel in der lokalen Presse, und schließlich Fälle vor Gericht zu bringen, die ihn als Verteidiger der Rechte des kleinen Mannes gegenüber der Willkür von Klerus und Landadel populär machen sollten. Inzwischen hatte er sich nach einer Ausbildung als Rechtsanwalt in Criccieth niedergelassen, wo er zusammen mit seinem jüngeren Bruder eine Anwaltspraxis betrieb.

1890, im Alter von 27 Jahren, gelang der Sprung ins britische Unterhaus. Bei einer Nachwahl im Wahlbezirk Caernarfon siegte er mit nur 18 Stimmen Vorsprung vor seinem konservativen Konkurrenten. Lloyd George hielt diesen Wahlbezirk 55 Jahre lang, bis er starb. Obgleich er sich als radikaler Hinterbänkler im Unterhaus heftig für walisische Belange einsetzte - für die Entstaatlichung der anglikanischen Kirche in Wales, für die Abschaffung ihrer Elementarschulen und eine Reform der Ausschankgesetze - gab es Stimmen, die ihm seinen Umzug nach London als Flucht vor Wales verübelten. In der Tat beabsichtigte er nie, einen unabhängigen walisischen Nationalstaat zu schaffen, ihm schwebte eine "Home Rule" vor, die Wales aus der völligen Integration in den englischen Staat lösen würde, um so die angestrebten Reformziele zu erreichen. Schon früh zeigte sich jedenfalls ein gewisses Maß an Unabhängigkeit gegenüber der Liberalen Partei und eine ambivalente Haltung gegenüber Wales.

"Lloyd Georges Liebe zu seiner walisischen Heimat war von der Art, daß sie mächtig zunahm, wenn er in sicherer Entfernung von Wales war und dahinschmolz, sobald er sich ihm [d.h. Wales] körperlich näherte.3

Eines ist jedenfalls sicher, wenn seine Absetzbewegung nach London auch keine Flucht vor Wales und seinem Wohnsitz Criccieth, diesem "old gray mixed miserable place" (Lloyd George) war, so gingen seine Ambitionen von Anfang an weit über seine engere Heimat hinaus.


Vom Kriegsgegner zum "Mann, der den Krieg gewann"

"The Welsh radical was being transformed into the world statesman", so beschreibt der Historiker Kenneth O. Morgan das Ergebnis eines krisenhaften Wandlungsprozesses während des Burenkrieges (1899-1902). Von Anbeginn führte Lloyd George eine heftige und - angesichts der Kriegsbegeisterung breiter Teile der Öffentlichkeit - sehr mutige Anti-Kriegskampagne. Der Krieg sei viel zu teuer, er ruiniere den Lebensstandard des einfachen Mannes in Großbritannien und verhindere längst überfällige Sozialreformen. Er diene dazu, die schwindende Macht der herrschenden Klassen zu stabilisieren und treffe das kleine, gottesfürchtige Volk der Buren, ein Volk etwa so wie seine walisischen Landsleute. Solche Äußerungen waren damals lebensgefährlich. 1901 entkam Lloyd George nur knapp einer bewaffneten Menge von Gegendemonstranten in Birmingham, indem er sich in letzter Minute als Polizist verkleidet in Sicherheit brachte (der Polizeihelm von damals ist im Museum von Llanystumdwy zu sehen). Seine Argumente und die durch sie provozierten Folgen machten den walisischen Kämpfer auf nationaler Ebene bekannt und öffneten ihm Türen, die ihm bislang verschlossen waren: zu den Gewerkschaften und zur Labour-Party, aber auch zu den Führern der Liberalen, denn am Ende des Burenkrieges war Lloyd George zum Symbol für den gemeinsamen Nenner innerhalb der Liberalen Partei geworden: ein gemäßigter Anti-Imperialist, ohne gleich "Little Englander", d.h. Verfechter eines Staates ohne Kolonialbesitz zu sein. Die parlamentarischen Lehrjahre waren beendet, Lloyd George war reif für einen Platz im Kabinett.

Von 1905 bis zu seinem Sturz 1922 dauerte die Phase, in der Lloyd George im Besitz verschiedener Regierungsämter aktiv und gestaltend in die Politik des britischen Empire eingriff:

Lloyd George's Regierungsämter (1905 - 1922)
Minister für Handel und Gewerbe (bis 1906)
Schatzkanzler (bis 1915)
Rüstungs-, dann Kriegsminister im Ersten Weltkrieg (bis 1916)
Premierminister (1916 - 1922)

"Dies ist ein Kriegsbudget. Es soll Geld aufbringen zum rastlosen Feldzug wider Armut und Erniedrigung."4 Mit diesen Worten beendete Lloyd George seine viereinhalbstündige Rede zur Begründung des sogenannten "People's Budget" für 1909/1910. Dieser Haushalt sah neben der Erhöhung verschiedener Verbrauchssteuern die Erhöhung der Erbschaft- und Einkommensteuer, die Einführung von Grund- und Wertzuwachssteuern vor und war insofern ein direkter Angriff auf die Profite der landbesitzenden Klassen und durch Umverteilung ein Mittel zur Herstellung sozialer Gerechtigkeit. Die staatlichen Mehreinnahmen sollten u.a. die Defizite für die ein Jahr zuvor eingeführte Altersversicherung decken. Diese war Teil von umfassenden Reformplänen, die Lloyd George zusammen mit Winston Churchill, seinem Nachfolger als Handelsminister, ausgearbeitet hatte. Das "People's Budget" war in der Tat zu einem Kriegsbudget im Kampf gegen die Armut geworden, allerdings in einem ganz anderen Sinn, denn es stieß auf das Vetorecht des Oberhauses und wurde der Anstoß zu einem Verfassungskampf, der erst 1911 mit der Parliament Act, der Beschneidung des Vetorechts der Peers, der Mitglieder des Oberhauses, endete. Den krönenden Abschluß der Reformen bildete 1911 die National Insurance Act, eine Zwangsversicherung gegen Krankheit und Arbeitslosigkeit, die einen großen Schritt hin zum Wohlfahrtsstaat bedeutete.


Plakat der Liberalen Partei 1911:
Hoffnungsschimmer am Horizont: National Insurance
The Hulton-Getty Picture Collection, London
Aus: Michael Lynch: Lloyd Georg and the liberal Dilemma.
Hodder & Stoughton, London/Sydney/Auckland 1993, p.48

Die Anregungen zu seinen Sozialreformen waren Lloyd George unter anderem auf einer Deutschlandreise 1908 gekommen, als er die von Bismarck begonnenen Reformen näher kennenlernte. Diese Reise festigte in ihm auch seine Einsicht in die Notwendigkeit eines freundschaftlichen deutsch-englischen Verhältnisses, das durch die jahrelange Flottenrivalität getrübt war. Für die nächsten 30 Jahre - nur unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg - sollte der Wunsch nach einem guten Verhältnis zu Deutschland eine Konstante seiner außenpolitischen Ansichten bleiben, ein Wunsch, der schließlich 1936 in seinem peinlichen Besuch bei Hitler gipfelte. "He is a great man", sagte Lloyd George nach seiner Rückkehr, eine Einschätzung, die er jedoch angesichts Hitlers Intervention in den Spanischen Bürgerkrieg bald revidierte.

"Ich hasse den Krieg. [...] Aber entweder führt man Krieg oder man läßt es. Es ist das Geschäft von Staatsmännern, alles nur Erdenkliche zu unternehmen, um ein Land aus dem Krieg herauszuhalten, aber wenn sie einmal drin sind, ist es auch ihr Geschäft, ihn mit aller Kraft zu führen. [...] Ich möchte, daß dieser der letzte ist, und er wird es nicht sein, wenn er von uns nicht wirkungsvoll geführt wird. Ein schlecht geführter Krieg bedeutet ein schlechter Friede, und ein schlechter Friede bedeutet überhaupt kein Friede. Deshalb habe ich darauf gedrängt, daß dieser Krieg mit Entschlossenheit geführt wird."5

Aus dem überzeugten Gegner des Burenkrieges war im Ersten Weltkrieg ein Befürworter des Kampfes bis zum "knock-out blow" geworden, der im totalen Sieg über den Gegner den besten Ausgangspunkt für den kommenden Frieden sah. Allerdings war Lloyd. George nie für einen Frieden um jeden Preis gewesen: Die Erhaltung der britischen Hegemonie zur See und die Verhinderung der deutschen Vorherrschaft in Europa bildeten einen festen Bestandteil seiner politischen Grundeinstellungen.

In allen seinen hohen Ämtern während des Krieges war Lloyd George äußerst erfolgreich: er verhinderte anfangs ein Chaos auf den britischen Finanzmärkten, sorgte für ausreichende Versorgung der Truppen mit Kriegsmaterial, setzte die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht durch (1916) und verhinderte als Premierminister in endlosen Disputen mit den Militärs, daß diese den Politikern das Heft des Handelns aus der Hand nahmen. So wurde Großbritannien zwar nicht - wie manche Historiker es sehen - eine Militärdiktatur, "but only at the price of becoming a political one"6. Am Ende des Krieges war die Staatsmacht enorm gewachsen, die Bürokratie angeschwollen, weite Bereiche der Industrie und des Transportwesens unter staatlicher Kontrolle und die Liberale Partei gespalten. Ein Teil der liberalen Unterhausabgeordneten war 1916 nicht bereit gewesen, die neue Koalitionsregierung unter Lloyd George zu stützen. Die Unterhauswahlen vom Dezember 1918 vertieften die Spaltung und waren ein deutliches Zeichen für den Niedergang der liberalen Bewegung in Großbritannien.


Der Friedensmacher

Wider besseres Wissen war Lloyd George während des Wahlkampfes 1918 der antideutschen Stimmung im Lande weit entgegengekommen und hatte dadurch seinen Manövrierspielraum auf der Versailler Friedenskonferenz unnötig eingeengt. Dennoch war er der "Versöhner" unter den "Großen Drei", der zwischen dem Idealismus des amerikanischen Präsidenten Wilson und dem Chauvinismus des französischen Premierministers Clemenceau zu vermitteln suchte. Eine Friedensregelung mit Deutschland durfte nach Lloyd George keine zukünftigen Kriege provozieren und mußte eine Alternative zum Bolschewismus sein.

"Ich kann mir keine größere zukünftige Kriegsursache vorstellen als die, daß das deutsche Volk [...] von einer Anzahl von kleinen Staaten umgeben wäre, deren Völker noch niemals zuvor eine stabile Regierung hatten, die aber große Mengen von Deutschen einschlössen, die nach der Vereinigung mit ihrem Geburtsland schreien würden."7

Praktisch erreichte er jedoch nur kleinere Zugeständnisse in bezug auf Danzig, das linke Rheinufer und Oberschlesien. Nicht verhindern konnte er, daß die Höhe der deutschen Reparationszahlungen zunächst nicht fixiert wurde und Deutschland sowie Rußland nicht in den Völkerbund aufgenommen wurden. So richtete sich ein Großteil seiner Nachkriegsdiplomatie auf das letztlich erfolglose Bemühen, das Reparationsproblem zu lösen und die beiden "Geächteten", Deutschland und die Sowjetunion, in die europäische Ordnung zu integrieren.8


Die "Großen Drei" George Clémenceau, Woodrow Wilson und Lloyd George
in Versailles, nachdem sie 1919 den Friedensvertrag unterschrieben haben.
Aus: Morgan, Lloyd George, p. 131
Copyright by Weidenfeld and Nicholson

Der wachsenden Zahl der Kritiker zu Hause erschien der europäische Staatsmann Lloyd George "abgehoben", ein "Olympier", der sich nur ungern um die drückenden Probleme im Lande kümmerte. Dazu gehörte vor allem die Irland-Frage. 1916, mitten im Kriege, hatte eine Gruppe irischer Nationalisten die Errichtung der Irischen Republik proklamiert. Der "Oster-Aufstand" wurde zwar niedergeworfen und Lloyd George mit der Ausarbeitung einer Übergangslösung beauftragt. Doch der von ihm vorgeschlagene Kompromiß - "home rule" für die 26 Grafschaften Südirlands, während die 6 Grafschaften von Ulster Teil des Königreiches bleiben sollten - scheiterte am Widerstand der Konservativen innerhalb der Koalitionsregierung. Die Wunde schwärte weiter. Schließlich konnte nach einer Serie von Verhandlungen, in denen Lloyd George alle seine diplomatischen Künste und Tricks ausspielte, 1921 der Irland-Vertrag unterzeichnet werden, der dem südirischen Freistaat den Dominion Status garantierte (Verbindung mit Großbritannien auf der Ebene der Gleichberechtigung, Souverän bleibt die Krone), und Ulster bei Großbritannien beließ. Rückblickend war dies trotz des bis heute nicht beigelegten Konflikts in Nordirland vielleicht Lloyd Georges größter Erfolg. Er hatte eine tragbare Lösung erreicht, an der seit 1801 alle britischen Politiker und Staatsmänner gescheitert waren.

Damit war jedoch auch das Ende der Nachkriegskoalitionsregierung eingeläutet.1922 entzogen die Konservativen Lloyd George ihr Vertrauen: er sei eine "dynamische Gewalt, die bereits die Liberale Partei zerrüttet habe und nun drauf und dran sei, dasselbe mit der Konservativen Partei zu tun" argumentierte damals der spätere Premierminister Stanley Baldwin. Den Anlaß zur Trennung gab ein Korruptionsskandal. Lloyd George hatte für persönliche Wahlkampfzwecke einen Fonds geschaffen, der aus dem Verkauf von Titeln und Auszeichnungen an wohlhabende Aufsteiger gespeist wurde: Lloyd George trat zurück. Es folgten 23 Lebensjahre ohne Amt, "in the wilderness".

Ohne Zweifel ist Lloyd George bis heute eine der schillerndsten und umstrittensten Gestalten in der jüngeren britischen Geschichte. Er schaffte den Aufstieg vom walisischen cottage zur Downing Street Nr. 10 und zum internationalen Staatsmann und war vielleicht - wie sein Freund Winston Churchill bei seiner Beerdigung sagte "the greatest Welshman which that unconquerable race has produced since the age of the Tudors".

Anmerkungen

1. Zit. Nach: A.J.P. Taylor: Einleitung zu Kenneth O. Morgan: Lloyd George. London 1974, p. 7
2. Zit. in: Morgan, Lloyd George, S. 26
3. Martin Pugh: Lloyd George. London 1988, p. 6
4. Lloyd George: Bessere Zeiten. Hrsg. Von Eduard Bernstein. Jena 1911, S.106
5. Lloyd George: The great cruisade. Rede vom Mai 1916. In: Chris Wrigley: Lloyd George. Oxford 1992, p. 74. Übers.
   d.Verf.
6. Michael Lynch: Lloyd George and the Liberal Dilemma. London 1993, p. 83
7. Lloyd George: Memorandum von Fontainebleau 1919. In: Wrigley, Lloyd George, p. 99
8. Vgl. Zum Gesamtkomplex Heft 29 der Reihe Deutschland und Europa: Europäische Friedensschlüsse... Stuttgart 1994



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