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Ausgabe 2/97: 1848/49 Revolution


Vorwort


Über dem Präsidentenpult in der Frankfurter Paulskirche hing als Hoheitszeichen für die Nationalversammlung ein über vier Meter hohes Transparent, die Germania, 1848 von Philipp Veit gemalt (siehe Titelbild). Die schwarz-rot-goldene Trikolore mag den Eindruck der rein innenpolitischen Ausrichtung der deutschen Revolution von 1848/49 erwecken. Doch diese isolierte Betrachtungsweise trügt. Weniger bekannt ist, daß der in der Paulskirche rechts des monumentalen Germania-Gemäldes angebrachte Vierzeiler auf die internationale Dimension der Freiheitsbewegungen hinweist, wie in den Kapiteln I und II des vorliegenden Heftes erläutert wird. Auch der Untertitel ". . . bis es ein freies Volk geworden. . . ", ein kleiner Ausschnitt aus einer Rede Robert Blums in der Frankfurter Nationalversammlung im Juli 1848, muß im Gesamtzusammenhang gelesen und interpretiert werden, damit der europäische Wirkungszusammenhang deutlich wird (vgl. Einleitung:  "Europäische Dimensionen der deutschen Revolution von 1848/49" und Kapitel III: "Ein Tod in Wien. . . ").

Damit sind die Intentionen des vorliegenden Heftes angedeutet. Mit einer gezielten, vorwiegend biographisch ausgerichteten Auswahl von Materialien sollen außer den südwestdeutschen und nationalen auch die europäischen Aspekte der Revolution von 1848/49 zur Sprache kommen. Für die Freiheit und Einheit sich einsetzende Menschen werden in den Mittelpunkt gerückt. Aber auch ein Gegenrevolutionär in Gestalt des "Kartätschenprinzen" (des späteren Kaisers Wilhelm I.) wird vorgestellt (Kapitel V). Gustav Heinemann rief als Bundespräsident dazu auf, "in der Geschichte unseres Volkes nach jenen Kräften zu spüren ... , die dafür gelebt und gekämpft haben, damit das deutsche Volk politisch mündig und moralisch verantwortlich sein Leben und seine Ordnung selbst gestalten kann. . . ". Dazu gehören auch "revolutionäre Frauen", die mit ihren Wünschen, Hoffnungen und Enttäuschungen zu Wort kommen (Kapitel IV und VI). Grenzüberschreitungen und wechselnde Schauplätze (Südwestdeutschland, Berlin, Wien, London, USA/Kapitel VII) betonen immer wieder die europäischen und internationalen Aspekte der Geschehnisse. Die Gefahr eines europäischen Krieges wird am Beispiel der Haltung Großbritanniens diskutiert (Kapitel VIII). Abschließend beleuchtet Kapitel IX anhand der Jubiläumsfeiern 1873 bis 1948 die Wirkungsgeschichte der Revolution.

In der vorliegenden Zeitschriftenreihe war bereits Heft 2/1984 der Revolution von 1848/49 gewidmet. Landeskundliche und nationale Schwerpunkte ("Baden und Mitteldeutschland") standen im Vordergrund (das Heft ist vergriffen). Die Reihe "Die deutsche Frage im Unterricht" erfuhr mit 1989/1990 eine programmatische Erweiterung in Richtung "Deutschland und Europa", ohne daß gegebene landespolitische und landesgeschichtliche Bezüge, wie dieses Heft veranschaulicht, wegfielen. Möge es angesichts der 1997-1999 stattfindenden zahlreichen lokalen, regionalen und nationalen Veranstaltungen und Feiern und auch über diesen Zeitraum hinaus daran erinnern, daß die Revolution "Teil eines gemeinsamen europäischen Erbes" ist (Wolfram Siemann, Einleitung).

Siegfried Schiele

Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg



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