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Ausgabe 2/97: 1848/49 Revolution


IV. "Für eine europäische Republik": Georg und Emma Herwegh 1848

2. Materialien


M1

Georg Herwegh und Emma Siegmund 1842/43

Bild: Heinrich Heine-Institut, Düsseldorf

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Bild: Dichtermuseum/Herwegh Archiv, Liestal

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M2

Aufruf an die siegreichen französischen Republikaner, ihre Waffen den Exildeutschen zu leihen

Bild: "Es lebe Frankreich, unsere Schwester für das Leben und den Tod!"

aus: F.X. Vollmer: Der Traum von der Freiheit. Stuttgart 1983, S. 96, Theiss Verlag

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M3

Adresse Herweghs 6. 3. 1848

An das französische Volk!

Der Sieg der Demokratie für ganz Europa ist entschieden: Gruß und Dank vor allem Dir, französisches Volk! In drei großen Tagen hast Du mit der alten Zeit gebrochen und das Banner der neuen aufgepflanzt für alle Völker der Erde. [...]

Französisches Volk, wir gehen Hand in Hand mit dir. [...] Erhalte allen deinen Kindern, was sie alle erkämpften, und die einzige Hilfe, welche wir von dir begehren, ist, daß du standhaft bleibst und uns zujauchzest, wenn wir von den Zinnen des von deutschen Händen eroberten Deutschlands dir zurufen:

Es lebe die Freiheit, die Gleichheit, die Bruderliebe! Es lebe die Demokratie! Es lebe die europäische Republik! [...]

Briefe von und an Georg Herwegh, hrsg. von Marcel Herwegh. Verlag Albert Langen, Paris-Leipzig-München 1896, S. 133-135


M4

Brief Herweghs an Hecker, 15. 3. 1848:

Paris, 15. März 1848.

Die hiesigen Deutschen fangen an, sich zu organisieren und zu bewaffnen, und es ist Hoffnung vorhanden, in kurzer Zeit ein Korps von 4-5000 Mann eingeübt und mit Offizieren versehen zur Disposition Deutschlands bereit zu haben, welches auf das erste Signal von draußen, daß die Hilfe einer disziplinierten deutschen Armee nötig oder gewünscht wird, an den bezeichneten Ort marschiert. [...] Die Stimmung unter den hiesigen Deutschen ist sehr kriegerisch, und sobald ein erstes Korps wirklich abmarschiert wäre, würden tausende und vielleicht zehntausende organisiert und diszipliniert (um im Fall der Not auch Linientruppen Stand halten zu können) folgen.

Köln, Frankfurt und das Großherzogtum Baden sind die Punkte, auf die sie ihr Hauptaugenmerk richten [...]

Auf die Hilfe der Deutschen in Paris ist jeden Augenblick zu rechnen, und man würde unrecht thun, sie zu verachten, da viele von ihnen in den drei großen Tagen mitgefochten und alle gesehen haben, wie man eine Revolution macht, und was ein Volk vermag.

Georg Herwegh.

Briefe von und an Georg Herwegh, S. 115-117


M5

Aufruf Herweghs aus Straßburg, 15. 4. 1848

Die Pariser deutsche demokratische Legion.

An unsere deutschen Mitkämpfer aus Frankreich und der Schweiz und an das deutsche Volk.

Die Pariser deutsche demokratische Legion ist an den Ufern des Rheins angekommen; sie hat hier deutsche Freiheits-Legionen aus anderen Städten Frankreichs und der Schweiz gefunden, alle gekommen, um für die Freiheit des deutschen Volkes zu fechten. Ehe wir vereint zur ersten entscheidenden Tat schreiten, sei ein offenes Wort an unsere Freunde und Mitkämpfer und an das ganze deutsche Volk gesprochen.

Wir sind keine Freischaaren!

Wir sind deutsche Demokraten, wollen Alles für das Volk, Alles durch das Volk! - Wir wollen die deutsche Republik mit dem Völker verbindenden Wahlspruche: Freiheit! Gleichheit! Bruderliebe!

Wir sind keine Freischaaren!

Wir sind ein wohlgerüstetes Hilfskorps im Dienste des deutschen Volkes, bereit für Deutschlands Freiheit und Größe zu fechten bis auf den letzten Mann, gegen innere und äußere Feinde. [...]

Deutsche Brüder in der Heimat! Eure Brüder aus der Fremde, aus der Verbannung nahen, empfangt sie als Freunde! Wir gedachten niemals als Feinde auf deutschen Boden zu treten, niemals euch die Freiheit aufzudringen, niemals euren freien Willen zu beschränken, noch Euer Eigentum anzutasten. [...]

Wir erklären euch aber auch zugleich, daß wir ungerufen nicht kommen, daß es ferne von uns liegt, gewaltsam in Deutschland einzudringen, und daß, falls ihr unglücklicherweise Deutschland für die vollständigste Staatsform der Freiheit: die Republik, noch nicht reif wähnt, wir weit entfernt sind, Euch unsere Überzeugung aufzudringen, oder Euch zwingen, freie Republikaner zu werden, wenn Ihr Unterthanen bleiben wollt.

Wir werden dann dem neu erwachenden Polen zu Hilfe eilen, gegen Rußland kämpfen oder für Schleswig-Holsteins deutsche Rechte in den Kampf ziehen [...]

Gruß und Bruderschaft!

Im Namen der deutschen demokratischen Legion von Paris, das Comité, Georg Herwegh.

Briefe von und an Georg Herwegh, S. 153ff.


M6

Georg und Emma Herwegh als Freiheitskämpfer

Bild: Historisches Museum der Stadt Hanau, Schloß Philippsruhe-Hanauer Geschichtsverein

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M6a

Der Zug der Deutschen Legion durch Südbaden

Aus: Vollmer: Der Traum von der Freiheit, S.126, Theiss, Stuttgart

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M7

Emma Herwegh über ihren zweiten Besuch bei Hecker, Kandern, 19. 4. 1848:

Unser Wagen wurde angehalten, und erst nach genauer Inspektion, unter bewaffneter Begleitung ins Hauptquartier geführt. Dies war die Nacht vor dem Gefecht, in dem Gagern fiel. Als mich Hecker aussteigen sah, rief er aus: Sie sind's, Frau Herwegh? Na, Sie kommen grad recht, wir sitzen in der Mausfalle.

Wie das?

Von allen Seiten zieht sich das Militär zusammen, das wird einen heißen Kampf geben. [...]

Endlich nahm ich ihn einen Augenblick beiseite und sagte ihm: Der einzige Grund, weshalb ich Sie zum zweiten Male aufsuche, ist, um Sie nochmals in Herweghs Namen an Ihr gegebenes Wort zu erinnern, und Sie aufzufordern, ihm unverzüglich den Vereinigungspunkt zu bestimmen. Ehe mir diese Antwort nicht geworden, kehre ich nicht heim. [...] Unsere Mannschaft ist der ewigen Vertröstungen von einem Tage zum andern müde, und nicht mehr zu halten, und die materiellen Mittel sind erschöpft. Es bleiben uns jetzt nur drei Wege, entweder zu verhungern, auseinandergehen, oder uns Ihnen in kürzester Frist anzuschließen. Darum bitte ich um eine entschiedene Antwort. [...] So sagen Sie Herwegh, rufen könne ich ihn nicht, aber wenn er kommen wolle, und recht bald und in recht großer Anzahl, soll's mir lieb sein. [...]

So sehr mir Hecker gefiel, so wenig behagte mir sein Bescheid, und ich ließ deshalb meinen Unmut an dem Ersten aus, der mir in den Weg trat. Es war M. [Mögling].

Wollt ihr wirklich nichts als eine badische Republik, sagt ich ihm, so mögt ihr uns getrost ausschließen, denn welcher Mensch kann sich heutiges Tags dafür interessieren. Wollt ihr aber die Republik für ganz Deutschland, womöglich für ganz Europa, und betrachtet, wie wir dies stets von Hecker vorausgesetzt, die badische nur als einen Anfang derselben, mit welchem Recht zögert ihr da, die Mitwirkung Euerer Brüder und darunter Euerer besten Brüder laut zu begehren?

Zur Geschichte der deutschen demokratischen Legion aus Paris. Von einer Hochverräterin. In: Briefe von und an Georg Herwegh, S. 175f.


M8

Kämpfe auf Indianerweise im Hotzenwald

Bericht des württembergischen Hauptmanns Lipp über das Gefecht bei Dossenbach, 27. 4. 1848:

Die auf einer freien Stelle zwischen den Waldungen gelagerte Legion griff zu den Waffen. Die deutschen Banner wurden unter dem Kommandoruf »aux armes! aux armes!« entfaltet. Ohne sich zu ordnen, und ohne ein weiteres Kommando abzuwarten, stürzte ein Schwarm mit wütendem Geschrei aus dem Walde, die Patrouille (der Württemberger) mit einem Hagel von Kugeln begrüßend [...] Das Feuer der Legion blieb unerwidert, bis sie in schußgerechter Nähe gelangt war. Die Salve hatte Erfolg; Verwundete stürzten nieder und wurden dem Walde zugetragen, wo die Legion die Ambulance errichtet hatte [...] Mit Ausnahme des Bataillons Schimmelpenning hatten die sogenannten Bataillone keine taktische Gliederung und rückten auf Indianerweise in ungeregelten Haufen vor, deckenden Terrainfalten nachziehend; ihre Schützen schwärmten in einem großen Bogen voran von Stellung zu Stellung, gedeckt durch die Obstbäume [...] Alles schrie, jeder wollte kommandieren und vermehrte das Durcheinander, so daß trotz dem Mute, der viele der Legion beseelte, die innere Verbindung und Leitung abhandenkam, und ein lähmendes Mißtrauen in die eigene Kraft sie um die letzte energische Anwendung derselben im entscheidenden Augenblick brachte.

Darin stimmten übrigens ihre Schlachthaufen überein, daß sie zur Vermehrung solcher Unordnung ein Schlachtgeschrei anhuben, das kaum vom Knalle der Geschosse übertönt wurde. [...]

Friedrich Lautenschlager (Hrsg.): Volksstaat und Einherrschaft. Dokumente aus der badischen Revolution. Konstanz 1920, Verlag Reuß und Itta, S. 137-143 Die Behandlung des »Falles Herwegh« in der Paulskirche (im Rahmen der Amnestiedebatte über Hecker), 7. - 11. 8. 1848:


M9

Bild: Hauptmann Lipp im Gefecht mit Reinhard Schimmelpenning (bei Dossenbach, April 1848)

Vorlage und Aufnahme: Generallandesarchiv Karlsruhe

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M10

Die Behandlung des Falles Herwegh in der Paulskirche (im Rahmen der Amnestiedebatte über Hecker), 7.-11.8. 1848

Brentano von Bruchsal:

Es scheint, als habe man von Seiten der Reaction es gewünscht, daß irgend eine Emeute [Aufruhr] zu Stande käme, um die Zügel straffer und stärker anziehen zu können. Freilich, wenn dieses die Absicht gewesen sein sollte, so hat der Erfolg die kühnsten Erwartungen der Reaction übertroffen. [...]

Man hat absichtlich vorher verbreitet, es wollten fremde Zuzüger den Rhein überschreiten. Man hat unsere deutschen Brüder, welche in Frankreich lebten, und nach der Heimath zurückkehren wollten, fremde Zuzüger genannt, und hat ein Zetergeschrei erhoben, als man die Truppen, die aus den Bundesstaaten kamen, gegenüber den badischen Truppen, fremde nannte; und noch heute sehe ich mit tiefem Schmerze in dem Ausschuß-Berichte unsere deutschen Brüder, welche aus Frankreich herüber gekommen sind, als Fremde bezeichnet. [...]

Welcker von Frankfurt:

[...] Diese Männer [Struve und Fickler] sind zu mir gekommen, als ich einen Herwegh'schen Brief in der Hand hatte, worin er den deutschen Republikanern eine Hilfe von 100000 Franzosen versprach, wenn es Noth thue. - Ich habe gesagt, der letzte Straßenkehrer in Paris würde erröthen, an einem Unternehmen Theil zu nehmen, welches den Landes-Verrath auf der Stirne trägt.

Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der Deutschen Constituirenden Nationalversammlung zu Frankfurt am Main. Hrsg. von Franz Wigard. Bd. 2 Ndr. München 1988, Sp. 1437, 1453


M11

Herweghs Meinung von der Nationalversammlung in der Paulskirche

[...]

Zu Frankfurt an dem Main -
Die Wäsche wird nicht rein;
Sie bürsten, und sie bürsten,
Die Fürsten bleiben Fürsten,
Die Mohren bleiben Mohren
Trotz aller Professoren
Im Parla - Parla - Parlament
Das Reden nimmt kein End!

Zu Frankfurt an dem Main -
So schlag der Teufel drein!
Es steht die Welt in Flammen,
Sie schwatzen noch zusammen,
Wie lange soll das dauern?
Dem König Schach, ihr Bauern!
Dein Parla - Parla - Parlament,
O Volk, mach ihm ein End!

 

Herweghs Werke in einem Band. Ausgewählt und eingeleitet von Hans-Georg Werner. Bibliothek deutscher Klassiker. Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar 1980. S. 163f


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