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Ausgabe 2/97: 1848/49 Revolution


V. "Den Drachen Revolution töten" - Prinz Wilhelm von Preußen
Berlin - London - Karlsruhe: Ein Gegegnrevolutionär unterwegs

2. Materialien


M1

Eine Whistgesellschaft

Karikatur (März/April 1848) von Friedrich Wilhelm Storck,(c) DHM Berlin

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M2

Brief des Prinzen Wilhelm von Preußen an General von Prittwitz, London, 21. April 1848

»An den General v. Prittwitz Exc., Kommandierender General des Gardekorps in Berlin. [...] Der furchtbare Umschwung der Verhältnisse seit wir uns nicht sahen, kann nicht ohne Rückwirkung auf die Armee bleiben, und Alles was Sie darüber sagen, - leider auch mit der Zeit für das Garde-Corps zu befürchten, ist ganz meine Überzeugung. Ist die Armee aber erst soweit, wie das 8. Corps es schon ist, was bleibt dann noch von Preußen übrig?

Sie können und müssen stolz darauf sein, über die Tat, wie Sie den Kampf am 18. Und 19. führten, stolz, so herrliche Truppen geführt zu haben, und stolz auf das Vertrauen, was Ihnen dieselben jetzt noch beweisen! Wer solche Stunden mit seinen Truppen besteht, da ist das Vertrauen unauslöschlich. Sie haben den Ruhm, nicht allein die Ehre und den Ruhm des Garde-Corps, sondern der Armee aus der Catastrophe, die uns betroffen hat, unbefleckt gerettet zu haben. [...] Und ebenso ehren- und ruhmvoll ist es, daß es Ihnen gelungen ist, bisher die Ordnung und die Zucht in Ihrer Truppe zu erhalten, die dieselbe durchdringen muß, wenn sie nicht zu Freischaaren zurücksinken soll. Je schwieriger diese Aufgabe war, nach allem was dieser Truppe zugemuthet worden ist, - im Siege abberufen zu werden, durch Wort, That und Schrift verhöhnt zu werden! -, je höher liegt Ihr Verdienst! Der Gedanke ist mir theuer, daß der Geist, welcher Ihnen Ihre Aufgabe möglich machte, in der Truppe wenigstens von mir nicht unangeregt gewesen ist. Dieser Gedanke tröstet mich in meiner Lage, bei dem Gedanken, daß das Vergangene nicht wiederkehrt! Und daher bin ich auch stolz, Führer einer Truppe gewesen zu sein, die solche allgemeine Anerkennung der Kriegs-Welt sich erworben hat! So nehmen Sie, von Ihrem ehemaligen Führer, den wärmsten und aufrichtigsten Dank hin, für die Ehre, die Sie den Truppen zu erhalten wußten, die zu führen ich solange die Ehre das Glück hatte!!

Bis in den Tod der Ihrige! Prinz von Preußen«

Aus: Karl Ludwig von Prittwitz. Berlin 1848. Das Erinnerungswerk des Generalleutnants Karl Ludwig von Prittwitz und andere Quellen zur Berliner Märzrevolution und zur Geschichte Preußens um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Bearbeitet und eingeleitet von Gerd Heinrich. Walter de Gruyter, Berlin-New York 1985, S. 488f.


M3

Zeittafel

1848, 9. März
Prinz Wilhelm wird zum Militärgouverneur des Rheinlands und Westfalens ernannt, nachdem die Volksbewegung in den preußischen Westprovinzen bedrohliche Formen angenommen hat; seine für den 15. März geplante Abreise ins Rheinland unterbleibt wegen der Revolution in Berlin.

1848, 13. März
 In Berlin geht das Militär erstmals gegen das Volk vor; Prinz Wilhelm kritisiert die Unentschiedenheit und Ratlosigkeit der Regierung als großen Fehler und drängt auf schnelles und brutales Zerschlagen der revolutionären Bewegung (»Kartätschenprinz«).

1848, 16. März
Prinz Wilhelm flieht mit Familie in das königliche Schloß, weil er sich durch eine Menge vor seinem Palais bedroht fühlt, die in ihm die treibende Kraft der Gegenrevolution sieht.

1848, 18. März
Friedrich Wilhelm IV. läßt gegen Mittag verkünden, er wolle einige Forderungen der bürgerlichen Opposition erfüllen:

- Zusammentritt des Vereinigten Landtags am 2. April

- Einführung einer Konstitution

- Gewährung der Pressefreiheit

- Mitwirkung Preußens an der Schaffung eines deutschen Bundesstaats

(Das Patent ist mitunterzeichnet vom Prinzen Wilhelm als Thronfolger, der aber gleichzeitig erreicht, daß der rücksichtslose General von Prittwitz den Oberbefehl über die Truppen im Berliner Raum erhält). Um 14 Uhr läßt Prittwitz den Schloßplatz gewaltsam räumen, daraufhin Barrikadenbau und Barrikadenkämpfe; nach ersten militärischen Erfolgen im Straßenkampf fordert Prinz Wilhelm, der König solle seine gerade gemachten Versprechungen wieder zurücknehmen; trotz des späteren Eingeständnisses der militärischen Niederlage stemmt er sich weiter gegen die Bildung eines Ministeriums aus gemäßigten Konservativen und rechten Liberalen.

1848, Nacht zum 19. März
Viele Offiziere erkennen, daß ein Sieg über die Barrikadenkämpfer unmöglich ist; Prinz Wilhelm ist am Morgen des 19. dennoch gegen einen bedingungslosen Truppenabzug und schreit deshalb den König an: »Bisher habe ich wohl gewußt, daß Du ein Schwätzer bist, aber nicht, daß Du eine Memme bist! Dir kann man mit Ehren nicht mehr dienen.« Friedrich Wilhelm IV. verfaßt seine Proklamation »An meine lieben Berliner«.

1848, 19. März
Die Truppen räumen bis auf wenige Kompanien im Schloß die Stadt. Der König muß den toten Revolutionären die letzte Ehre erweisen, indem er sein Haupt entblößt, als die Toten im Schloßhof vorbeigetragen werden. Nachdem die Revolutionäre empört von Prinz Wilhelm den Thronverzicht verlangen, entschließt sich dieser auf Drängen des Königs zum Verlassen Berlins und ist sogar zum formellen Verzicht auf die Krone bereit. Abends flieht er nach Spandau in die Zitadelle.

1848, 20. März
Das Berliner Palais des Prinzen wird vor Brandstiftung und Zerstörung durch einen einfachen Mann gerettet, der auf die Wand des Palais die Worte »National-Eigentum« schreibt. In der Nacht zum 21. März löst in Berlin das Gerücht, Prinz Wilhelm stünde mit einer Invasionsarmee vor der Stadt, Sturmläuten und erneuten Barrikadenbau aus.

1848, 21. März
Deswegen flieht Prinz Wilhelm auf die Pfaueninsel, unterwegs wird er in dem Fischerdorf Cladow erkannt, von dort aus drängt er den König zur militärischen Einschließung Berlins und zur Niederwerfung der Revolution, aber der König lehnt ab und bleibt in Berlin und anerkennt in einem Umritt in Berlin die Ergebnisse der Märzrevolution (»Preußen geht fortan in Deutschland auf«); er befiehlt Prinz Wilhelm, umgehend nach England zu reisen, »um dem befreundeten englischen Hof Aufschluß und Aufklärung über die hiesigen Zustände und die hiesigen Ereignisse zu geben«.

1848, 22. März
Prinz Wilhelm fügt sich dem König, verlangt aber, der Reise »den Stempel einer Mission« zu geben, nachdem vom Hof die Ankündigung der bevorstehenden Reise ins Exil bereits der Presse mitgeteilt worden ist. Die Märzgefallenen werden auf dem Berliner Friedhof Friedrichshain begraben. Abends tritt Prinz Wilhelm in Zivilkleidern, glattrasiert und unter falschem Namen die Flucht an.

1848, 24. März
Nach einer gefährlichen Flucht, auf der er zweimal erkannt wird, geht Prinz Wilhelm in Hamburg an Bord eines Schiffes. Am 27. März quartiert er sich im preußischen Gesandtschaftspalais in London ein. Unter der Einwirkung des preußischen Gesandten Bunsen und der englischen Königsfamilie wird seine Haltung gegenüber dem monarchischen Verfassungsstaat offener.

1848, April
Prinz Wilhelm läßt sich im Kreis Wirsitz (Provinz Posen) als Abgeordneter in die preußische Nationalversammlung wählen.

1848, Mai
Die Presse berichtet am 11. Mai, daß das Staatsministerium am 8. Mai an den König den Antrag gestellt hat, dem Prinzen von Preußen die Abkürzung seines Aufenthalts in England zu empfehlen und daß Prinz Wilhelm sich für das neue System in Preußen ausgesprochen hat. Ende Mai demonstrieren 10000 Berliner gegen die Rückkehr des Prinzen Wilhelm. Am 30. Mai bekennt sich Prinz Wilhelm in Brüssel öffentlich und schriftlich zur konstitutionellen Regierungsform in Preußen.

1848, Juni
Vor der Rückkehr des Prinzen Wilhelm entzieht ihm der König aus Rücksicht auf die Volksstimmung das Kommando über das Gardekorps, weswegen Prinz Wilhelm protestiert: »Somit habe ich weder in der Armee noch im Staat eine Stellung.« Am 7. Juni trifft Prinz Wilhelm in Potsdam ein und wird vom König und der Königin erwartet und in Potsdam abends feierlich durch die Bevölkerung von Nowawes M4 nahe seinem Wohnsitz Schloß Babelsberg empfangen. Am 8. Juni erscheint Wilhelm in der preußischen Nationalversammlung in Berlin, was geteilte Reaktionen hervorruft. In seiner Rede als Abgeordneter bekennt er sich zwar voll und ganz zur konstitutionellen Regierungsform, kündigt aber gleichzeitig die Niederlegung seines Abgeordnetenmandats an; danach kehrt er nach Potsdam zurück.

1848, September
Das Ministerium unter General von Pfuel übernimmt die Leitung des neuen Kabinetts. Einige der Minister sind auf Vorschlag des Prinzen Wilhelm ernannt worden.

1849, April
König Friedrich Wilhelm IV. lehnt am 28. die ihm von der Deutschen Nationalversammlung angetragene deutsche Kaiserkrone ab.

1849, Mai
Der Badische Aufstand beginnt mit Soldatenerhebungen in Rastatt, weswegen der Großherzog von Baden Preußen um militärische Hilfe ersucht.

1849, Juni
Prinz Wilhelm wird am 8. zum Kommandierenden der »Operationsarmee in Baden und in der Pfalz« ernannt. Am 13./14. Juni treten die beiden preußischen Korps den Vormarsch an. Am 20. Juni überschreitet Prinz Wilhelm mit dem I. Korps bei Germersheim den Rhein. Am 22. Juni siegen die Preußen im Gefecht bei Waghäusel, und Prinz Wilhelm zieht in Mannheim ein. Am 25. Juni zieht Prinz Wilhelm in Karlsruhe ein.

1849, Juli
Am 1. Juli ist die Festung Rastatt, die Zuflucht der Aufständischen, eingeschlossen. Am 23. Juli kapituliert die Festung Rastatt; es folgt die Entwaffnung der Aufständischen im Beisein von Prinz Wilhelm. Von den 30 in Baden zum Tode verurteilten Revolutionären werden bis August 27 standrechtlich erschossen.

1849, August
Am 19. zieht Prinz Wilhelm zusammen mit dem Großherzog von Baden in Karlsruhe feierlich ein.

1849, Oktober
Am 12. zieht Prinz Wilhelm an der Spitze von Truppen, die in Baden gekämpft haben, in Berlin ein.


M4

Karikatur auf die Rückberufung des Prinzen von Preußen 1848.

Lithographie von Wolfahrt. Dietz Verlag, Berlin, Bildarchiv

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M5/1

Das merkwürdige Jahr 1848. Eine neue Bilderzeitung

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Neuruppiner Bilderbogen Nr. 2068 Quelle:Berlin, Landesarchiv 1184a


M5

Das merkwürdige Jahr 1848. [...]

19. Bild (Textwiedergabe von M5/1):

»Der Empfang Sr. K. Hoheit des Prinzen von Preußen hier in Nowawes bei Potsdam war eben so feierlich, wie herzlich. Troz des Sturmes der früheren Tage waren Ehrenpforten in großer Zahl gebaut, an deren erstere, die mit der deutschen und preußischen Fahne und vielen Blumen geziert, der größte Theil der Einwohnerschaft versammelt war. In geordneten Reihen stand die Schuljugend zu beiden Seiten des Weges, voran die weiß gekleideten Mädchen mit vielen Kränzen, Sträußen und Guirlanden. [...]

Schon seit zwei Tagen wurde der Prinz von Preußen erwartet. Auch hatte sich das Musikchor des ersten Garderegiments nach dem prinzlichen Schlosse auf den Babelsberg begeben, von dessen Zinnen herab die deutsche und die preußische Flagge vereinigt wehten. Heute Morgen um 10 Uhr kam Se. K. Hoheit auf der Eisenbahn von Magdeburg an, und wurde auf der Wildparkstation von Sr. Maj.[estät] dem Könige mit einer Umarmung und den Worten: »sei mir herzlich willkommen«, empfangen. Man will bei dieser rührenden Empfangsscene nach so großen und folgenreichen Ereignissen Thränen in beider Fürsten Augen gesehen haben. [...]

Mit Begeisterung empfing Preußen die constitutionellen Verheißungen - mit Vertrauen die neuen Minister - mit Zuversicht sieht Preußen den Arbeiten seiner Vertreter entgegen, und erwartet von ihnen das Staatsgrundgesetz, aus freier Berathung hervorgehend. In unserer constitutionellen Monarchie muß Krone und Volk mehr, wie je, Eins sein, fest verbunden durch Achtung und Vertrauen, stark durch gegenseitige Treue; und deshalb gehört der dem Throne am Nächsten - der Prinz von Preußen - jetzt in des Volkes Mitte. Der hierauf bezügliche Antrag des Ministeriums hat Aufregung in Berlin hervorgerufen. Diese hat aber in den Provinzen eine weit mächtigere, in dem entgegengesetzten Sinn blitzschnell erzeugt, weil das Gerechtigkeitsgefühl den verleumdeten, verkannten Prinzen entschieden hier vertritt, und des Landes Selbständigkeit, Berlin niemals das Recht einräumen kann, dortige Parteibeschlüsse für unser gesammtes Vaterland geltend zu machen. -

Hurrah! Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen!
Ruft das Volk, ruft das Heer,
Nicht Berlin ist's Volk, wo viele eifern,
Reden hin, reden her.

Mit Lebehoch erwarten die Provinzen
Sehnsuchtsvoll, muthig sein,
Ihren hochgeliebten theuren Prinzen.
Landwehr schlägt, fröhlich ein.

Uebung macht den Mann; an jedem Orte
Bildet sich Bürgerwehr.
Doch nur um zu steh'n als treue Horte
Beim Fürsten, Hochgeehrt!

Hurrah! laßt uns darum jubelnd rufen
Hurrah heran! wer da kann!
Preußen wollen gerne fröhlich bluten
Für Hohenzollern's Stamm.

Original u. Eigenthum No. 2068.
Neu Ruppin zu haben bei Gustav Kühn.«


M6

Die rote Monarchie

Karikatur auf die Pläne Preußens zur Unterwerfung Deutschlands (Deutsche Reichsbremse, 1848)
Quelle: Dietz Verlag Berlin, Bildarchiv

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M7

Prinz Wilhelm von Preußen als Sieger über den Aufstand in Baden

Quelle: Wehrgeschichtliches Museum Rastatt

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