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Ausgabe 1/98: Flandern


Vorwort des Herausgebers


Die Reihe unserer europäischen Regionenhefte innerhalb der Zeitschrift DEUTSCHLAND&EUROPA setzen wir fort mit einem Heft über Vlaanderen/La Flandre/Flandern. Dieser Teilstaat des Königreichs Belgien wird gern als »Land der Gegen sätze« bezeichnet (M. Thomas/ C.Zimmermann, Stolzes Flandern).

Das offizielle Flandern verweist auf eine relativ »zufriedene und optimistische Bevölkerung« in der flämischen Region. In einem »Zufriedenheitsindex der Flamen«, einer Umfrage, wer den besonders die positiven Werte für die Bereiche Wohnung, soziale Kontakte, Arbeit, Freizeit und Lebensstandard hervorgehoben (Flandern/Vlaanderen, Profil 1997). Flandern präsentiert sich kurz vor der Jahrtausendwende als eine der wichtigsten modernen Industrie- und Dienstleistungsregionen Europas mit jahrhundertealten Handelsverbindungen mit dem Ausland. Auch kulturell ist Flandern seit Jahrhunderten weltoffen und international orientiert.

Belgien als Ganzes ist in den letzten Jahren allerdings in sehr negative Schlagzeilen geraten, Worte wie "Im Tal der Finsternis", in dem sich das Kernland der Europäischen Union befinde, machen die Runde (Der Spiegel). Der Sprachenkampf zwischen Flandern und der Wallonie bricht immer wieder auf; die »Mordaffäre Dutroux« hat das Königreich in die »turbulenteste Krise der Nachkriegszeit« gestürzt (Stuttgarter Zeitung); eine tiefe gesellschaftliche Verunsicherung, Mißtrauen gegen den Justiz- und Verwaltungsapparat, gegen Politiker machen sich breit.

Als Hintergrund für die im vorliegenden Heft veröffentlichten Beiträge zur Kultur und Ge schichte dieses Landes sowie zur Europametropole Brüssel sollen einige Hinweise zur staatlich-politischen Struktur dienen, in die Flandern eingebettet ist. Speziell wird dieser Aspekt im Heft nicht thematisiert. Als Teilstaat des föderal aufgebauten Belgiens verfügt Flandern über eine eigene gesetzgebende und vollziehende Gewalt mit weitgehenden Kompetenzen in der Innen- und Außenpolitik. Die Regierung von Flandern ist zuständig für Bildungswesen, Umwelt, öffentliche Arbeiten, Wirtschaft, Sport und Kultur sowie für Fremdenverkehr, Gesundheits- und Sozialwesen, Wohnungsbau, Raumordnung, Außenhandel und wissenschaftliche Forschung. Wallonien, der französischsprachige Teil Belgiens, besitzt ebenfalls ein eigenes Parlament und eine eigene Regierung. Hauptstadt der Region Flandern ist Brussel (Bruxelles, Brüssel); auch die walonische Regierung hat dort ihren Sitz. Die Hauptstadt der beiden Teilstaaten Flandern und Wallonien und des Gesamtstaates Belgien ist zweisprachig und besitzt innerhalb des Königreichs einen Sonderstatus.

Den Verfassern des Heftes kommt es darauf an, Einblicke zu bieten in die Region Flandern mit ihrer nach Europa ausstrahlenden Kunst, Literatur, Musik und Geschichte. Daneben wird Brüssel vorgestellt als Zentrum weittragender europapolitischer Entscheidungen, als Metropole, in der auch andere europäische Regionen wie z. B. Baden-Württemberg politisch präsent sind, und als eine Stadt im Wandel, der nicht zuletzt durch die Institutionen der EU bedingt ist. Nicht vergessen wollen wir, daß Flandern in der europäischen und internationalen Geschichte Schauplatz entscheidender und tragischer militärischer Ereignisse war. Auch der erst im Februar 1998 wieder neu entbrannte Sprachenkampf zwischen Walonen und Flamen wird nicht ausgeklammert, seine Vorgeschichte, Hintergründe und mögliche zukünftige Entwicklung werden aufgezeigt.

Sowohl für den Unterricht in den Fächern Politik, Geschichte, Deutsch/Literatur, Musik und Kunst als auch für Studienfahrten und Unterrichtsprojekte kann dieses fächerübergreifend konzipierte Heft als Fundgrube dienen und für eine weitere Beschäftigung mit dieser europäischen Region anregen.

 

Siegfried Schiele
Direktor der Landeszentrale für politische Bildung
Baden-Württemberg


 


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