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Ausgabe 1/98: Flandern


Europäisches Schlachtfeld
Waterloo/La Belle Alliance


Die europäischen Großmächte verhandelten bereits in Wien über eine neue Ordnung in Europa, als Napoléon am 26. Februar 1815 sein Exil auf Elba verließ, um in Südfrankreich an Land zu gehen. Seine Reise nach Paris gestaltete sich ebenso wie sein Einzug in die Stadt am 20. März zum Triumphzug. Kurze Zeit später beschlossen England, Preußen, Österreich und Rußland, den Krieg gegen Napoléon wieder aufzunehmen. Napoléon nutzte die Begeisterung in Frankreich, um eine neue Armee aufzustellen. Er marschierte mit 125000 Mann und 25000 Pferden nach Belgien, um die Vereinigung der englischen mit der preußischen Armee zu verhindern.

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Waterloo heute
Photo: Barbara Klemm/Frankfurter Allgemeine Zeitung

Am 16. Juni 1815 erreichten die Franzosen Charleroi. Hinter der Stadt, an einer Weggabelung, teilte sich die Armee in zwei Marschkolonnen: eine, die in Richtung Brüssel gegen die Truppen Wellingtons zog, und eine zweite, die unter dem Befehl Napoléons in Richtung Fleurus gegen die preußischen Truppen Blüchers marschierte. Beim Herannahen der feindlichen Linien bezog Blücher seinen Befehlsstand in der Windmühle von Brye, ohne zu ahnen, daß Napoléon - auf Sichtweite entfernt - ebenfalls eine Windmühle ausgesucht hatte, um die Truppenbewegungen seines Gegners mit dem Fernrohr beobachten zu können. Um 15 Uhr begann der Angriff der Franzosen.

Die preußische Armee verfügte über 84000 Mann und 216 Kanonen. Die französischen Truppen waren weit schwächer: 67800 Mann und 164 Kanonen. Die Preußen machten aber einen großen Fehler. Sie vertrauten darauf, daß die Armee Wellingtons im Laufe des Nachmittags zu ihnen stoßen würde, um sie im Kampf gegen die Franzosen zu unterstützen. Daher verschanzten sie sich im Dorf Ligny, um die Ankunft der Engländer abzuwarten. Die Franzosen beschossen das Dorf mit ihren Kanonen, so daß es nach kurzer Zeit lichterloh brannte. Die Hoffnung auf Wellington war vergebens. Am Abend stand fest, daß die Franzosen gesiegt hatten. Blücher befahl noch in der Nacht den Rückzug nach Norden. Die Preußen waren besiegt, aber noch nicht endgültig geschlagen. Zurück blieben über 20000 Tote und Verwundete.

 

Die Schlacht von Waterloo/ La Belle Alliance

Situation auf dem Schlachtfeld am 18. Juni 1815, 11 Uhr

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Nach einer Vorlage aus dem Besucherzentrum gezeichnet von D. Gohl (vereinfacht)

Stärke der Armeen:

  • Wellington: 67 660 Soldaten, 156 Kanonen (24 000 Briten, 30 000 Deutsch3, 14 000 Niederländer)
  • Napoleon: 68 900 Soldaten, 246 Kanonen

Verluste:

  • Wellington: ca. 11 000 Verwundete und Gefallene
  • Preußen: ca. 7000 Verwundete und Gefallene
  • Franzosen: ca. 35 000 Verwundete und Gefallene

Wellington, der mit seiner Armee von Brüssel aus heranmarschierte, erreichte am 17. Juni 1815 die Hochfläche des Mont St. Jean an der Chaussee von Brüssel nach Charleroi. Er war bisher noch nicht auf französische Truppen gestoßen, da Napoléon nach dem Sieg von Ligny keine weiteren Versuche unternommen hatte. Wellington beschloß, sich auf der Hochfläche zu verschanzen, um die Ankunft der Preußen abzuwarten. Er bezog sein Quartier in der Pferdepost des Dorfes Waterloo. Am Nachmittag begann es sehr stark zu regnen. Der Boden verwandelte sich in kürzester Zeit in einen Morast, so daß die schweren Kanonen kaum mehr zu bewegen oder auszurichten waren. Die Soldaten suchten Schutz vor dem prasselnden Regen.

Gegen 18 Uhr erreichten die französischen Soldaten den Hof Belle Alliance an der Chaussee von Brüssel nach Charleroi. Napoléon bezog sein Quartier in der Meierei La Caillou. Er beobachtete, wie sich die Engländer auf der Hochebene verschanzten. Am Morgen des folgenden Tages, am 18. Juni 1815, erläuterte Napoléon beim Frühstück seinen Schlachtplan. Zunächst sollten das Rittergut Hougoumont und der Hof La Haie Sainte erobert werden, die im Gebiet zwischen den beiden Armeen lagen und bereits von den Engländern besetzt und befestigt worden waren. Die Kanonen sollten den Gegner mit einem Trommelfeuer belegen. Napoléon war siegessicher. Er ging davon aus, die Truppen Wellingtons vor der Ankunft der Preußen entscheidend schlagen zu können. Der Angriff sollte um 9 Uhr beginnen.

Doch der Regen erzwang eine Verschiebung. Die Kanonen ließen sich nicht bewegen, geschweige denn ausrichten. Es kam zu der später entscheidenden Verzögerung um zweieinhalb Stunden. Erst um 11.30 Uhr begann der französische Angriff. Zunächst versuchten die Franzosen Hougoumont zu erobern. Doch die Engländer waren gut verschanzt und setzten eine neue fürchterliche Waffe gegen die in dichten Reihen angreifenden Truppen ein: Die Schrapnell-Geschosse, Bleikugeln in einer dünnen Eisenhülle, die aus großer Entfernung abgeschossen werden konnten und die beim Aufprall freigesetzt wurden, um ein Massenbombardement auszulösen. Die Franzosen versuchten immer wieder, Hougoumont einzunehmen, bis sie es um 17 Uhr erfolglos aufgaben. Vor den Mauern von Hougoumont lagen über 3000 Tote.

Gegen 13 Uhr hatte Napoléon unterdessen den Angriff auf La Haie Sainte befohlen, um die auf der Hochebene verschanzten Engländer angreifen zu können. Zu diesem Zeitpunkt wußte er bereits, daß sich die Preußen näherten. Von nun an war der Ausgang der Schlacht eine Frage der Zeit. Auch beim Angriff auf La Haie Sainte forderte die neue Massenvernichtungswaffe »Schrapnell« fürchterliche Opfer. Dennoch gelang es den Franzosen, gegen 18.30 Uhr das Gehöft zu erobern. Wellingtons Front wankte. Die Generäle forderten Wellington auf, ihnen die Reserven zu schicken. Doch Wellington hatte keine mehr. Der einzige Trost, den er ihnen anbieten konnte, war sein berühmter Ausspruch: »Ich wollte, es würde Nacht oder die Preußen kämen!« Gegen 19.30 Uhr erreichte die preußische Vorhut das Schlachtfeld. Für Napoléon war nun klar, daß er die Entscheidung herbeiführen mußte. Er befahl der kampferprobten »Kaiserlichen Garde«, in das Kampfgeschehen einzugreifen. Das Schrapnellfeuer traf auch sie vernichtend. Um 20.30 Uhr traf das Gros der preußischen Truppen ein. Die französische Armee versuchte nun zu fliehen. Die Schlacht war entschieden. Gegen 21.30 Uhr umarmten sich Blücher und Wellington vor dem Hof von Belle Alliance. Das Kapitel »Napoléon« in der europäischen Geschichte war damit beendet.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß auf Seiten Wellingtons und Blüchers auch holländische, belgische und nassauische Truppen mitgekämpft hatten. Diese Truppen wurden vom Prinz von Oranien befehligt. Die Erde an der Stelle, an der er verletzt wurde, wurde 1825 zusammengetragen und aufgeschüttet. Von diesem »Hügel des Löwen« (Butte de Lion) aus hat man den besten Überblick über das ehemalige Schlachtfeld. Den Namen hat die Anhöhe von einem riesigen gußeisernen Löwen, dessen rechte Vorderpfote auf einem Globus ruht.

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Treffen zwischen Bücher und Wellington nach der Schlacht
(c) Edit. Thill, S. A. Bruxelles

 

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Waterloo. Löwenhügel mit Besucherzentrum
(c) Edit. Thill, S.A. Bruxelles)

Am Fuße des Löwenhügels befinden sich das Besucherzentrum mit einem Modell des Schlachtfeldes und ein Panorama der Schlacht von Louis Dumoulin. Außerdem können noch das Wellington-Museum und das Wachsfigurenkabinett in Waterloo sowie das Hauptquartier Napoleons in der "Ferme du Caillou" besichtigt werden.


 


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