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Ausgabe 1/98: Flandern


Anregungen für Spurensucher:

alte Städte (Ostflandern) und Gedenkstätten (Westflandern)


Hinweise

Auf detaillierte Routenvorschläge wird verzichtet, da ein überaus reichhaltiges Angebot auf dem Markt ist (Belgisches Verkehrsamt, Berliner Allee 47, 40212 Düsseldorf). Darüber hinaus bieten die örtlichen Verkehrsämter Routenbeschreibungen ihrer jeweiligen Umgebung an. An fast allen Bahnhöfen kann man Fahrräder leihen.

Zahlreiche Möglichkeiten für Ermäßigungen bietet die Belgische Bahn an, je nach Gruppengröße bis zu 50%. Die Adresse: Generalvertretung der Belgischen Eisenbahnen, Hauptbahnhof, Bahnhofsvorplatz 3, 50667 Köln. Für Jugendliche, die allein, in der Gruppe oder in der Klasse reisen, gibt es eine Vielzahl von Jugendferienhäusern, Natur-Zentren und Jugendherbergen.

Die Spuren des alten Flandern muß man nicht nur in den Kunststädten und im heutigen Ost- und Westflandern, sondern auch in den Provinzen Limburg, Antwerpen und Brabant suchen. Philipp der Gute nannte sich 1465 u. a. 'Herzog von Burgund, von Brabant, von Limburg, Graf von Flandern, von Artois, (...), Herr von Mechelen'.

Die fruchtbaren Felder und die saftigen Weideflächen bedeuten Wohlstand - schon zu Römerzeiten. Deren Spuren findet man vor allem in Tongeren - in den Resten der Stadtmauer und in dem nach neuesten museumsdidaktischen Aspekten eingerichteten gallo-römischen Museum. Besonders faszinierend ist die erlebnishaft präsentierte Schau des 'Geheimnis des Dodekaeder' - einem Gegenstand unbekannter Bedeutung aus gallo-römischer Zeit. (Öffnungszeiten: ganzjährig, täglich, außer Montag vormittag von 10.00 - 18.00 Uhr, Mittwoch und Donnerstag bis 21.00 Uhr)

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Blick in den Beginenhof in Tongeren, links Katharinenkirche (1294), die Beginenkirche
Photo: Helmuth Kern

Man nähert sich von Osten her - auf der Autobahn über Aachen nach Lüttich und dann auf Landstraßen entlang der mittelalterlichen Handelsstraßen vom Rheinland nach Flandern. Dort waren Städte gegründet worden, die vor allem durch Tuchweberei und -handel reich wurden und bis ins 16. Jahrhundert hinein ihre architektonische Prägung erhielten. Alle die Städte sind ähnlich angelegt und die Variationen reizvoll zu beobachten: Immer findet sich ein 'Groter Markt' und weitere kleinere Marktplätze, die Tuchhallen und ein Belfried als Zeichen bürgerlicher Freiheit, ein repräsentatives Rathaus nahebei und mächtige Kirchen in einer kraftvollen Gotik. Dazu gehören oft die im Belfried oder dem Hauptkirchturm aufgehängten Glockenspiele. Sie dienen nicht nur der Zeitanzeige, sondern auf ihnen wird regelmäßig konzertiert. Ein solches Glockenspiel besteht oft aus über 40 fein abgestimmten Glocken. In Mechelen, Sitz einer Glockenspielerschule, hängen im Turm der Kathedrale 2 Glockenspiele mit insgesamt 98 Glocken. Vielerorts findet man noch den Beginenhof, ein geschlossenes Viertel mit kleinen Häusern und Innenhöfen um eine einfache Kirche. (Beginen: eine klösterliche Gemeinschaft für Mädchen und Witwen ohne Gelübde). Fast jeder Ort spiegelt durch einen speziellen Akzent flämische Geschichte; die burgundische und die spanisch-habsburgische Zeit vor allem in Mechelen, Löwen, Oudenaarde, Kortrijk.

Ein reizvoller Ausflug in die Welt Pieter Brueghels d. Ä. (um 1525-1569), in die bäuerliche Kultur des Landes ist das Freilichtmuseum Bokrijk bei Hasselt. Unterschiedliche Hofanlagen, Ställe und Scheunen, dazu Gebäude der Handwerker, Mühlen, Brunnenanlagen, Kapellen und Wirtshäuser wurden als Ganzes oder in Teilen hierher versetzt oder rekonstruiert. In einem besonderen Areal gibt es auch eine 'Oude Stad' mit Häusern aus Antwerpen.

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Antwerpener Kempenland. Ein Wohnstallhaus um ca. 1600. Innenausstattung mit Mobiliar der Brueghelzeit
Photo: Helmuth Kern

Poperinge, Ieper (Ypern), Diksmuide, Nieuwpoort, Langemarck - dieses Gebiet war eines der großen Schauplätze des ersten Weltkrieges im Westen Flanderns. Hier ist flämische Stadtbaukunst nur noch als originalgetreue Nachbildung zu betrachten. Nur Veurne, 1914/15 Hauptquartier der belgischen Armee, blieb weitgehend unversehrt.

Ungeheure Materialschlachten mit dem erstmaligen Einsatz von Kampfgas durch deutsches Militär, mit Hunderttausenden von Toten vieler Nationen - Engländer, Kanadier, Franzosen, Dänen, Deutsche, Belgier, Neuseeländer, Australier ... - tobten von den flandrischen Bergen an der französischen Grenze südlich Yperns bis zur Kanalküste, verwüsteten die Erdoberfläche und verwandelten sie in eine Friedhofslandschaft. Der Name eines jeden Ortes in dieser Gegend steht für Kampf, Zerstörung und Tod. Alle Kriege, die Ypern seit seiner Blütezeit im 13. Jahrhundert überlebt hatte, waren nichts gegen seinen Untergang während der Kriegsjahre 1914-18, als es das Zentrum der Kämpfe war, von den Engländern gehalten, von den Deutschen nie eingenommen. Jeden Abend geschieht an der Menenpoort in Ypern das Gedenken an die Toten des Krieges - nicht nur an die Englands, das in den zwanziger Jahren diese Gedenkstätte erbaute: vier Hornisten blasen den Zapfenstreich der englischen Armee.

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Stellungskrieg in Westflndern. Aus: Dienst am Menschen - Dienst am Frieden. 75 Jahre Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge o.J., S. 11 (Abbildung Mitte)

 



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