Zeitschrift

Jahrtausendwende



B

2. b) Menschen der Zeit -
        der Friedenskaiser
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Inhaltsverzeichnis   



Von Hans Biedert

Der »europäische Kaiser« Otto III. (983-1002)

Otto III. - mit drei Jahren zum König, mit 16 Jahren zum Kaiser gekrönt, von dem berühmtesten Lehrer der Zeit, Gerbert von Aurillac, erzogen, der ihm - trotz der nahenden Jahrtausendwende - empfahl, in schwierigen Situationen eher Cicero zu lesen anstatt zu beten. Mit 18 Jahren entschloss er sich nach einer schweren Krise als Mönch nach Jerusalem zu gehen, dorthin, wo der endzeitliche Friedenskaiser einst seine Krone niederlegen sollte. Doch schon sechs Wochen später führte er seine Machtpolitik weiter, als hätte es keine Jahrtausendwende gegeben.

Im letzten Jahrhundert haben viele deutsche Historiker Kaiser Otto III. als einen weltfremden Träumer betrachtet, ohne Kontakt zur Realität. Er kam an die Regierung in einem Alter, das dem unserer heutigen Schüler der Klasse 9 und 10 entspricht und schwankte zwischen machtpolitischem Denken und religiöser Sensibilität unter dem Eindruck der Jahrtausendwende. Die Historiker übersahen, dass der Kaiser einen international-römischen (wir Heutigen könnten fast sagen: europäischen) Denkansatz in seiner Politik zu verwirklichen suchte. Immerhin setzte er mit seinen Beratern zunächst die Politik seines Großvaters Otto I. und seines Vaters Otto II. in Italien fort und ging da-ran, das Land zum Mittelpunkt seines Reiches zu machen. Rom als Hauptstadt des Imperiums - das hätte auch die Abkehr vom traditionellen Reisekönigtum des Mittelalters bedeutet, das Reich hätte neben der religiösen eine administrative und kulturelle Mitte erhalten, ganz im Sinne der antiken Kaisertradition, die im christlichen Rahmen umgesetzt und umgedeutet war. Neben Italien wäre Deutschland zum Nebenland herabgesunken, das Reich hätte mit Polen und Ungarn zwei wichtige Bundesgenossen in königlichem Rang erhalten. Das hätte der Beginn eines großen christlichen Universalreiches werden können.

Regierungsantritt und erste Romzüge

Am Weihnachtstag 983 hatte Otto III. im Alter von dreieinhalb Jahren in Aachen die Königskrone erhalten. Die Feierlichkeiten waren kaum vorbei, als aus Rom die Nachricht vom frühen Tod Kaiser Ottos II. eintraf. Zwar galt der minderjährige König formell als regierungsfähig, doch in der Realität übernahm seine Mutter, die aus Byzanz stammende Prinzessin Theophanu, und nach ihrem frühen Tod seine Großmutter Adelheid, die Witwe Kaiser Ottos I., die Regierungsgeschäfte.

Der Zeitpunkt für Ottos III. Regierungsantritt war im September 994 bei dem Hoftag zu Solingen gekommen. Indes geschah der Übergang von der Regentschaft zur persönlichen Herrschaft Ottos III. allmählich. Zunächst musste Otto, wie in der Tradition seines Hauses üblich, nach Rom ziehen und die Kaiserwürde erlangen, die ihn gegenüber dem Kaiser von Byzanz (Basileos II.) in den gleichen Rang hob.

Als Otto III. Rom erreichte, war Papst Johannes XV. gerade gestorben und Otto berief - ohne Klerus und Konklave - einen Verwandten zum neuen Papst. Dieser, Gregor V. (996-999), krönte Otto III. im Mai 996 zum Kaiser. Der knapp Sechzehnjährige nannte sich nun »Imperator Romanorum«, Kaiser der Römer.

Kaum hatte Otto III. Rom verlassen, wurde Gregor V. vertrieben. Wegen der schwierigen Lage an der Ostgrenze des Reiches konnte die Armee des Kaisers erst Anfang 998 die Oberhand in der Ewigen Stadt gewinnen.

Renovatio Imperii

Immer mehr beherrschte nun die Idee der »Renovatio Imperii« das Denken und Handeln des Kaisers. Herkunft und Bildung hatten ihn dabei beeinflusst: seine Mutter, Theophanu, eine byzantinische Prinzessin, - sein Lehrer, Gerbert von Aurillac, von der Antike begeistert. Dieser hatte ihm als Hilfe bei Konflikten die Lektüre Ciceros mehr empfohlen als ein Gebet.

Zunächst baute Otto III. seine Machtstellung in Rom und Umgebung aus. Er vergab ihm ergebenen römischen Adelsfamilien großzügig altrömisch klingende Ämter und Titel, achtete aber streng darauf, dass das wichtigste Amt eines Patricius mit einem Sachsen besetzt wurde. Dieser, Ziazo mit Namen, war der Statthalter des Kaisers über Rom.

Wie in der Antike sollte Rom wieder Kaiserresidenz werden. Und so ließ er sich einen neuen Palast auf dem Palatin bauen, an der Stelle, wo auch Augustus und die antiken Kaiser residiert hatten. Von einer Beschäftigung des jungen Herrschers mit Fragen der Jahrtausendwende hören wir nichts.

Durch zwei Buchmalereien können wir ziemlich genau bestimmen, was Otto unter der Renovatio Imperii verstand (vgl. M2a und M2b):

Der Künstler des Widmungsbildes M2b hat offenbar ein antikes Herrscherbild zu Rate gezogen (siehe die strenge Frontaldarstellung des Kaisers): Otto thront feierlich unter einem Säulendach, in der rechten Hand den Herrscherstab, in der linken den Reichsapfel. Die Herrscherfigur ist jugendlich und bartlos dargestellt, aber ohne porträtartige Züge. Sie wird zum Abbild der Kaisermacht schlechthin. Links und rechts des Thrones sind dem Kaiser in je zwei Figuren Kriegerstand und Geistlichkeit als Stützen der Herrschaft zugeteilt. Auf dem Nebenbild zum Thronbild M2a wird die Mehrzahl der Völkerschaften dargestellt, die im Imperium Romanum integriert waren. Wie in spätantiken Darstellungen bringen vier Frauengestalten in demütiger Haltung dem Kaiser Tribute. Der Maler hat die Namen der Gestalten darüber geschrieben: Roma schreitet an erster Stelle, dann folgt Gallia für Westdeutschland, Germania für Ostdeutschland und Sclavinia für das Land der Slawen, also vor allem für Polen, auf dessen Verbindung zum Reich Ottos wir noch zu sprechen kommen (siehe auch Kapitel B. 2.a).

Damit ist klar, worauf die Renovatio Imperii abzielt. Das Schwergewicht des Reiches rückt vom Norden in den Süden, hin zur Metropole des antiken Römerreiches. Polen, das Slawenland, ist gleichrangiger Mitarbeiter am Gebäude des Reiches, genauso wie Gallia oder Germania.

Adalbert von Prag, Ottos Pilgerfahrt nach Gnesen und die Bistumsgründung

Mit einigen der religiösen Erneuerer um die Jahrtausendwende kam Otto III. mehrfach in Kontakt, neben anderen wie Odilo von Cluny (vgl. Kapitel B. 1.b) vor allem mit Adalbert von Prag, der mit seiner hingebungsvollen Frömmigkeit den siebzehnjährigen Kaiser tief beeindruckt hat. Adalbert, 955 als Sohn des böhmischen Fürsten Slavnik von Libice bei Prag geboren, an der Magdeburger Domschule ausgebildet, war seit 983 Bischof von Prag. Als Angehöriger der adligen Familie der Slavnikiden hatte er erheblich unter der Feindschaft der böhmischen Herzogsfamilie der Przemysliden zu leiden. Adalbert, ein nicht sehr durchsetzungsfähiger und eher friedliebender Mann, gab sein Amt auf, verließ Böhmen und ging in ein Kloster in Rom. Ein zweiter Versuch 992, seine Diözese zu leiten, schlug ebenfalls fehl. 994 kehrte er wieder nach Rom zurück, wo Kaiser und Bischof sich kennen und schätzen lernten. Erzbischof Willigis von Mainz stellte Adalbert jedoch vor die Alternative: Rückkehr nach Prag oder Missionsreise.

Als Missionar würde er damit eine Aufgabe erfüllen, die das Nahen des Weltendes beschleunigen könnte. Und so fuhr Adalbert nach Polen an den Hof des Herzogs Boleslaw Chrobry. Dieser empfahl ihm, an die Weichselmündung zu den Pruzzen zu gehen. Im April 997 erreichte Adalbert mit einigen Gefährten Danzig. Von dort ging es zu Schiff nach Elbl±g (Elbing) oder bis nach Königsberg, genau wissen wir das nicht. Auf der weiteren Wanderschaft - oder besser gesagt Irrfahrt - wurden sie von den Pruzzen angegriffen. Adalbert wurde am 23. April 997 erstochen, seine beiden Gefährten ließ man ziehen.

Dieser Märtyrertod war für Boleslaw Chrobry ein günstiger Umstand. Sein Vater Mieszko war 966 Christ geworden und hatte ihm bei seinem Tod 992 ein gefestigtes Herrschaftsgebiet überlassen. (Vgl. B. 2.a) Die Pruzzenmission des Adalbert war für Boleslaw ein Versuch gewesen, über die Christianisierung dieser Region sein Herrschaftsgebiet bis an die Ostsee auszudehnen. Das war nun gescheitert, aber mit dem Leichnam Adalberts ließ sich sicher auch politischer Gewinn verbuchen. Der polnische Herzog kaufte den Pruzzen den Leichnam für eine erhebliche Summe Silbers ab und ließ ihn in seiner Hauptstadt Gniezno (Gnesen) bestatten (M3). Die Konkretheit des Schacherns um den Kaufpreis für die Leiche und das Abwiegen des Geldes sind ein Hinweis auf die Gegenständlichkeit religiöser Vorstellungen der Zeit.

Jetzt konnte Boleslaw dafür sorgen, dass Adalbert als Heiliger Wojciech zum polnischen Nationalheiligen wurde. Zudem konnte er so eine von der Reichskirche unabhängige polnische Kirche schaffen. Otto III. arbeitete hierbei dem polnischen Herzog zu, indem er die Heiligsprechung des Märtyrers Adalbert tatkräftig betrieb und in Aachen und Rom Adalbertskirchen gründete. Der Plan des Polen, am Grabe des Heiligen ein Erzbistum zu gründen, wurde von der Reichskirche mit Widerwillen betrachtet. Schließlich gab es in der Nähe von Gnesen schon ein Suffraganbistum Magdeburgs, Posen, und sowohl Posens Bischof Unger als auch Magdeburgs Erzbischof Giselher wollten die Ausdehnung ihres Territoriums nach Osten nicht durch ein neues Erzbistum abgeschnitten sehen.

Otto III. dagegen erwog zusammen mit dem Papst, eine ungarische und eine polnische Kirche zu gründen, um so den ganzen, nicht im Machtbereich von Byzanz liegenden Osten zu christianisieren und in das Imperium Romanum einzubinden.

Bei der Pilgerfahrt des Kaisers nach Gnesen wurde für Polen eine neue kirchliche Struktur geschaffen. Otto fasste die Wallfahrt nicht nur als religiöses Unternehmen auf, sondern als Teil seiner Renovatio-Politik. Während der Fahrt nahm er den Titel »Servus Jesu Christi« an, wie ihn der Apostel Paulus in seinen Briefen verwendet hatte. Dieser Teil wurde aber ergänzt durch die Beifügung »et Romanorum imperator augustus secundum voluntatem Dei«; der Kaiser signierte also als »Diener Jesu Christi und erhabener Kaiser der Römer gemäß dem Willen Gottes«. Mit dem Titel »Diener Jesu Christi« übertrumpfte Otto den Papst, der sich als »Servus servorum Dei«, »Diener der Diener Gottes« bezeichnete. Er fühlte sich also wie Apos-tel Paulus, der sich auf den Weg machte, um anderen Völkern die Botschaft von Gott zu bringen.

Otto III. gründete das Erzbistum Gnesen mit drei Suffraganbistümern, Kolberg (Kolobrzeg), Krakau (Kraków) und Breslau (Wroclaw). Adalberts Halbbruder Gaudentius wurde der erste Erzbischof von Gnesen, die drei Suffraganbischöfe waren Deutsche; die Nationalität spielte bei der Besetzung dieser Bistümer keine Rolle.

Nur Bischof Unger von Posen weigerte sich, dem neuen Suffraganverband beizutreten. Sein Bistum blieb bei Magdeburg - vorerst. Den ihn begleitenden polnischen Herzog Boleslaw soll Otto in Gnesen zum König erhoben haben.

Der Kaiser hat diese weltliche Krönung sicher als Konsequenz seiner Renovatio-Politik gesehen, ebenso wie die Errichtung des neuen Erzbistums Gnesen.

Ottos Rückkehr nach Rom und die Annahme des Titels »Servus Apostolorum«

Im August 1000 traf Otto wieder in seiner Hauptstadt Rom ein. Im Januar 1001, während eines in Rom abgehaltenen Konzils, änderte sich in den Kaiserurkunden wiederum die Titulatur des Kaisers. Wir können hier gut beobachten, wie sich der Renovatio-Gedanke bei Otto III. weiter entwickelte. In einer Urkunde vom 23. 1. 1001 lautet die Anrede: »Romanus, Saxonicus et Italicus, apostolorum servus, dono Dei orbis imperator augustus« (»[Herrscher] der Römer, Sachsen, Italiker, Diener der Apostel, durch Gottes Gabe der erhabene Kaiser der Welt«). Hier sind mehrere Vorstellungen zu einer Synthese verschmolzen:

Der Kaiser wird, wie bei den Römern üblich, nach den von ihm beherrschten Völkern benannt, gleichzeitig ist er als Kaiser der Welt bezeichnet, eine Spitze, die gegen die Byzantiner gerichtet war und die die Dominanz des Reiches Ottos III. belegen sollte. Zwischen diesen beiden Titeln steht die neue Bezeichnung: »Diener der Apostel«. Der Kaiser stellt sich also selbst in engste Beziehung mit den Aposteln, hier ist wohl vor allem an Petrus und Paulus, die beide in Rom eine große Rolle spielten, gedacht. Vor allem der Kult des Petrus war in Rom gepflegt worden; er war der Stifter des Papsttums und damit der Religion im Reich. Jetzt stellt sich der Kaiser unmittelbar in die Rechtstradition des Petrus, und das hatte für das Papsttum weitreichende Konsequenzen, wie aus einer Schenkungsurkunde vom Januar 1001 hervorgeht (Schramm 161ff.).

Alle früheren Privilegien, auf die sich die Päpste berufen hatten, wurden in ihr für nichtig erklärt. Sogar Rom wurde nicht mehr als Stadt des Papstes bezeichnet, sondern der Text spricht von Rom »in hac nostra urbe regia«, also »in unserer königlichen Stadt«.

Otto befand sich auf dem Höhepunkt seiner Macht und suchte - in der Tradition der römischen Kaiser - sein Herrschaftsgebiet durch Bundesgenossen zu erweitern. 1001 erschien in Ravenna eine ungarische Gesandtschaft, die die Errichtung eines ungarischen Erzbistums erbat. Wie Mieszko (vgl. B. 2.a) übertrug der ungarische Großfürst Stephan sein Land dem heiligen Petrus, wofür die Errichtung eines ungarischen Erzbistums in Gran (Esztergom), Stephans Regierungssitz, bewilligt wurde. Kaiser und Papst übersandten ihm eine Krone, mit der er von seinem Erzbischof zum König von Ungarn gekrönt wurde.

Der Umschwung: Das letzte Jahr der Regierung Ottos - Otto und die Endkaiserthematik

Der altrömische Adel sah in der Herrschaft des Kaisers eine Fremdherrschaft und zwang ihn durch einen Aufstand im Februar 1001 zum Verlassen der Ewigen Stadt.

Otto III. war ein frommer Christ, der in diesen Ereignissen eine göttliche Warnung zu erkennen glaubte. Seine Idee von der »Renovatio Imperii« war - jedenfalls zunächst einmal - zusammen gebrochen. Bei dem Einsiedler Romuald - nahe Ravenna - suchte der Kaiser Trost und Erleuchtung. Er soll sogar ein Gelübde getan haben, dass er nach drei Jahren die Kaiserwürde ablegen und als Mönch nach Jerusalem gehen werde. Wollte er den Weg des Heiligen Adalbert gehen - oder wollte er als der »Endkaiser« vor dem Erscheinen des Antichrist am Ende der Welt nach Jerusalem ziehen und sein Reich in Gottes Hände legen? Das wäre so ziemlich der einzige Hinweis, dass sich Otto III. nachhaltige Gedanken über ein mögliches Weltende im Rahmen der Jahrtausendwende gemacht hätte, vielleicht in Anlehnung an Adso von Montier-en-Ders berühmte Schrift »De ortu et tempore Antichristi«, über die jetzt kurz zu berichten sein wird.

Adso hatte für seine Person den Weg nach Jerusalem kurz vor der Jahrtausendwende auf sich genommen: Als alter Mann brach er 992 dorthin auf, starb aber auf der Reise. Seine Schrift war an die Großtante Ottos III., die Gemahlin des westfränkischen Königs Ludwig IV., gerichtet; sie hatte Adso, den Abt von Montier-en-Ders wegen der Endzeit befragt. Adso hatte ihr erklärt, dass das Ende der Zeiten noch nicht gekommen sei. Erst müsse das römisch-christliche Reich zu Ende gegangen sein. Er selbst glaubte wohl, dass einer der Frankenkönige der letzte Herrscher sein und noch einmal das Imperium Romanum als ganzes regieren werde, bevor er nach Jerusalem gehen, auf dem Ölberg Zepter und Krone niederlegen und damit das Ende anzeigen werde, auf das der Antichrist warte. Der letzte der Könige werde gleichzeitig der größte sein und sein Reich glücklich lenken, bevor er sich auf den Weg nach Jerusalem begeben werde. (M1)

Es gibt im Text Adsos Hinweise darauf, dass er die Karolinger des Westfrankenreiches für geeignet hielt, die Aufgabe des Endzeitkaisers zu erfüllen.

Es ist sehr gut möglich, dass Otto III. in den tiefgründigen Gesprächen mit Romuald auf Adsos Traktat aufmerksam wurde und sich für eine kurze Zeit selbst als den möglichen Endzeitkaiser sah. Daher sein Gelübde, nach Jerusalem zu gehen. Aber nach wenigen Wochen stand er doch wieder mit beiden Beinen in der politischen Realität und zog mit einem starken Heer nach Rom - die »große Politik« war von der Endzeitthematik eher unbeeindruckt. Der Kaiser erkrankte aber an Malaria und starb am 24. 1. 1002 auf der Burg Paterno. Seine Truppen verzichteten auf die Erstürmung der Stadt Rom, zogen nach Deutschland zurück, den Toten nahmen sie mit . Am 5. April 1002 wurde er in Aachen beigesetzt.

Verwendete Literatur:

Johannes Fried: Endzeiterwartung um die Jahrtausendwende. In: Deutsches Archiv, 45, 1989, Heft 1, 421 ff.

Johannes Fried: Otto III. und Boleslaw Chrobry. Wiesbaden, Stuttgart 1989

Gerard Labuda: Studia nad pocz±tkami pa´nstwa polskiego, tom 2. Pozna´n 1988

Percy Ernst Schramm: Kaiser, Rom und Renovatio. Darmstadt 1962

Hans K. Schulze: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum, Ottonen und Salier. Berlin 1991

Daniel Verhelst: Adso Dervensis. Turnhout 1976


Materialien

M1 Antichrist und Zeitenwende

»Der erhabensten, sich durch königliche Würde auszeich-nenden, von Gott und allen Heiligen geliebten Mutter der Mönche und der heiligen Jungfrauen, der königlichen Herrin Gerberga wünscht Bruder Adso, der niedrigste all seiner Diener, Ruhm und ewigen Frieden.

[...]

Daher sagt auch der Apostel Paulus, der Antichrist werde nicht eher in die Welt kommen, bis die Auflösung gekommen sei, das bedeutet, nicht eher bis alle Königreiche sich vom römischen Kaiserreich abgelöst hätten, die ihm früher unterworfen waren. Diese Zeit aber ist noch nicht gekommen. Denn, obwohl wir sehen, dass das römische Kaiserreich größtenteils zerstört ist, wird dennoch, solange die fränkischen Könige herrschen, die die Herrschaft über das römische Reich ausüben müssen, die Würde des römischen Reiches nicht untergehen, weil sie in seinen Königen Bestand hat. Einige unserer Gelehrten sagen, dass einer der fränkischen Könige von neuem das römische Reich beherrschen wird. Er wird am Ende der Zeit leben und er selbst wird der größte und letzte aller Könige sein.

Nachdem er glücklich über sein Reich geherrscht hat, wird er zum Schluss nach Jerusalem kommen und auf dem Ölberg sein Zepter und seine Krone ablegen. Das wird das Ende und die Vollendung des römischen und des christlichen Reiches sein.

Und sofort – nach dem oben genannten Ausspruch des Apostels Paulus – wird der Antichrist kommen, wie man sagt.«

Aus: Brief des Adso von Montier-en-Der an Königin Gerberga (eigene Übersetzung, Text bei Verhelst 21 ff., Z. 3–7; 109–125)


M2 Der Kaiser und die Renovatio Imperii

Doppelseite aus dem Evangeliar Ottos III. jeweils 20 x 30 cm, Reichenauer Malerschule, um 1000, © Bayerische Staatsbibliothek Mün-chen, Clm 4453, fol. 24v, 23 r.

M2a Huldigung der Provinzen

[Veröffentlichung im Internet wurde nicht genehmigt]

Sclavinia, Germania, Gallia und Roma huldigen Kaiser Otto III. Um 1000 (998?). Nebenbild zum Thronbild M2b.

M2b Widmungsbild ausdem Evangeliar Ottos III.

[Veröffentlichung im Internet wurde nicht genehmigt]

Otto III. thronend, mit zwei Geistlichen (links im Bild) und zwei Waffenträgern mit Schwert und Schild des Kaisers


M3 Relief an der Gnesener Domtür (Mitte 12. Jh.)

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Boleslaw der Tapfere / Boleslaw Chrobry kauft die Gebeine des von den Pruzzen ermordeten heiligen Adalbert los. Relief vom rechten Flügel der Gnesener Domtür, Mitte 12. Jahrhundert. Diese Tafel ist auf der Bronzetür in Augenhöhe montiert und damit unübersehbar beim Betreten der Kirche.

Photo: T. Prasmo-wski, Interpress; © Polska Agencja Informacyjna, Warszawa


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