Zeitschrift

Jahrtausendwende





Exkurs:
Ein Unterrichtsprotokoll zum "großen Weltgericht am Jüngsten Tag"


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Inhaltsverzeichnis   



Von Franz Merkle

(Zusammenfassung des maschinenschriftlichen Manuskripts: Maria Würfel)

Den Aufzeichnungen liegt ein Unterrichtsversuch zu Grunde, der mit einer 5. und einer 7. Klasse im Fach Religion am Scheffold-Gymnasium in Schwäb. Gmünd durchgeführt wurde. Bei dem Versuch konnten wesentliche Teile des Bausteins 3 in die Unterrichtsrealität der Sekundarstufe I umgesetzt werden.

Der Beitrag gliedert sich in

  1. allgemeine Vorüberlegungen zur unterrichtlichen Beschäftigung mit der Frage: Unsterblichkeit - oder: was kommt nach dem Tod?
     
  2. Überlegungen zur Bedeutung von Hölle, Fegefeuer, Himmel, Apokalypse für Schüler/innen dieser Altersstufe
     
  3. Skizze des Unterrichtsverlaufs
     
  4. Unterrichtsprotokoll im engeren Sinne.

 

Zu 1:

Bei den allgemeinen Vorüberlegungen geht der Versuch von der Grundsituation der Schüler/innen aus:

»... Eine solche existenzielle Frage ist die Frage: Was kommt nach dem Tod? Gibt es ein Weiterleben? Wie sieht das aus? Auch wenn wir die unumstößliche Tatsache verdrängen: Nichts in unserem Leben ist so sicher wie der Tod, ... auch wenn diese Feststellung dem jungen Menschen zunächst fremd, ja befremdlich erscheint: er ist doch jung, steht mitten im blühenden Leben, ... Zugleich wird er mit dem Tod immer und immer wieder konfrontiert: In seiner unmittelbaren Umgebung - und auch durch die Medien weltweit - wird das Sterben, der Tod für ihn Realität.« (S. 1)

 

Zu 2:

Diese Grundsituation wird dann angewandt auf

  • die Hölle: »Ein Weg, ›Hölle‹ dem Schüler verständlicher zu machen ... ist das Benennen, das Aufzeigen dessen, was für ›Höllen‹ wir auf dieser Welt erleben und uns gegenseitig bereiten können.« (S. 4)
     
  • das Fegefeuer: »Die meisten Schüler können sich unter diesem Begriff nichts vorstellen, weil sie das Wort noch nie gehört haben - im Gegensatz zu Himmel und Hölle. ... ›Fegefeuer‹ erleben wir auch im diesseitigen Leben. Der junge Mensch fühlt das: Einsamkeit, schulisches Versagen, ...« (S. 5)
     
  • dem Himmel: »Durch Bilder und literarische Texte kann sich der Mensch eine ungefähre Vorstellung von dem machen, was Himmel bedeuten kann: ... ›Es war himmlisch‹, dann fühlt und ahnt er etwas von dem Zustand, der ihn im Himmel erwartet.« (S. 7)
     
  • die Apokalypse: »Das Wort kann bedeuten: Enthüllung, Offenbarung, Untergang, Grauen, Unheil; auf das Weltende hinweisend, geheimnisvoll, dunkel. ... Eine weitere Überlegung: Menschen entwickeln sich weiter, ... ein Sich-Ändern bemerkt gerade der junge Mensch deutlich. Vielleicht entwickeln wir uns auch nach unserem Tode weiter?« (S. 6)

 

Zu 3:

Im Abschnitt über den Unterrichtsverlauf ist besonders die meditativ ausgerichtete Form der Bildbetrachtung (Punkt 3) zu beachten sowie der Hinweis auf ergänzende Materialien, bei denen es sich um Textquellen handelt.

»Unterrichtsverlauf - skizziert:

1. Die Folien (Bamberger Perikopenbuch und Bamberger Apokalypse) still betrachten.

2. Die Stille soll weiterwirken. Auf einem Fragebogen sind Antworten einzutragen. Das Bild wird dabei projiziert und kann so während der Beantwortung der Fragen immer wieder angeschaut werden.

3. Leitfragen für die Bildbetrachtung:

- was ich sehe

- was ich denke

- was ich fühle

4. Die weitere Auswertung erfolgt durch den Fragebogen oder ein Unterrichtsgespräch.

5. Das Problem Himmel - Hölle - Fegefeuer steht im Mittelpunkt des Interesses.

6. Nochmals Folien. Die Materialien können dabei (Auswahl von Kirchenliedern und Gedichten) als Meditationstexte eingesetzt werden. Die Texte lassen sich in einer weiteren Stunde (oder im Deutschunterricht) interpretieren.« (S. 8)

 

Zu 4:

Aus dem Unterrichtsprotokoll werden nun einige für die Klassenstufen 5 und 7 typische Schülerantworten wörtlich zitiert. Sie zeigen deutlich die Möglichkeiten und Grenzen der Beschäftigung mit dem Thema der Jahrtausendwende auf der Sekundarstufe I: Keiner der im Protokoll aufge-

listeten Schülerbeiträge geht auf das Endgericht selbst oder andere damit verbundene endzeitliche Vorstellungen ein. Alles bleibt im Umfeld des persönlichen Gerichts nach dem individuellen Tod, gesehen aus der Perspektive der im Unterricht mit diesen Problemen konfrontierten Schülerinnen und Schüler. Selbst die wenigen, die bereits einen Ansatz zur Verallgemeinerung zeigen, also ihren Mitschülern voraus sind, können noch nicht vom Schicksal eines Individuums zu dem der Menschheit am Jüngsten Tage vordringen.

»Äußere Dich zu dem, was dir auffällt!

  • Ich sehe einen Mann mit einem großen Kreuz. Um ihn stehen viele Leute, die ihn ängstlich und zweifelnd ansehen. Zwei Männer halten Schriftrollen hoch, die sie den Menschen, die um sie herumstehen, zeigen. Unten strecken Menschen die Hände zu ihnen hoch. (M, 7 = Mädchen, Kl. 7)
     
  • Menschen bitten, in den Himmel aufgenommen zu werden. Sie wollen aus der Hölle fliehen. (J, 5 = Junge, Kl. 5)
     
  • Die Trompeten werden geblasen, damit alle herhören. (M, 5)
     
  • Die Teufel spucken Feuer. Sie wollen die Menschen in die Hölle hinabziehen. Sie locken die Leute mit Versprechungen. Bei uns ist es besser. Bei uns bekommt ihr alles, was ihr wollt. (J, 5)

Was fällt dir spontan ein, wenn du diese Bilder siehst?

  • Die im oberen Bildteil reden mit Jesus. Sie waren gerecht im Leben. Die im unteren Teil waren böse und ungerecht und die Engel zeigen ihnen die Gebote Gottes, damit sie wissen, was sie falsch gemacht haben. (J, 7)
     
  • Gott richtet am Schluss über uns. (M, 7)
     
  • Jeder muss sich mal verantworten. (M, 7)
     
  • Manche verdienen ein gutes Leben nach dem Tod, manche nicht. (M, 5)

 

Welche Gefühle kommen dir beim Betrachten der Bilder?

  • Im Himmel Geborgenheit und Frieden, in der Hölle Hass und Angst. (M, 5)
     
  • Hoffentlich zieht mich mal nicht der Teufel in die Hölle. (M, 5)
     
  • Die Bilder sind für mich wie »Entscheidungstage«, bei denen für jeden Einzelnen der Gerichtsspruch über das entscheidet, was in Ewigkeit andauert. (M, 7)

 

Wovor hast du Angst?

Sehr häufig werden genannt: Tod, Krieg, Tod der Eltern, Hass, Gewalt, Naturkatastrophen und - auch bedingt durch die Bildbetrachtung - Angst vor der Hölle.

Bei den Schülern der Klasse 7 wird noch stärker betont: Was kommt nach dem Tod?

 

Gibt es ein Leben nach dem Tod?

Wie stellst du dir das vor?

Überraschend: fast alle Schüler glauben an ein Weiterleben. Kaum einer antwortet mit »Nein«, eher mit: »Ich weiß nicht«.

  • Es soll schön sein: Keine Polizei, kein Gericht, keine Räuber, Gangster oder ähnliche Typen. (J, 7)

  

Hat das Leben, das wir auf dieser Erde führen, Einfluss auf das, was nach dem Tode kommt?

In der 5. Klasse überwiegt die Auffassung: Wer auf Erden gut war und Gutes getan hat, der kommt in den Himmel.

Auch in der 7. Klasse überwiegt diese Meinung.

 

Gibt es das: Jemand stirbt und lebt doch weiter?

Viele Schüler antworten, dass ein Verstorbener, wenn man an ihn denkt, sehr wohl »weiterleben« kann.

 

Was stellst du dir unter Fegefeuer vor? Wann erleiden Menschen das Fegefeuer?

  • Wenn man ein halbwegs gutes Leben geführt, aber doch einige »krumme Dinge« gedreht hat, kommt man in das Fegefeuer, um dort gereinigt zu werden. (J, 7)
     
  • Dort kommen Menschen hin, die zu nett für die Hölle, aber zu böse für den Himmel sind. (J, 5)

 

Gibt es eine Hölle? Wie stellst du sie dir vor?

Die Vorstellung der meisten Schüler: Ein Ort der Dunkelheit, Verworfenheit, es ist dort heiß, die Teufel springen herum, kurzum: die Hölle sieht so aus, wie sie in den mittelalterlichen Bildern gezeichnet wird.

Nur eine Schülerin sieht es differenzierter: Ich glaube nicht an die Teufel mit den Hörnern. Teufel kann es schon geben, aber ich vermute, dass der Zustand der Buße, der Abrechnung, für Menschen teuflisch sein kann, Hölle also ein Zustand der Rache. (M, 7)

  

Gibt es einen Teufel? Sein Aussehen?

Die meisten Fünftklässler stellen ihn sich vor, wie man sich den Teufel seit Jahrhunderten vorstellt: grausig, mit Hörnern, Schwanz, rot, verrußt.

  • Der Teufel ist in jedem von uns, mehr oder weniger stark ausgeprägt. (J, 5)
     
  • Teufel kann man sein, wenn man ein Verbrechen begeht. (M, 7)

 

Himmel - was ist das?

  • Der Platz, an dem alle Toten, die ein gutes Leben geführt haben, sind. Ebenso ist er die Heimat der Engel und von Gott. (J, 5)
     
  • Himmel ist alles, was gut ist. (J, 5)

 

Gibt es den Himmel schon auf Erden?

  • Ja, wenn es einem gut geht. (J, 7)
     
  • Manchmal, wenn Menschen sehr glücklich sind. (M, 7)«


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