Zeitschrift

Wien


Europäische Metropole im Wandel




III. Blicke auf Maria Theresia und Elisabeth:
Geschichte in Denkmälern


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Inhaltsverzeichnis   


Von Rüdiger Utikal

Unter den Frauen der österreichischen Geschichte, die dem deutschen Wien-Besucher - schon vorher und gewiss erst recht nach dem Besuch - bekannt, ja präsent sein müssten, stehen Maria Theresia, Herrscherin über Österreich, Böhmen und Ungarn von 1740 bis 1780, und Elisabeth, die Frau des 1848 bis 1916 regierenden Kaisers Franz Joseph, sicherlich in der ersten Reihe. Dabei dürfte das Bild von Maria Theresia einschichtiger und undeutlicher, die Vorstellung von Elisabeth vom Sissi-Mythos überlagert und von Medienklischees geprägt sein.

Maria Theresia wird vor allem in zwei Aspekten wahrgenommen. Zunächst: »Die große Kaiserin ist als mütterliche Frau in unserer historischen Erinnerung verankert geblieben; eine ältere, etwas voluminöse Dame, von einer wimmelnden Kinderschar umgeben.«1 Das Private der Mutter erweitert sich häufig zum Bild der mütterlichen Majestät, die ihre Völker mit liebreicher Fürsorge umgibt. Diese emotionale Behaglichkeit, die allerdings auch Erziehung und wohlverstandene Strenge einschließt, wird in der Kontrastierung zu ihrem Gegenspieler Friedrich II. von Preußen, dem Rationalität und nüchterner Machtwille zugeordnet werden, verstärkt. Diese preußisch-österreichische Rivalität des 18. Jahrhunderts ist der zweite Aspekt, der im Zusammenhang mit Maria Theresia gesehen wird, wobei die Rolle Maria Theresias als Frau und Mutter eher als Grundlage oder Ergänzung zu ihren Aufgaben als Politikerin erscheint, weniger als Hindernis, und dementsprechend - gerade auch in einschlägigen Wien-Führern - gern mit bewunderndem Unterton kommentiert wird.

Denkmal Maria Theresias auf dem Maria-Theresien-Platz

Photo: W.-S. Kircher

Bei Elisabeth kommt den Meisten - übrigens besonders den mediengewohnten Schülerinnen und Schülern - zuerst das Bild der jungen Romy Schneider als Elisabeth-Darstellerin in den drei Sissi-Filmen der Jahre 1955 bis 1957 in den Sinn, die sehr oft im Fernsehen gesendet werden. Im Mittelpunkt steht die Liebes- und komplizierte frühe Ehegeschichte des kaiserlichen Paares, die zwar nicht unbedingt falsch, aber melodramatisch überzuckert und in stark harmonisierender Tendenz gezeigt wird. In neuester Zeit bemüht sich das erfolgreiche »Elisabeth«-Musical, vor wenigen Jahren in Wien uraufgeführt, um wahrhaftigere Akzente und fasst die gesamte Lebensgeschichte der Kaiserin ins Auge. Das Geheimnisvoll-Tragische, das dezidiert Individualistische, auch Schönheitskult und menschliche Kälte sowie die Rudolf-Geschichte (1889) und Elisabeths Ermordung in Genf (1898) werden thematisiert, wodurch ein vielschichtigeres Elisabeth-Bild entstehen kann, das gleichwohl in der Künstlichkeit des Mediums Musical erstarrt und triviale Züge tragen muss. Aus diesen Einzelzügen setzt sich das Bild zusammen, das die Öffentlichkeit von Elisabeth hat.

Elisabeth-Denkmal im Volksgarten

Photo: W.-S. Kircher

Dass sich die Tourismus-Branche besonders Elisabeths, aber auch Maria Theresias in vielfältiger, augenscheinlicher und vereinfachender Weise bemächtigt hat, versteht sich bei dieser Sachlage fast von selbst. Der oben genannte Wien-Besucher wird auf Schritt und Tritt mit den retuschierten Bildern der beiden Frauen konfrontiert.

Die historische Realität ist vielschichtiger. Dass die Beschäftigung mit den beiden Frauen überdies in mancherlei Hinsicht europäische Dimensionen aufweist, kann auch ein intensiver Blick auf die Denkmäler verdeutlichen, die sich - wenige Gehminuten voneinander entfernt - unweit der Hofburg befinden.

Mitten auf dem Maria-Theresien-Platz, zwischen dem Kunst- und dem Naturhistorischen Museum eindrucksvoll platziert, erhebt sich 19,4 m hoch und 44 t schwer über einer verbauten Fläche von 632 m2 das Denkmal Maria Theresias.

Das Modell zu diesem Denkmal lag im Jahre 1874 vor, die Arbeiten zur Fertigstellung dauerten bis 1887, im folgenden Jahr fand die feierliche Enthüllung statt. Kaspar Zumbusch (1830-1915) hatte die Bronze-Statuen gestaltet, den Unterbau Karl von Hasenauer (1833-1894). Die Finanzierung erfolgte nicht aus der Privatkasse des amtierenden Kaisers, vielmehr übernahm der bürgerlich geprägte Stadterweiterungsfonds die Kosten. Das Denkmal von Alfred Arneth (1819-1897) lässt die in jener Zeit europaweit zu beobachtende Verzahnung bürgerlicher und dynastischer Interessen erkennen. Es wird klar, »dass dieses Monument durchaus nicht nur ein Denkmal für die Kaiserin sein soll, sondern in gleich hohem Grade für ihre Generäle (die Reiterstandbilder von Daun, Laudon, Traun, Khevenhüller), ihre Staatsmänner und Räte (Kaunitz vorn, Liechtenstein hinten, Haugwitz rechts, van Swieten links), für die Kunst und Wissenschaft ihrer Zeit. Kurzum: für die Stützen ihres Thrones, die hier nicht als Nebenfiguren, als Beiwerk, sondern als die Säulen ihrer Herrschaft auftreten.«2 Historische Figuren werden gewählt, den Tugenden der Weisheit, Beharrlichkeit, Gerechtigkeit und Milde werden nurmehr kleine allegorische Figuren gewidmet, die zu Füßen des Thrones mit der sitzenden Kaiserin zu finden sind. Die Gestalt der Kaiserin ist zwar von einer prächtigen Staatsrobe umhüllt, eine Krone fehlt allerdings - aus Gründen, die die Problematik des Vielvölkerstaats Österreich-Ungarn überdeutlich vermitteln. Welche Krone sollte man wählen? Die ungarische oder die böhmische Krone hätten als Signal der Huldigung einer Nationalität aufgefasst werden können, eine »deutsche« hatte sie in diesem Sinne nie getragen. Schließlich war nur ihr Mann Franz Stephan (1709-1765) seit 1745 römisch-deutscher Kaiser gewesen. Die Kompromisslösung war und ist ein Diadem. »So mussten denn Juwelen herhalten als Symbol der Einheit eines Reiches, von dem in zunehmendem Maße man stritt, in welchem Verhältnis es ungarisch, slawisch oder deutsch sein sollte. ... Es war die Haltung einer Zeit, in der das österreichische Bürgertum versuchen musste, seine nach Deutschland orientierte nationale Vergangenheit zu verabschieden und zu einer Zukunft bereit zu werden, die die Gleichberechtigung der Nationen anerkannte; ein Versuch, der freilich mit der Zeit misslingen sollte.«3

Der 13. Mai 1888 - der 171. Geburtstag Maria Theresias und Tag der festlichen Enthüllung - war ein strahlend schöner Frühlingstag. Am Festakt nahmen natürlich auch Franz Joseph, damals 58 Jahre alt, sowie die 50jährige Elisabeth und der 29jährige Kronprinz Rudolf teil. Rudolf hat noch ein knappes Lebensjahr vor sich, Elisabeth ein Jahrzehnt, Franz Joseph wird 1916 in seiner von Nationalitätenproblemen geschüttelten Monarchie mitten im Ersten Weltkrieg sterben. So lässt sich mit dem Maria-Theresien-Denkmal sowohl ins 18. Jahrhundert zurückblicken wie ins 20. Jahrhundert vorausschauen. Die Perspektivik der Probleme kann hier sehr deutlich wahrgenommen werden.

Geht man nun vom Maria-Theresia-Denkmal in Richtung Hofburg über die Ringstraße durch das Äußere Burgtor auf den Heldenplatz, wendet sich dort zum Volksgarten und durchquert ihn mit Blick auf das Burgtheater, findet man das Denkmal der Kaiserin Elisabeth, zehn Gehminuten von ihrer Vorgängerin entfernt, in einer Ecke der Parkanlage.

Man sieht eine Sitzfigur aus Laaser Marmor vor sich, die zum Heldenplatz schaut und schmerzlich zu lächeln scheint. Die typische Elisabeth-Frisur und die schöne, gerade Haltung fallen auf. Elisabeth sitzt im Mittelpunkt einer halbrunden Anlage, in der die Helligkeit des Marmors und das Grünbraun des Parks dominieren. Die Inschriften lauten

»ELISABETH KAISERIN VON ÖSTERREICH« und »IHRER UNVERGESSLICHEN KAISERIN ELISABETH ERRICHTETEN DIESES DENKMAL IN UNWANDELBARER LIEBE UND TREUE ÖSTERREICHS VÖLKER MCMVII«.

Das Denkmal wurde auf Betreiben eines Komitees aus Adligen und Fabrikanten, die Franz Joseph für das Projekt gewinnen konnte, nach den Plänen von Hans Bitterlich (1860-1949) errichtet. Doch selbst hier werden neue Entwicklungen - nicht untypisch auch in europäischer Sicht - deutlich: »Nicht mehr der Kaiser setzt das Standbild. Die Kräfte einer neuen Epoche sind es, Gewerbetreibende, ein Konditor Gforner im Verein mit dem Hofjuwelier Mayer, die für das Denkmal werben, wenn man sich auch Patrone aus dem Erzhaus sichert und etwa für die Leitung des künstlerischen Ausschusses aus dem Adel Pallavicini und Lankoronski gewinnt. Ja, bei der Platzwahl kommt es geradezu zum Affront zwischen diesen Exponenten, da Mayer, unter Umgehung des Willens der aristokratischen Komiteemitglieder, in einer Audienz bei Hof den Stadtpark durchzusetzen sucht, während Lankoronski zugunsten des Denkmals den Theseustempel, Pallavicini den Hochstrahlbrunnen abtragen will ... Franz Joseph selbst entscheidet sich in Ischl schließlich für den Volksgarten...«4. Der Kaiser war natürlich auch anwesend, als das Denkmal am 4. Juni 1907 enthüllt wurde. Beim Festakt erregte es Aufsehen, als griechisch gekleidete Mädchen Rosen streuten. Heute liegt das Elisabeth-Denkmal eher unbeachtet abseits zwischen den Attraktionen der Ringstraßen-Architektur.

Die Gestaltung, die Lage und die Entstehungsgeschichte der beiden Denkmäler führen die Rolle, die die beiden Frauen für die österreichische, ja für die europäische Geschichte gespielt haben, symbolhaft vor Augen. Maria Theresia ist die Herrscherin, deren Erfolgsbilanz aller Rückschläge zum Trotz positiv ausfällt: »Maria Theresia hat die vielgestaltige Habsburgermonarchie gegen eine Übermacht von Feinden verteidigt und sie durch eine Reihe von zielstrebigen Reformen in den Kernländern zu einem festgefügten Staat gemacht.«5 Sie setzt sich als Nachfolgerin ihres Vaters Karls VI. durch und wird 1741 zur Königin von Ungarn, 1743 zur Königin von Böhmen gekrönt, erwirbt 1772 in der Ersten Polnischen Teilung Galizien und Lodomerien für Österreich, 1775 die Bukowina, 1779 das Innviertel und versucht dadurch den Verlust Schlesiens zu kompensieren. In der Umkehrung der Allianzen (1756) verbündet sich Österreich dauerhaft mit Frankreich, was sich 1770 in der Verheiratung ihrer Tochter Maria Antonia mit dem französischen Thronfolger niederschlägt. Die Kaunitzsche Staatsreform (ab 1760), Rechtsreformen (1769), eine neue Schulordnung (1774) und die Abschaffung der Folter (1776) zeigen ihren aktiven Gestaltungswillen als Politikerin auch im Inneren. Sie weiß sich durchzusetzen und sieht sich und ihre Kinder - und da hat ihre Rolle als Mutter eben auch eine politische Dimension - als Repräsentanten des Hauses Österreich und der gesamten Donaumonarchie. Doch die Risse werden sichtbar: »Noch galt in Europa mit dem monarchischen Prinzip die Praxis des Gleichgewichts der Mächte, im römisch-deutschen Reich die Idee des Universalismus und in Österreich die Realität der Übernationalität. Doch jene wurde angezweifelt, und diese begann abzubröckeln. Während die ungarische Adelsnation eher nach rückwärts blickte, begann sich in Italien, in den Niederlanden und in Böhmen der neue Nationalismus anzukündigen. Er pochte nicht nur auf historische, kulturelle und ethnische Eigenständigkeit, sondern verlangte zunehmend gesellschaftliche und politische Emanzipation.«6

Wie schwer dieses Erbe wog, wurde insbesondere in der Regierungszeit Kaiser Franz Josephs, des Ehemanns von Elisabeth, deutlich, der 1848 im Rahmen der Revolution auf den Thron kam. Noch immer gilt das dynastische Prinzip, das den Staat zusammenhalten soll. Hier wird die Rolle der schönen Elisabeth - seit 1854 Franz Josephs Frau - deutlich: Sie soll - national und international - zur Sympathieträgerin aufgebaut werden, soll mit ihrem Charme und ihrer bezaubernden Erscheinung Zuneigung für das nicht übermäßig beliebte Königshaus sichern. Ihre Verweigerung, ihr Rückzug ins Private, der antihöfische Impuls ihrer zwanghaften Reisetätigkeit und ihres wienfernen Lebens - seit etwa 1870 für alle erkennbar - lassen dieses Vorhaben auf die Dauer scheitern. Eigentlich macht Elisabeth nur zweimal mit politischen Implikationen ihren Einfluss auf Franz Joseph geltend. Einmal, als es darum geht, den Sohn Rudolf den rigiden Zuchtmeistern zu entreißen, dann - 1866/67 - in der ungarischen Frage, die ihr, eher aus irrationalen Gründen, zur Herzensangelegenheit geworden war. Die Königskrönung am 8. Juni 1867 bestätigt den österreichisch-ungarischen Ausgleich, der Ungarn Sonderrechte (eigener Reichstag, gesonderte Ministerien) innerhalb einer Doppelmonarchie zugesteht. Diese Wiederaufwertung Ungarns hat Elisabeth entscheidend beeinflusst, was sie in Budapest auch deutlich zeigt: »Bei den großen Gala-Empfängen trug Kaiser Franz Joseph eine ungarische Uniform, Kaiserin Elisabeth ein in Ungarn geschneidertes Festkleid. Sie war der strahlende Mittelpunkt des opulenten Schauspiels und wurde als große Glücksbringerin gefeiert, was ihr sichtlich schmeichelte.«7 Nach ihren frühen Jahren in Wien, in denen man die junge Kaiserin noch dazu zwingen konnte, war dies wohl das einzige Mal, bei dem sie sich aus vollem Herzen bei einem höfischen Zeremoniell präsentierte. Ihre Schönheit kann die 29-jährige dabei voll ausspielen. Elisabeths Biograph Johannes Thiele bezeichnet Schönheit als »Leitmotiv ihres Lebens«8, als »eine verquere Art der Kommunikation, als ein Ausdrucksmittel ... , aber auch als ein Indiz für ihr Bedürfnis nach Unerreichbarkeit, nach Distanzierung, als ein Macht- und Druckmittel ihrem Mann, aber auch der Öffentlichkeit gegenüber«9. Ihr Altern ist deshalb sicher nicht zufällig ein Weg in die Einsamkeit, ihre Ermordung in Genf 1898 setzt einen letzten dramatischen Akzent, der die Mythenbildung fördert.

Die Denkmäler verraten in Lage und Ausgestaltung viel im Hinblick auf Bewertung und Rolle der beiden Frauen und machen dies auch heute noch, wenn man so will unfreiwillig, augenfällig. Die Selbst-Herrscherin Maria Theresia umgibt der imperiale Glanz der großen Platzanlage, die Monumentalität neobarocker Pracht. Elisabeth, schließlich »nur« die Frau eines Kaisers, hat den stillen Platz beiseite, der ihre Schönheit in jugendstilhafter Weise widerspiegelt. Die spezifischen Probleme des Vielvölkerstaats Österreich-Ungarn lassen sich an den Denkmälern durchaus zeigen, Probleme, die weit in den europäischen Raum hineinwirkten und ihrerseits Spiegelbilder des Zustands Europas zwischen 1740 und 1918 sind.

Der Mythos um Maria Theresia und Elisabeth wirkt in ganz Europa, nicht zuletzt deshalb, weil die Habsburger auch dynastisch mit vielen europäischen Herrscherhäusern verbunden waren. Die Faszination um diese Mythenbildung ist ungebrochen.


»Das »Wachset und mehret euch« war für Maria Theresia Hauptsinn und Hauptzweck der Ehe, die sich zur Familie zu erweitern hatte. Die Kinder im Allgemeinen sollten, in Gottesfurcht wie Elternfurcht, zu verwendbaren Gliedern der feudalen Gesellschaft und brauchbaren Untertanen des monarchischen Staates herangezogen - und ihre Kinder im Besonderen für den Herrscherberuf herangebildet werden. ...

Sie gebar von 1737 bis 1756, zwischen zwanzig und neununddreißig, sechzehn Kinder. Das war im Hause Habsburg seit Maximilian II. und seiner Gattin Maria, einer Infantin von Spanien, nicht mehr vorgekommen. Leopold I. hatte zwar auch sechzehn Kinder, aber von drei Frauen. Die Mutter des Hauses Habsburg-Lothringen war stolz auf diese Leistung, nicht ohne auf die Mühsal zu verweisen, die für die Frau damit verbunden war. Im Jahre 1748 bekannte die vor ihrer zehnten Entbindung stehende Einundreißigjährige: »Ich fürchte, ich werde noch mehr bekommen, und wenn der liebe Gott mir die Kinder, welche ich habe, erhalten möchte, wäre ich recht zufrieden, mit zehn Schluss zu machen; denn ich fühle, dass es mich schwächt und recht altern lässt und für alle Kopfarbeit wenig fähig macht.«

Aus: Franz Herre: Maria Theresia. Die große Habsburgerin.

Heyne Verlag, München 1994, S. 200f. (c) Kiepenheuer & Witsch


»Sissi stemmte sich mit Vehemenz gegen alle Tendenzen, die auch in dem neuen liberaleren Zeitalter die Frau noch immer zum Lustobjekt und zur Gebärmaschine erniedrigten. Elisabeth wurde zu einer Art Vorkämpferin der Emanzipation, freilich nur insoweit, als sie sich selbst von der patriarchalischen Gesellschaft bedroht sah. Sie wollte kein ›niedliches Dummerl‹ sein, klein gehalten und entmündigt von der Unterdrückungsmaschinerie der herrschenden Männerwelt.

Sissi begehrte auf, wollte sich abheben vom gängigen Frauenbild, das sie in der Person der Burgschauspielerin Katharina Schratt, der späten Geliebten ihres Mannes, so beispielhaft repräsentiert sah. Schön, aber blöd. ›Aber so wollte die Gesellschaft von damals das junge Mädchen, töricht und unbelehrt, wohlerzogen und ahnungslos, neugierig und schamhaft, unsicher und unpraktisch, und durch diese lebensfremde Erziehung von vornherein bestimmt, in der Ehe dann willenlos vom Manne geformt und geführt zu werden.‹ So beschrieb Stefan Zweig sehr zutreffend die Rolle der Frau in der Wiener Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts.«

Aus: Martin Schäfer: Sissi. Glanz und Tragik einer Kaiserin.

Eine Bildbiographie. (c) Heyne Verlag, München 1998, S. 171

 

Anmerkungen

1 Hellmut Andics: Die Frauen der Habsburger. München 1985, 4. Aufl. 1996, S. 198

2 Gerhardt Kapner: Die Denkmäler der Wiener Ringstraße. Wien/München 1969, S. 40

3 Kapner, Denkmäler, S. 43

4 Kapner, Denkmäler, S. 62

5 Friedrich Weissensteiner: »Habsburgs große Regentin«. In: Große Herrscher des Hauses Habsburg. 700 Jahre europäische Geschichte. München 1995, S. 266

6 Franz Herre: Maria Theresia. Die große Habsburgerin. Köln/München 1994, S. 349

7 Martin Schäfer: Sissi. Glanz und Tragik einer Kaiserin. Eine Bildbiographie. München 1991, S. 135f.

8 Johannes Thiele: Elisabeth. Das Buch ihres Lebens. München/Leipzig 1996, S. 408

9 Thiele: Elisabeth, S. 424


Weitere Literaturhinweise

Brigitte Hamann: Elisabeth. Kaiserin wider Willen. Knauer-Verlag, München 1982

Martha Schad: Elisabeth von Österreich. dtv-Verlag, München 1998


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