Zeitschrift

Die Donau


Lebensader, Kulturräume, Erkundungen


  Die Donau
Inhaltsverzeichnis

 

Zur Einführung

   


Von Dietrich Rolbetzki

 


    Man nennet aber diesen den Ister.
    Schön wohnt er. Es brennet der Säulen Laub,
    Und reget sich. Wild stehn
    Sie aufgerichtet, untereinander; darob
    Ein zweites Maß, springt vor
    Von Felsen das Dach. So wundert
    Mich nicht, dass er
    Den Herkules zu Gaste geladen,
    Fernglänzend, am Olympos drunten,
    Da der, sich Schatten zu suchen
    Vom heißen Isthmos kam,
    Denn voll des Mutes waren
    Daselbst sie, es bedarf aber, der Geister wegen,
    Der Kühlung auch. Darum zog jener lieber
    An die Wasserquellen hieher und gelben Ufer,
    Hoch duftend oben, und schwarz
    Vom Fichtenwald, wo in den Tiefen
    Ein Jäger gern lustwandelt
    Mittags, und Wachstum hörbar ist
    An harzigen Bäumen des Isters,
    Der scheinet aber fast
    Rückwärts zu gehen und
    Ich mein, er müsse kommen
    Von Osten.

    Friedrich Hölderlin, »Der Ister«

 

»Ister« wie die Griechen des Altertums nennt Friedrich Hölderlin die Donau, den zweitlängsten Strom Europas. Damit huldigt er seinem geliebten Arkadien, dessen Seefahrer kaum mehr als den Unterlauf des Flusses kannten. Auf der Ister-Donau ist er wohl oft in Gedanken nach Hellas enteilt, auf ihren Wassern stromauf noch heute werden, einzigartig, ihre Flusskilometer von der Mündung an bei Sulina gezählt sah er griechischen Geist nach Deutschland ziehen. Von jeher verband der Strom Menschen und Kulturen, wohnten und wohnen doch an den Ufern von Danubius (Römer), Donau (Deutsche), Dunaj (Tschechen), Duna (Ungarn), Dunav (Serben), Dunaw (Bulgaren), Duna? rea (Rumänen), Dunai (Russen und Ukrainer) mehr Völker mit unterschiedlichen Sprachen, Brauchtum und Religionen als an irgendeinem anderen Fluss der Welt. Er war wie es schon Hölderlin sieht Weg nach Europa (für Magyaren und Osmanen etwa) und Weg aus Europa hinaus (für die Kreuzfahrer zum Beispiel). Menschen trennte er freilich auch und brachte sie doch wieder zusammen, denn niemand am Strom blieb von dem unberührt, was seine Nachbarn unternahmen.

Das vorliegende Heft betrachtet die Donau vor allem unter europäischen Gesichtspunkten:

Kapitel I
stellt den Fluss und die Landschaften seines Einzugsgebietes vor,

Kapitel II
seine Bedeutung und Nutzung in Vergangenheit und Gegenwart.

Ein ausführliches Kapitel III ist der Donau als Schauplatz europäischer Geschichte gewidmet. Grenze war sie Römern, Habsburgern und Osmanen. Auch Glaube und Überzeugungen schufen Sperrlinien: die Christianisierung von Rom aus oder Byzanz , in jüngster Vergangenheit der Kommunismus. Grenze ist die Donau heute noch, doch haben die Barrieren das Trennende verloren. Immer wieder drangen fremde Völker in den Donauraum ein, wurden sesshaft wie die Ungarn, die aus der Geschichte europäischer Freiheitskämpfe nicht mehr wegzudenken sind, oder hinterließen, wie die Türken, kulturelle Spuren und z. T. bis heute ungelöste Fragen.
Mit dem Osmanischen und dem Habsburgischen Reich sah der Donauraum zwei Staatsgründungen, wie es sie in Europa nie wieder geben sollte. Der Fluss bot dabei nicht nur den Raum für die Entstehung großflächiger Staaten, er gab auch ihrer Ausbreitung Richtung und verband die unterschiedlichen Reichsteile miteinander. Als aber in den unterworfenen Völkern das Gefühl der Eigenständigkeit erwachte, da war die Zeit übernationaler Großstaaten abgelaufen. Sie lösten sich in einem langen, schmerzhaften und den Frieden Europas und der Welt gefährdenden Prozess wieder auf. Verschwanden sie auch von der Landkarte, so blieben doch Probleme, die bis in die Gegenwart nachwirken. Nach den »Türkenkriegen« zwischen dem aufstrebenden Habsburg und dem noch immer mächtigen Osmanenreich zogen vor allem von Ulm aus Deutsche auf der Donau in eine neue Heimat, der sie ihre eigene und unverwechselbare Prägung gaben. Die deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg wurden zuerst an ihnen gerächt. Die Überlebenden mussten zurück in die Heimat der Vorfahren, die längst fremd geworden war.
Nach Hitlers Willen sollte Linz, die Stadt seiner Jugend, noch spätere Generationen an ihn erinnern. Die Arbeiter, die das in die Wirklichkeit umzusetzen hatten, waren Sklaven: Insassen des Konzentrationslagers Mauthausen.

Kapitel IV
stellt die Donau als Kunst- und Literaturlandschaft vor. Die Walhalla bei Regensburg und das Benediktinerstift Melk sind »inszenierte Geschichte«. Aber der Strom hat nicht nur Baumeister angeregt, sondern auch Dichter, mit denen es die »Donau abwärts« geht.

Kapitel V
schließlich vermittelt persönliche Reiseerfahrungen.

Vieles kann in diesem Heft nur angedeutet werden: zu weiterem Studium und eigenen Erkundungen.


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