Zeitschrift

Die Donau


Lebensader, Kulturräume, Erkundungen


  Die Donau
Inhaltsverzeichnis

 

I. Die Donau und die Landschaften ihres Einzugsgebietes

  


Von Dietmar Gohl

Die Donau ist nach der Wolga der zweitlängste Strom Europas mit dem zweitgrößten Einzugsgebiet und der einzige, der den Kontinent von West nach Ost durchfließt. Der Name ist keltisch: »danu« bedeutet »die Schnelle«. Der Donauraum umfasst Regionen und Staaten unterschiedlichster Prägung.

Donaudurchbruch bei Beuren Foto: Dietrich RolbetzkiDonaudurchbruch bei Beuren
Foto: Dietrich Rolbetzki 

In Donaueschingen vereinigen sich die Schwarzwaldbäche Breg und Brigach zur Donau. Offizielle Donauquelle ist die Bregquelle bei Furtwangen, obwohl im Schlosspark von Donaueschingen der Quell eines winzigen Nebenbächleins der Brigach als »Donauquelle« mit gewaltiger steinerner Prunkfassung nebst Gedicht gefeiert wird.

Unweit östlich beginnt das wildromantische Durchbruchstal der in geologischer Vorzeit mächtigen Donau durch die weißen Felsen der Schwäbischen Alb, wobei das durchlässige Kalkgestein bei Immendingen und Fridingen zur zeitweisen Versickerung des Flüsschens führt, die größte Flussschwinde Mitteleuropas. Das verlorene Wasser tritt nach 60 Stunden unterirdischen Laufs im Aachtopf zutage. Diese stärkste Karstquelle Deutschlands speist die zum Bodensee fließende Radolfzeller Ache (Einzugsgebiet des Rheins). Die Donau wird erst bei Ulm zum ansehnlichen Fluss, nachdem sie die Iller, den ersten der wasserreichen Alpenflüsse, aufgenommen hat, wodurch sich die Wasserführung von 46 auf 116 m³/s erhöht und damit der des Neckars im Odenwald entspricht. Östlich von Ulm wird Donauwasser zur Trinkwasserversorgung der Stuttgarter Region entnommen und mit Grundwasser aus dem Donauried gemischt: Drei Pipelines führen nach Stuttgart. Diese »Landeswasserversorgung« ist der zweitgrößte Fernwasserverband Mitteleuropas. Auch an der Lechmündung wird der Donauaue Grundwasser entnommen: Fernleitung in den Nürnberger Ballungsraum. Oberhalb von Kelheim hat die Donau das Weltenburger Durchbruchstal sehr fremdenverkehrsattraktiv in die Fränkische Alb eingeschnitten. Die Donauzuflüsse vor allem aus den Alpen (Lech, Isar, Inn) führen dazu, dass der Strom beim Verlassen Deutschlands mit 1400 m³/s so wasserreich ist wie der Rhein bei Mainz. Passau ist die am stärksten überschwemmungsgefährdete Stadt an der Donau: Bis zu acht Meter über Normalhochwasser steigt dort die Flut, wenn die Hochwasserwellen von Inn und Donau gleichzeitig eintreffen.

Passau: Rathausplatz unter Wasser (Mai 1999) Foto: dpaPassau: Rathausplatz unter Wasser (Mai 1999) Foto: dpa

Besonders fruchtbare Agrarlandschaften an der deutschen Donau sind wegen der Lössauflage der Dungau um Straubing, die Kornkammer Bayerns, und die Hallertau unterhalb von Ingolstadt, größtes deutsches Hopfenanbaugebiet. Regionen mit hoher Industriedichte sind das Gebiet Schwenningen - Tuttlingen, das Brenztal um Heidenheim und die Ballungsräume München, Augsburg und Ingolstadt.

Zwischen Regensburg und Wien hat die Donau malerische Engtäler in das böhmische Mittelgebirgsmassiv eingeschnitten; besonders anmutig ist die Wachau. Das Wiener Becken liegt zwischen den Ausläufern der Alpen (Wienerwald, Leithagebirge) und den Kleinen Karpaten bei Bratislava, die ineinander übergehen. Zur Wirtschaft Österreichs, die sich an den Flüssen konzentriert, sind zwei intensive Agrargebiete erwähnenswert: die Weinbauregion Wachau und die Kornkammer Marchfeld, die sich in das tschechische Mähren bis Olmütz hineinzieht. Im Marchfeld fördert Österreich Erdöl und Erdgas. Gebiete mit hoher Industriedichte sind die Ballungsräume von Wien und Linz-Wels-Steyr, auch das Inntal um Innsbruck und das Murtal oberhalb von Graz. Die Wasserkraftwerke in Österreich an allen seinen Flüssen liefern 68 % des in diesem Staat erzeugten Stroms.

Der Donauraum unterhalb von Wien weist höhere Sommertemperaturen und geringere Niederschläge als Mitteleuropa auf. Auf seinem Weg nach Budapest hat der Strom die Kleine Ungarische Tiefebene (Kis Alföld) gequert, die sich auf der slowakischen Seite an den Flüssen Waag und Gran fortsetzt und den romantischen Durchbruch durch das ungarische Mittelgebirge am Donauknie geschaffen. Die 2330 m³/s Mittelwasser in Budapest entsprechen dem des Rheins in Holland. Das trockene Klima der Großen Ungarischen Tiefebene (Nagy Alföld) mit nur 600 mm Niederschlag lässt die Donau bis Paks, wo das ungarische Atomkraftwerk steht, um drei Prozent schrumpfen. Doch bei dem weiteren Lauf durch Ostslawonien und die Wojwodina (Ausläufer des Alföds) kommt der größte Zuwachs zustande: durch die Alpenflüsse Drau und Save und durch die Theiß. Die Save als wasserreichster Nebenfluss überhaupt entwässert nicht nur die Alpenkette der Karawanken, sondern auch die ebenso stark beregneten Dinarischen Gebirgszüge, wobei die berühmte Drina ihr größter Zubringer ist. Die Theiß als längster Donauzufluss mit einem riesigen Einzugsgebiet weist trotzdem kaum mehr Wasser auf als der Inn, denn sie sammelt nicht nur die hohen Abflüsse der Karpaten, sondern auch die sehr niedrigen des Alfölds. So wälzt die Donau unterhalb von Belgrad 5500 m³/s und dazu den Abfluss der serbischen Morava durch den gewaltigsten ihrer Gebirgsdurchbrüche, das Eiserne Tor in den Südkarpaten (siehe Titelbild). Diese 120km lange Schlucht mit ihrem fels- und kataraktreichen Stromlauf, der die Schifffahrt früher zu einem gefährlichen Abenteuer werden ließ, wurde durch den 32 Meter hohen und bis zu 2300 Meter breiten Aufstau für das Wasserkraftwerk Djerdap gebändigt. Die 1971 fertig gestellte rumänisch-jugoslawische Gemeinschaftsanlage bietet in zwei Staustufen eine gigantische Elektrizitätsleistung von 2100 Megawatt.

Schließlich nimmt die Donau noch mehrere rumänische Karpatenflüsse von Norden als wasserreichsten den Pruth und von Süden wasserärmere bulgarische Balkanflüsse auf und wächst so bis zum Delta auf 6900 m³/s an. Diese Zuflüsse und die Donau selbst ermöglichen in den sehr trockenen Flachländern der Walachei und der bulgarischen Platte in der Dobrudscha beträgt der Jahresniederschlag nur 400 mm Feldbau mit künstlicher Bewässerung. Hier wie auch in den ungarischen und kroatisch-serbischen Tiefländern ziehen sich unendliche Mais- und Weizenfelder hin. Auch in der Puszta, der einstigen Steppe an der ungarischen Theiß, wird heute Bewässerung mit Kanälen und Grundwasserbrunnen betrieben, zum Teil für Reisanbau im nördlichsten Reisgebiet der Welt. Regionen mit hoher Industriedichte findet man in Südosteuropa vor allem im Nordwesten: im slowakischen Waagtal um Bystrica, im Budapester Ballungsraum, zwischen Plattensee und Donau, sonst nur um Belgrad und im Bukarester Großraum. Im letzteren liegt bei Ploiesti das größte Erdölfeld Rumäniens. Hier stand die älteste Raffinerie der Welt. In Siebenbürgen wird vor allem Erdgas gefördert. In Galai und Braila befinden sich Schiffswerften und die größten Stahlwerke, am ukrainischen Ufer die größten Häfen des Stromes. In Sulina endet die Donau offiziell. Der Sulina-Arm des Deltas führt zwar nur zehn Prozent des Wassers, ist aber der Hauptschifffahrtsweg zum Schwarzen Meer. Der Chilja-Arm (ukrainisch Kilija) ist mit 60 % der wasserreichste Mündungszweig.

Literaturhinweise
Die Donau und ihr Einzugsgebiet. Eine hydrologische Monographie. Regionale Zusammenarbeit der Donauländer 1986
Rod Heikell: Die Donau. Donaueschingen Schwarzes Meer. Edition Maritim, Hamburg 1993

 


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