Die Donau
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III. Schauplatz europäischer Geschichte |
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1. Die Donau: Von Martin Kramer Obere Donau
Die obere Donau wurde unter Augustus Reichsgrenze. In den Jahren 15–12 v. Chr. unterwarfen die Stiefsöhne des Augustus Tiberius (von Gallien aus) und Drusus (von Süden durch das Tal der Etsch) in einer groß angelegten Zangenbewegung die Zentralalpen und das Alpenvorland bis zur oberen Donau: Die Provinz Raetien wurde geschaffen. Sie war als südliche Aufmarschbasis gegen die Germanen vorgesehen. Tiberius entdeckte auf seinem Feldzug die Donauquellen in den Bergen des Schwarzwaldes. Bereits 17/16 v. Chr. war das Königreich Noricum kampflos römisches Klientelfürstentum geworden. Parallel dazu (13– 9 v. Chr.) unterwarf Agrippa (nach dessen Tod 12 v. Chr. Tiberius) die Pannonier an der mittleren Donau (Provinz 10 bzw. 33 n. Chr.). Auch dieser Vorstoß verfolgte weiter gehende strategische Ziele. Im Jahrhundert zuvor war Rom in einen erbitterten Kleinkrieg mit illyrischen Korsaren verstrickt worden, die die adriatische Seefahrt permanent bedrohten. Aus der militärisch gesicherten pannonischen Ebene heraus wurde das schwer zugängliche gebirgige balkanische Binnenland bis zur Adriaküste befriedet und zugleich die Verbindung zwischen oberer und unterer Donau hergestellt. Nach einem Aufstand in Pannonien und der vernichtenden Niederlage im Teutoburger Wald wurde die Eroberung Germaniens aufgegeben. Die römischen Legionen zogen sich hinter Rhein und Donau zurück. Untere Donau
Die untere Donau war als Grenze bereits ins Auge gefasst worden, als Makedonien Provinz wurde (146 v. Chr.). Zwischen 80 und 70 v. Chr. erreichten mehrere makedonische Statthalter im Kampf mit den Thrakern den Unterlauf der Donau. Aber erst nach den Bürgerkriegswirren gelang es, zunächst ein thrakisches Klientelfürstentum (etwa dem heutigen Bulgarien entsprechend) zu errichten. Unter den Nachfolgern des Augustus wurden die Provinzen Mösien (44 n. Chr.) und Thrakien (46 n. Chr.) eingerichtet. Rom hatte damit die Herrschaft über den Balkan gesichert und die untere Donau zur Reichsgrenze gemacht. Zu Beginn des 2. Jahrhunderts errichtete Trajan die Provinz Dacien als weit über die Donau hinaus nach Norden vorgeschobenen Vorposten. Mit 60 000 Soldaten, die im Donauraum zusammengezogen worden waren, überschritt Trajan beim heutigen Turnu Serverin die Donau auf einer über einen Kilometer langen Holzbrücke, die auf 20 steinernen Pfeilern ruhte. Überreste sind heute noch am Donauufer zu sehen. »Nasser« Limes
Abhängig vom Bedrohungspotenzial wurde die Donaugrenze seit
der Mitte des 1. Jahrhunderts durch Legionslager, Kastelle und Straßen
befestigt. So befindet sich beispielsweise auf der Strecke zwischen
Oberstimm und Linz weder Lager noch Kastell, weil auf der gegenüberliegenden
Seite Wälder und Sumpfgebiete lagen bzw. durch Verträge
germanische »Pufferstaaten« gebildet wurden. Dagegen
wurde im strategisch wichtigen Wiener Becken ein Legionslager in
Carnuntum und wenig später auch ein Reiterlager in Vindobona
(Wien) angelegt. Hier verlief die alte Bernsteinstraße von
der Ostsee nach Süden, die eine ideale Einbruchslinie bildete. Romanisierung Nach Eroberung und Besetzung ermöglichte der stetige Ausbau
der Donaugrenze eine ruhige innere Entwicklung. Ausgangspunkt dieser
»Romanisierung« waren die Legionslager und Garnisonsstädte.
Zunächst blieben die eroberten Gebiete Besatzungsland. Der
Provinzstatus und damit eine zivile Verwaltung folgte oft erst Jahre
später. Die Besatzungstruppen stammten vorwiegend aus weit
entfernten, neu eingerichteten Provinzen. In Noricum waren z.B.
Britannier, Bataver und Legionäre aus Kleinasien stationiert.
Auf zahllosen Grabsteinen sind nicht nur Name und militärische
Einheit überliefert, sondern auch persönliche Ruhmestaten.
Ein batavischer Reiter rühmt sich: »Ich bin der Mann,
berühmt an den Ufern Pannoniens, tapfer und der erste unter
tausend Batavern, der unter den Augen Hadrians es fertig brachte,
die breiten Gewässer der Donau in voller Rüstung zu durchschwimmen.« Niedergang
Fast ein halbes Jahrtausend hielt die Rhein-Donaugrenze, auch
nachdem die römischen Truppen den obergermanischen und rätischen
Limes aufgaben und sich hinter die beiden Grenzflüsse zurückzogen.
Sie war die vielleicht längste und beständigste Grenze
Europas – und eine, die noch lange nachwirkte. Die Gebiete diesseits
nahmen teil an der zivilisatorischen Entwicklung und am Wohlstand
des Römischen Reiches. Jenseits dieser Strukturgrenze stagnierte
die Entwicklung jahrhundertelang bzw. blieb abhängig von der
römischen Hochkultur, erkennbar an den reichen Importen römischer
Erzeugnisse, denen keine gleichwertigen einheimischen Produkte entgegenstanden.
Die allmähliche Auflösung der Donaugrenze erfolgte im
3. Jahrhundert unter dem Druck der Barbaren und aufgrund einer krisenhaften
ökologischen und ökonomischen Entwicklung im Inneren des
Römischen Reiches. Die Erschöpfung der Böden durch
intensive Landwirtschaft und der Raubbau am Wald für Bauten
aller Art, Heizmaterial und Produktion von Eisen, Ton und Glas führte
zu einer schweren Agrarkrise.
Literaturhinweise Wolfgang Czysz: Die Römer in Bayern. Stuttgart 1995 Kurt Genser: Der Donaulimes in Österreich. Winnenden 1990 Hans-Peter
Kuhnen (Hrsg.): Gestürmt – Geräumt – Vergessen? Dieter Maier/Erich Lessing: Die Donau. München 1982 Ulmer Museum (Hrsg.): Römer an Donau und Iller. Sigmaringen 1996 Leo Weber: Als die Römer kamen. Landsberg 1975 Michael W. Weithmann: Balkan-Chronik. 2000 Jahre zwischen Orient und Occident. Regensburg 1995 |
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