Die Donau
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b) Unter dem Banner des Propheten ins Innere Europas |
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Wie die Ungarn kamen die Türken als Eroberer und versetzten zunächst die Völker Europas in Angst und Schrecken. Aber anders als die Ungarn hielten sie an ihrer Religion fest und wuchsen nicht in die europäische Kultur hinein. Über Jahrhunderte waren sie die Herren Südosteuropas und hinterließen mannigfache Spuren. Am Ende aber wurden sie wieder fast ganz aus Europa hinausgedrängt. Die moderne Türkei schwankt heute zwischen der engeren Verbindung mit Europa und der Hinwendung nach Asien. Von Mittelasien nach Anatolien Nomadische Turkvölker aus Mittelasien kamen bei ihrem Vordringen nach Westen mit persischer und arabischer Kultur in Berührung und nahmen den Islam an. Der Stamm der Seldschuken – ihrem Anführer wurde nach der Eroberung Bagdads im 11. Jahrhundert der Titel »Sultan« (»Herrscher über die Gläubigen«) vom Kalifen (Nachfolger Mohammeds) verliehen – errichtete in Anatolien einen Staat, den die Mongolen im 13. Jahrhundert wieder zerstörten. Seine Nachfolge traten zahlreiche Kleinfürstentümer an. Vom asiatischen Kleinstaat zur europäischen Großmacht Eines dieser kleinen Fürstentümer, das osmanische um
Bursa, benannt nach dem Stammesführer Osman (1281?–1326), stieg
im Laufe der nächsten Jahrhunderte zu einer Großmacht
auf. Osman eroberte neue Gebiete, weil er den Islam ausbreiten und
seine Krieger mit Beute versorgen wollte. Er förderte auch
die Landwirtschaft und damit das Sesshaftwerden und nahm den Titel
»Sultan« an. Der Griff nach dem »Goldenen Apfel«: Die neuen Eroberungen gaben Sultan Suleiman II. (1520– 1566),
»dem Prächtigen«, die Mittel zum Vorstoß
auf Wien an die Hand, den »Goldenen Apfel«, wie die
Stadt seit langem in osmanischen Militärkreisen genannt wurde:
1521 fiel Belgrad, 1526 wurden die Ungarn bei Mohács an der
Donau geschlagen, 1529 war erstmals die österreichische Kaiserstadt
bedroht.
Sultan Suleiman II. (1520–1566).
Die Donau im Osmanischen Reich Ende des 14. Jahrhunderts hatten die Türken den Unterlauf
der Donau erreicht. Doch der Strom bildete nur für kurze Zeit
die Nordgrenze ihres Reiches, die durch eine Reihe von Sperrfestungen
am südlichen Flussufer gesichert wurde.
Jahrhunderte des Niedergangs Seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts leiteten eine
Reihe unfähiger Herrscher, Korruption und Ämterkauf, wirtschaftliche
Probleme, militärische Misserfolge und zunehmende Stärke
der Armeen des christlichen Europa den Niedergang des Osmanischen
Reiches ein.
Abschied von der Donau Ungeniert rissen dann im 19. Jahrhundert europäische Großmächte türkische Gebiete an sich. Der »kranke Mann am Bosporus« blieb nur am Leben, weil kein Staat im Falle seines Dahinscheidens dem anderen große Vorteile gönnen mochte. Neue Ideen aus dem Westen und der Mitte Europas leiteten das »nationale Erwachen« der Balkanvölker ein. Russland propagierte die Vereinigung aller Slawen unter seiner Führung und stand, wie auch andere Großmächte, zum Eingreifen auf dem Balkan bereit. Als Erste erkämpften die Serben 1817 ihre Autonomie. 1830 wurde Griechenland unabhängig; 1878 folgten Serbien, Montenegro und Rumänien. Zur Ruhe kam der Balkan dadurch freilich nicht: Die neuen Staaten waren instabil und voller ungelöster Probleme und das dahinsiechende Osmanische Reich, 1908 auch noch von innen erschüttert durch die sich an die Macht putschende Reformbewegung der »Jungtürken«, weckte allerorten neue Begehrlichkeiten. Österreich-Ungarn nutzte die Gunst der Stunde, drängte Bulgarien zur Unabhängigkeit und annektierte selbst Bosnien und die Herzegowina. In den Balkankriegen 1912/13 konnte das Osmanische Reich gerade noch einen Zipfel Europas für sich retten, der der Türkei bis heute geblieben ist.
Was blieb vom Halbmond in Europa? Die sichtbarsten Spuren sind heute noch Moscheen und Minarette,
Bäder und Grabmäler. Einflüsse türkischer Architektur
lassen sich auch in der heimischen Baukunst nachweisen, etwa in
Bulgarien. Millionen Menschen in Albanien und Bosnien folgen täglich
dem Ruf des Muezzins und verneigen sich gen Mekka: Moslems, deren
Vorfahren unter der Türkenherrschaft zum Islam übergetreten
sind. Die Musik Südosteuropas weist orientalische Anklänge
auf, doch ist nicht sicher, ob das eine Folge der langen Besetzung
ist. Von den Musikkapellen der Janitscharen übernahmen europäische
Orchester im 18. Jahrhundert die große Trommel, das Becken,
Triangel und die Piccoloflöte, Preußen auch den Schellenbaum,
der zum Wahrzeichen seines Militärs wurde. Und während
ihr Reich in die Defensive ging, eroberten die Türken die Opernbühnen
ihrer Gegner, z. B. mit Mozarts »Die Entführung aus dem
Serail« (1782). Literaturhinweise Wolfgang Gust: Das Imperium der Sultane. Eine Geschichte des Osmanischen Reichs. München/Wien 1995 Josef Matuz: Das Osmanische Reich. Grundlinien seiner Geschichte. 3. Auflage, Darmstadt 1996 Alan Palmer: Verfall und Untergang des Osmanischen Reiches. München 1997 Michael W. Weithmann: Balkan-Chronik. 2000 Jahre zwischen Orient und Okzident. 2. Auflage, Regensburg/Graz/Wien/Köln 1997
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