Die Donau
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6. Linz und Mauthausen: Repräsentationsarchitektur und Menschenvernichtung |
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Von Erika und Helmuth Kern
Seit 1939 gehörte Linz zu den fünf »Führerstädten«, die zum Vorbild künftiger nationalsozialistischer Architektur umgestaltet werden sollten. Die »Jugendstadt des Führers« sollte zum »europäischen Kunstzentrum« werden, Wien, die »Phäakenstadt«1, damit übertrumpfend. Gewaltige Kriegsgewinne waren zur Finanzierung des »deutschen Budapest« vorgesehen. Schon während des Krieges sollte massenhafter Kunstraub in den besetzten Gebieten die Ausstattung des »Führermuseums« sicherstellen.
Aus den Granitsteinbrüchen des nahe gelegenen Mauthausen
(siehe 6.b)), aus denen vor 1938 die meisten in Wien verarbeiteten
Pflastersteine stammten, wurde das Baumaterial für »Hitropolis«2
unter unvorstellbaren Leiden gebrochen. 1945 waren die Vorstellungen
der Neugestaltung von Linz jäh zu Ende, was blieb, waren Modelle
und Pläne.
Auf dem Spatzenberg über Urfahr sollte die Adolf-Hitler-Schule, eine nationalsozialistische Erziehungsanstalt (NAPOLA), stehen3. Hermann Giesler (1898-1987), zuletzt freischaffender Architekt in Düsseldorf, wurde 1940 von Hitler mit der Neugestaltung von Linz beauftragt. Seit 1924 bereits aktives Mitglied der nationalsozialistischen Bewegung, hatte er die Ordensburg in Sonthofen geplant, war 1937 zum Professor und stellvertretenden Leiter der Bauabteilung der DAF und 1939 zum Generalbaurat der »Hauptstadt der Bewegung« ernannt worden. 1944/45 wurde er Leiter der »OT-Einsatzgruppe Deutschland VI« (Organisation Todt), zuständig für Bayern und die Donau-Gaue, und Generalbevollmächtigter für das dortige Bauwesen.4
Linz sollte die schönste Donaumetropole werden. Hitler entwarf
Teile der Donauuferbebauung, auch die Linzer Achse mit ihrer 60
m breiten Prachtstraße »In den Lauben« war nach
seinen Wünschen und Skizzen geplant. An deren nördlichem
Ende sollte im Osten das »Führermuseum« stehen,
gedacht als Gegenstück zu den Uffizien in Florenz. Der »Sonderauftrag
Linz« diente zur Beschaffung von Kunstwerken, die den Grundstock
für eine der größten Kunstgalerien der Welt bilden
sollte, Schwerpunkt der Sammlung: die so genannte »germanische
Klassik«. Dafür wurde im besetzten Europa hemmungslos
beschlagnahmt und geplündert, meist waren es Werke aus jüdischem
Besitz. Die am stärksten vom Kunstraub betroffenen Staaten
waren Polen und Frankreich und ab September 1943 ltalien. ln den
besetzten Zonen im Westen, in Frankreich, Belgien und Holland, wurde
nichtjüdischen Besitzern gegenüber der Schein des legalen
Kaufs gewahrt, im Osten wurde einfach requiriert. Am 26. Juni 1939
erließ Hitler den »Sonderauftrag Linz«, der Linz
zur Hauptstadt der Künste machen sollte. Kunst-Einkäufer
war Hans Posse, ein ehemaliger Dresdner Museumsdirektor, nach seinem
Tod 1942 H. Voss. Zunehmend gewann dann allerdings der »Fotograf
des Führers«, Heinrich Hoffmann, als Kunstberater Hitlers
an Einfluss, bis zuletzt Martin Bormann 1944 alleiniger Berater
in Sachen Kunst für Linz wurde. Anmerkungen/Literaturhinweise 1 Bezeichnung Hitlers für Wien, das er verachtete. Die Phäaken waren in der »Odyssee« ein Seefahrervolk, das Odysseus half nach Ithaka zu kommen. 2 lngo Sarlay: Hitropolis, in: Bazon Brock, Achim Preiß: Kunst auf Befehl?, Klinkhardt & Biermann, München, 1990, S. 187 (Alle Bilder sind diesem Buch entnommen.) 3 Ingo Sarlay: Hitropolis, S. 187-199 4 CaroIine Schönemann: 50 Biographien, in: 1945 Krieg-Zerstörung- Aufbau: Architektur und Stadtplanung 1940-1960: Schriftenreihe der Akademie der Künste, Henschel Verlag, Berlin, 1995, S. 367 5 Ingo Sarlay: Hitropolis, S. 188 6 lngo Sarlay: Hitropolis, S. 195 7 Reinhard Merker: Die bildenden Künste im Nationalsozialismus, DuMont Köln, 1983, S. 177
Alle Abbildungen: Stadtbauamt Linz
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