Die Donau
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IV. An der Donau: Kunst- und Literaturlandschaften |
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1. Inszenierte Geschichte Von Erika und Helmuth Kern »Wie ein Torwächter steht am Eingang zur Wachau das Benediktiner Stift Melk. Auf einer 50 m hohen Felsnase über der Donau erhebt sich die palastartige Anlage, deren Schauseite, die Westfront, dem Strom zugewandt ist. Die über 300 m lange Südfront wird überragt von der mächtigen Kuppel und dem Turmpaar der Stiftskirche. Das Meisterwerk Josef Prandtauers ist eine der glanzvollsten Schöpfungen europäischen Barocks.« (Günter Treffet: Das Zeitalter des Barock. Edition Christina Brandstätter. Wien. 1990. S. 18) Das Klostermuseum. Schatzhaus sakraler Kunst: Reliquien, Kunsthandwerk Mythos Melk, als »der zentrale Ort des frühen
Österreich«: Grenzburg der Ungarn. 975 vom ersten
Markgrafen Leopold I. erobert. Hauptburg. Kanonikerstift und
Begräbnisstätte der Babenberger bis Anfang des 12.
Jahrhunderts. Benediktinerkloster seit 1089 ohne Unterbrechung. Seit 1122
direkt dem Papst unterstellt, bistumsunabhängig. Heute
36 Mönche. Die Bibliothek umfasst in zwölf Räumen etwa 100 000 Bände: davon sind 1 800 Handschriften - vom frühen 9. Jahrhundert an (Beda Venerabilis) und 750 Inkunabeln (Frühdrucke bis 1500), in gesondertem Raum verwahrt: 1700 Werke des 16. Jahrhunderts, 4500 des 17. Jahrhunderts, 18 000 des 18. Jahrhunderts, thematisch geordnet. Im großen Bibliotheksraum allein über 16 000 Bände: Bibelausgaben, Theologie, Jurisprudenz, Erd- und Himmelskunde, Geschichte, barocke Lexika. In den anderen Räumen Literatur. Altphilologie, Naturwissenschaften. Der Bauherr Berthold Dietmayr (1670-1739), seit 1700 Abt
in Melk. Zahlreiche Ämter: Dekan der theologischen Fakultät,
Rektor der Universität Wien, Mitglied im ständigen
Ausschuss des Landtags. 1728 kaiserliche Ernennung zum Wirklichen
Geheimrat. Unter ihm wirtschaftliche, künstlerische, wissenschaftliche
Blütezeit des Stifts. Grab des Hl. Koloman seit 1014. Jerusalempilger, der Spionage für die Ungarn verdächtigt. 1012 in Stockerau bei Wien gehängt: Wunder nach seinem Tode machten ihn berühmt, nach Melk gebracht und begraben wurde er Landesheiliger. Der Legende nach durch ihn Beendigung der Türkenkriege. Das Stiftsgymnasium: Im 14. Jahrhundert Unterricht für »weltliche« Schüler, als Gegenleistung für Singen beim Gottesdienst. 1778 öffentliches Gymnasium. 1938 Schließung durch NS-Regime. 1945 Wiedereröffnung als humanistisches Gymnasium (161 Schüler), 1967 Einführung der Koedukation und des neusprachlichen Zweigs. 1976 Einführung des Oberstufenrealgymnasiums mit Instrumentalmusik. Differenziertes Angebot in vier Zweigen: gymnasiale Oberstufe: humanistisch, neusprachlich und Oberstufenrealgymnasium: musisch und realistisch (Biologie, Umweltkunde, Physik, Chemie). Sprachenbetont: Englisch (Kl. 1). Latein (Kl. 3); Wahl des Oberstufenzweigs zu Beginn der Klasse 5, ab Klasse 6 Wahlpflichtfächer wie Italienisch, Spanisch, Russisch. Abschluss in Klasse 8 mit Reifeprüfung. Schulträger ist der jeweilige Abt. Staatlich anerkannte private Schule mit einem Schulgeld von ÖS 700,- pro Monat, Ermäßigung für sozial benachteiligte Schüler (Stand 1998).
Für »rühmlichst ausgezeichnete Teutsche«.
Plan Ludwigs I. von Bayern (1786-1868) als Ehrentempel ab 1807.
Im Innern: der Bauherr in römischer Toga, Sitzfigur, überlebensgroß,
idealisiert, nachdenkliche Pose: aufgestellt am 104. Geburtstag
des Königs (1890) aus dem besten Marmor Italiens, aus Carrara. Einweihung am 18. Oktober 1842, dem 29. Jahrestag der Völkerschlacht
bei Leipzig. Architekt: Hofbaumeister Leo von Klenze, der München
klassizistisch gestaltete. Der Name: Vorschlag von Johannes von Müller, Schweizer
Historiker im Dienste Preußens. Der Name erinnert an das
Elysium des Nordens: Gefilde der Seligen und Ort der Unsterblichkeit. Die Lage: freie Natur in Anlehnung an den englischen Garten,
Sinnbild freiheitlicher Gesinnung. Hoch über der Donau,
die nach romantischer Vorstellung zum gemeinsamen Ursprung aller
germanischen Völker in Zentralasien fließt: von dort
seien diese donauaufwärts gezogen. Vertreter dieser Theorie:
Friedrich Schlegel, Johannes von Müller und Joseph Görres.
Von Müller, der den König in Auswahl der Walhallarepräsentanten
beriet, wurde 1808 vom Bildhauer Schadow für die Walhalla
in Marmor porträtiert. Görres dagegen bekam erst 1931
Walhallaehren, Schlegel gar nicht. Ludwig I. am 18. Oktober 1842: »Möchte Walhalla förderlich sein der Erstarkung und Vermehrung Deutschen Sinnes! Möchten alle Deutschen, welchen Stammes sie auch seien, immer fühlen, dass sie ein gemeinsames Vaterland haben, ein Vaterland, auf das sie stolz sein können: und jeder trage bei, soviel er vermag, zu dessen Verherrlichung.« Seit 1945 kamen ins deutsche Pantheon: Max Reger (1948),
Adalbert Stifter (1954) und Joseph Freiherr von Eichendorff
(1957). Wilhelm Conrad Röntgen (1959), Max von Pettenkofer
(1962), die »erste deutsche Unternehmerpersönlichkeit«
Jakob Fugger (1967), Jean Paul (1973) und Richard Strauß,
Carl Maria von Weber (1978), Gregor Johann Mendel (1983) und
Albert Einstein (1990). »Bei Regensburg läßt er erbaun/ Eine marmorne Schädelstätte,/ Und er hat höchstselbst für jeden Kopf/ Verfertigt die Etikette// Walhallagenosse, ein Meisterwerk./ Worin er jedweden Mannes/ Verdienste, Charakter und Taten gerühmt,/von Teut bis Schinderhannes«, spottete Heinrich Heine. Im Pantheon sucht man ihn vergeblich. |
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