Zeitschrift

Katalonien

Partnerregion Baden-Württembergs


Heft  42 April 2001

Hrsg.: LpB


  Katalonien
Inhaltsverzeichnis       

  


 

6. Joan Miró – unglaubliches Staunen

Von Renate Holzmann

»Miró lohnt sich – auf alle Fälle«.
Die Schülerbemerkungen nach dem Besuch des Miró-Museums (Fundació Joan Miró) in Barcelona wiederholen sich kontinuierlich – und das nicht nur bei den Kunstbegeisterten.

Miró-Museum                                                          Foto: R. Holzmann

Woran liegt es? Sind es die farbenfrohen und beinahe fröhlich wirkenden Bilder und Skulpturen des katalanischen Künstlers, der sich selbst jedoch als traurigen, schweigsamen und zur Tragik neigenden Menschen bezeichnet? Oder ist es die außergewöhnliche Lage der Fundació Miró, als idyllischer Ruhepol auf dem Berg Montjuïc gelegen fernab vom pulsierenden und lärmenden Leben der Innenstadt und doch wiederum so nah und zentral?

Joan Miró (20.4.1893–25.12.1983) wächst in Barcelona in bürgerlichen Verhältnissen auf. Später bezeichnete er sich selbst als schlechten und verträumten Schüler. Seine schon früh sich abzeichnende Neigung zur künstlerischen Tätigkeit wird im Bürgertum der damaligen Zeit noch nicht akzeptiert. Nach langer Krankheit und depressiven Phasen entscheidet er mit 18 Jahren, sich ganz der Malerei zu widmen. Die Kunstschule Francesc Galí in Barcelona öffnet ihm Kontakte zu den avangardistischen Künstlern der damaligen Zeit und wird zum Sprungbrett seines künstlerischen Schaffens. Seine erste Ausstellung 1918 in Barcelona mit vorwiegend Landschaftsbildern und Stillleben stellt den Auftakt für später folgende, zahlreiche Ausstellungen in Europa, Amerika und Japan dar. Verschiedene längere Aufenthalte in Paris ermöglichen Miró den Kontakt mit der damals bekannten surrealistischen Gruppe um Paul Eluard und André Breton sowie Freundschaften mit Hemingway und Henry Miller. Daran schließt sich eine intensive Schaffensperiode von skulpturalen Werken aus Holz, Bronze oder Keramik an. Die zwei Wandkeramiken im Pariser UNESCO-Gebäude bringen ihm den Großen Preis der Guggenheim Foundation ein, der ihm 1959 im Weißen Haus von Präsident Eisenhower überreicht wird. Große Miró-Retrospektiven in New York und Japan und zahlreiche Preise und Ehrenbezeugungen folgen. Die Goldmedaille der Generalitat von Katalonien (1978) und die Goldmedaille der Schönen Künste des spanischen Staates, überreicht von König Juan Carlos (1980), sowie eine »Ehrenwoche für Joan Miró«, veranstaltet von der Stadtverwaltung von Barcelona anlässlich seines 90. Geburtstages (1983), waren weitere Höhepunkte seines langen, kreativen und schaffensreichen Lebens.

25 Jahre Fundació Joan Miró

Im Jahre 1976 wird auf Initiative des Künstlers und seines Freundes Joan Prat die Fundació Joan Miró (Miró-Stifung) eröffnet. Mirós Ziel war die Einrichtung eines Zentrums zur Förderung der zeitgenössischen Kunst.

Für den Besucher weckt bereits der äußere Anblick Interesse: Schon von außen lassen die imposanten, weißen Häuserwürfel des berühmten katalanischen Architekten Josep Lluís Sert (1902–1983), eingerahmt vom Park Montjuïc, Interessantes im Inneren des Gebäudes vermuten. Man wird nicht enttäuscht: Auf drei Etagen sind in den lichtdurchfluteten Räumen mehr als 200 Gemälde, 500 Zeichnungen, zahlreiche Skizzen, textile Experimente und Skulpturen der gesamten Schaffensperiode Mirós ausgestellt. Die Dachterrasse lädt nicht nur zum Flanieren zwischen den Mirówerken ein, sondern bietet darüber hinaus noch einen grandiosen Ausblick auf die Metropole. Sonderausstellungen zeitgenössischer europäischer Künstler und ein Studienzentrum mit Veranstaltungen, Film- und Musikaufführungen, die anlässlich der vor 25 Jahren gegründeten Miró-Stiftung im Jahr 2001 besonders zahlreich sind, bieten nicht nur dem Kunstliebhaber ein breites Spektrum an Aktivitäten.

Fundació Joan Miró: Quecksilberbrunnen

Foto: R. Holzmann

Selbst für Naturwissenschaftler bietet die Fundació Miró Einzigartiges: den Quecksilberbrunnen (»Fuente de Mercurio«), der von Alexander Calder für den spanischen Pavillon zur Weltausstellung in Paris 1937 geschaffen wurde. Hermetisch abgeriegelt hinter riesigen Glaswänden kann man dem Spiel des silbrig glänzenden Metalls zuschauen. Wer die katalanische, spanische, englische Beschreibung nicht liest, denkt wahrscheinlich dasselbe, was Schüler, fasziniert von dem Spiel, ständig fragen: »Womit kann man Wasser so einfärben, dass es derart silbern glänzt?« Wird ihnen dann erklärt, dass in dem Brunnen hochgiftiges, reinmetallisches Quecksilber in großen Mengen fließt, ist die Reaktion immer unglaubliches Staunen.

Sollte der Miró-Fan noch weitere Wünsche haben, dann braucht er nur die Ramblas aufzusuchen: Fast alle Barcelona-Besucher gehen – die meisten wohl, ohne es zu wissen – über ein kreisförmiges Bodenmosaik des katalanischen Künstlers, das sich direkt in der Mitte der Prachtsrasse (Metrostation Liceu) befindet. Und wer sich in der Nähe der Plaça d’Espanya aufhält, kann einen Blick in den kleinen Parc de Joan Miró werfen: Dort steht eine der bekanntesten Miró-Skulpturen Dona i ocell (Frau mit Vogel), die wie ein vergessenes Künstlerstück aus dem Meer von vorbeirasenden Autos herausragt.

Hinweis:

Fundació Joan Miró Parc de Montjuïc
08038 Barcelona
Tel: 0034-933 291 908 
Fax.0034-933 298 609
www.bcn.fjmiro.es  fjmiro@bcn.fjmiro.es

Öffnungszeiten:
Oktober – Juni: Di – Sa 10 – 19 Uhr, Sonn- und Feiertage: 10 – 14.30 Uhr, Mo geschlossen
Juli – September: Di – Sa 10 – 20 Uhr, Do 10 – 21.30 Uhr,
Sonn- und Feiertage: 10 – 14.30 Uhr, Mo geschlossen

Anfahrt:

* Metro L3, Haltestelle Poble Sec, dann zu Fuß die »Carrer Margarit« bis
   zum Berg Montjuïc hoch (Fußweg mit Treppen etwa 20 Min.)
* Seilbahn Funicular de Montjuïc (Metro L3, Haltestelle Paral.lel): fährt 
   von Juli – September täglich, in der Nebensaison aber nur Sa und So
* Metro L3, Haltestelle Plaça d’Espanya, von dort aus mit dem Bus
   Linie 50



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