Zeitschrift

Katalonien

Partnerregion Baden-Württembergs


Heft  42 April 2001

Hrsg.: LpB


  Katalonien
Inhaltsverzeichnis       

  


 

I. Katalonien und Baden-Württemberg:
   zwei Vier-Motoren-Regionen

Von Georg Ris

 

Katalonien

Katalonien, das auf eine mehr als elfhundertjährige Geschichte zurückblicken kann, nimmt unter den spanischen Regionen eine Sonderstellung ein. Schon kurz nach Ende der Diktatur (1975) wurde eine autonome Stellung gegenüber der Zentralgewalt gefordert. Hintergrund war auch die enorm starke wirtschaftliche Position der nordöstlichen spanischen Region sowie ihre Verankerung in der Partnerschaft der Regionen des Mittelmeers und ihr enger Bezug zu den Departements im Südwesten Frankreichs.

Katalonien wird einerseits vom Mittelmeer und der Costa Brava, andererseits von den Bergen der Pyrenäen und den katalanischen Mittelgebirgen geprägt. Die Katalanen haben ein traditionell hohes Arbeitsethos, gelten als fleißig und gewissenhaft. Katalonien hat das höchste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und die niedrigste Arbeitslosigkeit in Spanien. Der Bildungsstandard in der Region liegt an der Spitze Spaniens und seine acht öffentlichen Universitäten mit rund 120000 Studenten zählen zur Avantgarde europäischer Wissenschaften.

Katalonien kann als Startpunkt der industriellen Revolution in Spanien gelten. Anfangs war es die Textilindustrie, heute sind es die Mobilitätsbranche, die Live-Science- und Kommunikationsindustrien. Daneben spielt der Tourismus mit knapp 20 Millionen Touristen im Jahr eine bedeutende Rolle. Die Vielfalt des Landes bietet zahlreiche kulturelle, gastronomische und touristische Möglichkeiten.

Baden-Württemberg und Katalonien

Die Gründung der Arbeitsgemeinschaft Vier Motoren für Europa am 9. September 1988 als erste und wichtigste Regionalbewegung der EU diente der Etablierung eines grenzüberschreitenden, interregionalen Netzwerks, der Vorbereitung einer europäischen Regionalverfassung, einer Stärkung der Mitwirkungsrechte der Regionen auf europäischer Ebene, der projektnahen Mobilisierung von Synergieeffekten sowie der Verstärkung und Verdeutlichung der regionalen Identität für die Bürger. Damit war zugleich das Heranführen der Menschen an die größere europäische Gemeinschaft verbunden.

Katalonien hat sich von Anfang an in diese Phalanx der starken Regionen Europas mit der Lombardei, Rhône-Alpes und Baden-Württemberg eingereiht. Wie alle Vier-Motoren-Regionen ist Katalonien ein industrielles Herz mit starker mittelständischer Struktur. Es gehörte und gehört wie die anderen Partner mit zu den wirtschaftsstärksten Regionen der jeweiligen Mitgliedstaaten.

Mit der Mitgliedschaft hat Katalonien zugleich seine Stellung innerhalb Spaniens gefestigt und ist zum Ideengeber des Regionalismus in Europa als Quelle für eine bürgernahe europäische Einigung geworden.

Innerhalb dieser vierseitigen Übereinkunft hat sich Katalonien wie Baden-Württemberg stets als eine Triebkraft für Projekte in vielen Lebensbereichen, vor allem in Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung, Verkehr und Telekommunikation sowie Landwirtschaft und Sozialwesen und schließlich mit besonderem Schwerpunkt auf den Bereichen Jugend und Sport, Kunst und Kultur verstanden. Zugleich haben sich beide Regionen stets der europäischen Verantwortung verpflichtet gefühlt und die europäische Einigung als ihr Werk gesehen.

Die Erkenntnis, dass die Europäische Union der Garant für Sicherheit, Stabilität und Frieden in Europa bleibt und ihre Bedeutung nach dem Fall des Eisernen Vorhangs eher gestärkt als geschwächt ist, war stets Leitlinie dieser Zusammenarbeit. Sie will niemanden ausschließen und hat andere Regionen zur Mitarbeit in einzelnen Projekten eingeladen.

Calalunya                          Baden-Württemberg

                 

Aus: Beziehungskisten. 
Europa Festival der Regionen, Fellbach 1998


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