Zeitschrift

Katalonien

Partnerregion Baden-Württembergs


Heft  42 April 2001

Hrsg.: LpB


  Katalonien
Inhaltsverzeichnis       

  


 

2. Zeittafel zur Geschichte Kataloniens

Von Jens Meyer

 

Ursprüngliche Bevölkerung Iberische Völker
ca. 600 v. Chr. Gründung der griechischen Kolonie Ampurias/Empúries
218 v. Chr. Beginn der Romanisierung
ca. 450 n. Chr Die Westgoten erobern Katalonien.
711 Das Gebiet fällt unter muslimische Herrschaft.
785 Beginn der christlichen Reconquista
801 Ludwig der Fromme erobert Barcelona. Der nördliche Teil Kataloniens wird zur Marca Hispánica des Frankenreichs.
9. u.10. Jh. Die katalanischen Grafschaften, zu Beginn dem westfränkischen bzw. französischen König untertan, erlangen allmählich ihre Unabhängigkeit.
11. u.12. Jh. Erwerb von Gebieten nördlich der Pyrenäen (Provence, Languedoc)
1137 Ehevertrag zwischen Ramon  Berenguer  IV.,Graf von Barcelona und Petronila/ Peronella, Erbin der Krone Aragoniens
1153 Ramon Berenguer IV. erobert Neu-Katalonien (Catalunya Nova). Katalonien erlangt damit etwa die heutige Ausdehnung.
13. u.14. Jh Die wichtigsten katalanischen Institutionen entstehen: les Corts (Ständeversammlung), Diputació del General oder Generalitat (ständige Vertretung der Cortes), Consell de Cent (Rat der Stadt Barcelona).
1469 Ferdinand, Erbe der Krone Aragons, heiratet seine Cousine Isabel, Erbin von Kastilien. Als die »Katholischen Könige« (Los Reyes Católicos) gehen sie in die Geschichte ein. Die Trennung der Reiche bleibt erhalten. Ihr Enkel, der Habsburger Karl I. (Kaiser Karl V. von Deutschland) ist Erbe beider Kronen.
16. u. 17. Jh. Zwar bleiben die Gesetze und Institutionen Kataloniens erhalten, aber die spanische Regierung versucht die Macht zu zentralisieren, was gelegentlich zu Spannungen führt.
1640 Aufstand katalanischer Bauern in Barcelona
1641 Katalonien trennt sich von der spanischen Monarchie und unterwirft sich den Franzosen. Der Vizekönig und die der Kollaboration mit der Krone verdächtigen Katalanen finden den Tod. Das Lied »Els segadors« (Die Schnitter) wird zur Grundlage der heutigen katalanischen Hymne.
1659 Pyrenäenfrieden: Die katalanischen Gebiete nördlich der Pyrenäen gehen endgültig an Frankreich verloren.
1700 Karl II., der letzte Habsburger auf dem spanischen Thron, stirbt ohne Nachkommen.
1701-1713 Spanischer Erbfolgekrieg: Katalonien unterstützt den Habsburger Thronprätendenten Erzherzog Karl gegen den Bourbonen Philipp von Anjou (zu dem es vorher gestanden hatte), auf den sich schließlich die europäischen Mächte einigen.
11. Sept. 1714  Kapitulation Barcelonas vor den Heeren Philipps V. Die Führer des Widerstands werden hart bestraft oder hingerichtet. Der 11. September ist heute der katalanische Nationalfeiertag.
1716 Dekret über den Neuaufbau: Ende der katalanischen Selbstverwaltung. Die katalanischen Institutionen werden aufgelöst, oberste politische und militärische Autorität erhält ein vom König eingesetzter Generalgouverneur.
18. Jh. Wirtschaftlicher Aufschwung und Beginn der Industrialisierung
1808-1814 Katalonien beteiligt sich aktiv am spanischen Unabhängigkeitskrieg gegen die französische Besatzung unter Napoleon.
19. Jh. Ausbau der Industrialisierung, vor allem der Textilindustrie
1848 Erste Eisenbahnlinie Spaniens: Barcelona-Mataró. Entstehung politischer Parteien (seit 1876 ist Spanien eine konstitutionelle Monarchie). Bewegung zur Wiederaufwertung der katalanischen Sprache und Kultur (Renaixença).
1914 Mit der Mancomunidad de Diputaciones (Mancomunitat), einem Verband, in dem die vier katalanischen Provinzen organisiert sind, entsteht eine einflussreiche katalanische Institution.
1923-1930 Rückschlag dieser kulturellen und politischen Entwicklung unter der Diktatur von Primo de Rivera
1931/1932 Nach Einführung der Republik in Spanien wird die Generalitat wieder eingesetzt und die Cortes in Madrid stimmen einem Statut für Katalonien zu.
1934 Der Eintritt extrem konservativer Minister ins spanische Kabinett löst in Barcelona einen politischen Aufstand aus, der schnell unterdrückt wird und zur Aufhebung des Autonomiestatuts führt (bis 1936).
1936-1939 Bürgerkrieg: Katalonien steht auf der Seite der Republik. Um die Unterstützung der Anarchisten zu erhalten, stimmt die katalanische Regierung einem Kollektivierungs-Gesetz zu (Ley de Colectivizaciones y Control Obrero). Dieser Versuch einer sozialen Revolution, getragen von den Anarchisten und Trotzkisten (CNT, POUM), wird im Mai 1937 von den Kommunisten und Regierungskräften blutig niedergeschlagen. (»Bürgerkrieg im Bürgerkrieg«). Ein Augenzeuge dieser Ereignisse war George Orwell. Seine Werke Homage to Catalonia (1938) und Animal Farm (1945) sind eine narrative Auseinandersetzung mit der stalinistischen Form des Kommunismus.
1939 Nach dem Sieg Francos werden alle katalanischen Institutionen aufgelöst. Spanisch wird zur einzigen offiziellen Sprache, katalanische Zeitungen und Publikationen sowie die katalanische Fahne und Hymne werden verboten, Städte- und Straßennamen werden hispanisiert etc
40er, 50er und 60er Jahre  Einwanderung vieler Spanier aus anderen Regionen, vor allem aus Andalusien, Extremadura und Murcia
20.11.1975 Tod Francos
1977 Wiedereinsetzung der provisorischen Generalitat
1979 Die Cortes in Madrid stimmen dem »Statut für Autonomie Kataloniens« zu, dessen Entwurf von katalanischen Parlamentariern stammte. Am 25.10. stimmt die katalanische Bevölkerung in einem Referendum dem Statut zu.
1987 Beginn der Regionalpartnerschaft zwischen Katalonien und Baden-Württemberg
1980 Erste freie Wahlen zum katalanischen Parlament. Aus diesen und den folgenden Wahlen 1984, 1988, 1992 und 1995 geht das Parteienbündnis Convergència i Unió (CiU) als Sieger hervor. Präsident der Generalitat ist seit 1980 Jordi Pujol i Soley.
1988 Gründung der Arbeitsgemeinschaft der Vier Motoren für Europa: Baden-Württemberg, Katalonien, Lombardei, Rhône-Alpes
1999 Auch nach den Wahlen zum katalanischen Parlament (17.10.1999) bleibt Pujol i Soley Regierungschef (Koalition mit der konservativen Partei; CiU 56 von 135 Abgeordnete, PP 12). Allerdings verdankt er dies dem Wahlrecht, denn zum ersten Mal seit 1979 erreichten die Sozialisten (PSC; 52 Sitze) mehr Stimmen als die CiU. Ergebnisse der Parlamentswahlen vom 17. Oktober (gerundet): 
 
Partei   Prozent Stimmen Sitze
CiU 37,7  1,17 Mio. 56
PSC 37,9 1,18 Mio.  52
PP 9,5 300 000   12
ERC 8,7 270 000 12
IC-V 2,5 78 000 3

ERC = Esquerra Republicana de Catalunya

IC-V = Iniciativa per Catalunya-Verds

 

2000 Die spanischen Nationalwahlen vom 12. März 2000 brachten Stimmenverluste für die Nationalisten (CiU), während die PP (Partido Popular) ihre Stimmenzahl mehr als verdoppelte. Wegen der absoluten Mehrheit der PP im Madrider Parlament wurde die CiU in Spanien nicht mehr bei Abstimmungen benötigt. Die Wahlbeteiligung war mit 64,01 % um rund fünf Prozent höher als bei den Regionalwahlen des Vorjahrs.

Ergebnis der Nationalwahlen vom 12.3.2000 in der Region Katalonien

Partei Prozent Stimmen Sitze
       
PSC-PSOE 34,1  1,2  Mio. 17
Convergència i
Unió (CiU)
28,8  0,97 Mio. 15 
Partido Popular 22,8 0,77 Mio. 12
ERC 5,6   0,2  Mio.  
IC-V  3,5  0,1  Mio.  

                                                                   

 


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