Zeitschrift

Europa in Baden-Württemberg

50 Jahre - ein Panorama

Internationaler Verkehr

in Baden-Württemberg: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Von Eckhard Szimba und Michael Schoch


  Europa in Baden-Württemberg
Inhaltsverzeichnis

 

  

 

50 Jahre internationaler Verkehr in Baden-Württemberg

Während der vergangenen 50 Jahre war der internationale Verkehr in Baden-Württemberg zunächst geprägt von dem starken Wirtschaftswachstum in den Nachkriegsjahren. Die durch den zunehmenden Wohlstand einsetzende Massenmotorisierung führte zu einem enormen Anstieg des Straßenverkehrs. Urlaubsreisen mit dem eigenen Auto in den sonnigen Süden wurden erschwinglich und populär. Die boomende baden-württembergische Exportwirtschaft sorgte für eine rasch wachsende Nachfrage im internationalen Güterverkehr. In den 70er und 80er Jahren war die fortschreitende europäische Integration die treibende Kraft des internationalen Verkehrs, wurde doch der Reiseverkehr und der Austausch von Gütern innerhalb der Länder der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft erheblich vereinfacht. Der Fall des »Eisernen Vorhangs« Ende der 80er Jahre führte dazu, dass sich zentral- und osteuropäische Länder zunehmend nach Westen orientierten und westeuropäische Unternehmen neue Absatzmärkte in Osteuropa erschließen konnten. Dadurch waren hohe Zuwachsraten im internationalen Verkehr vor allem auf West-Ost-Korridoren zu verzeichnen. Seit den 90er Jahren ist der internationale Verkehr geprägt durch die Globalisierung sowie weitere Fortschritte bei der europäischen Integration (1993: europäischer Binnenmarkt wird Realität; 1994: Österreich, Schweden und Finnland treten der EU bei; 2002: Einführung des Euros). Vor allem das Straßennetz wurde in den vergangenen 50 Jahren stetig erweitert, ausgebaut und dem stark wachsenden Bedarf angepasst, während das Schienennetz in Baden-Württemberg den heutigen Anforderungen teilweise nicht mehr in vollem Umfang entspricht.


Verkehrsaufkommen 1997 auf wichtigen Hauptstrecken (PKW/Tag)

50 Jahre nach der Gründung des Bundeslandes gibt es auf dem baden-württembergischen Straßennetz drei Hauptkorridore in Nord-Süd- und zwei in West-Ost Richtung. Der am stärksten befahrene Nord-Süd-Korridor ist die Rheintal-Autobahn A 5 (Frankfurt - Mannheim - Karlsruhe - Freiburg - Basel). Die A 81 (Würzburg - Heilbronn - Stuttgart - Singen - Schaffhausen) verläuft parallel zur A5 und weist zumindest im südlichen Teil ein im Vergleich zur A5 niedrigeres Verkehrsaufkommen auf. Der östlichste Nord-Süd-Korridor streift Baden-Württemberg und verläuft über Würzburg und Ulm nach Kempten (A 7). Bedeutende West-Ost-Korridore stellen die A 6 (Mannheim - Heilbronn - Nürnberg) sowie die A 8 (Karlsruhe - Stuttgart - Ulm - München) dar.


Schienennetz
Bahnangebot 2001 

Für den internationalen Verkehr auf der Schiene haben folgende baden-württembergische Strecken Bedeutung: Die Rheintalstrecke Mannheim - Karlsruhe - Offenburg - Freiburg - Basel ist nicht nur ein bedeutender Korridor für den Personenverkehr, sondern auch für den Güterverkehr. Der überwiegende Anteil des Schienengüterverkehrs zwischen den Beneluxstaaten und Norditalien wird durch das Rheintal transportiert. Über die Gäubahn werden die Ballungsräume Stuttgart und Zürich mit ICE-T-Zügen sowie Stuttgart und Milano mit Cisalpino-Zügen verbunden. Die Südbahn bindet in Ulm den oberschwäbischen Raum an die ICE-Linie Stuttgart - München an und stellt über die Fährverbindung zwischen Friedrichshafen und Romanshorn eine Verbindung zwischen Oberschwaben und der Nordostschweiz her. Die Strecke Kehl - Karlsruhe - Pforzheim - Stuttgart - Ulm ist Teil des europäischen Korridors Paris - Strasbourg - Karlsruhe - Stuttgart - München - Wien - Budapest.

Reisezeiten im internationalen Bahnverkehr im Vergleich
(jeweils schnellste Verbindung)

Strecke

1952

2001

2015
(Planungen)

Stuttgart - Wien (via Salzburg)

10:57

7:10

5:20

Stuttgart -  Zürich (via Schaffhausen)

4:32

2:45

2:15

Stuttgart - Milano (via Schaffhausen)

11:19

6:43

5:05

Karlsruhe - Paris (via Strasbourg)

9:39

4:59

2:35

Karlsruhe - Milano (via Basel)

9:24

6:45

5:05

Mannheim - Paris (via Saarbrücken)

10:35

5:18

2:55

Mannheim - Brüssel (via Köln)

8:12

5:30

3:30


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Internationaler Bahnverkehr 1955
Schnellzug Zürich - Stuttgart bei Welschingen-Neuhausen zwischen Singen und Engen

      

Internationaler Bahnverkehr 2001
ICE-T (ICE mit Neigetechnik) auf der Fahrt von Zürich nach Stuttgart bei Tuttlingen

Baden-württembergische Flughäfen mit internationaler Bedeutung sind der Landesflughafen Stuttgart-Echterdingen, der Flughafen Friedrichshafen sowie der Baden Airport, wobei letztere vor allem von Charter-Fluglinien bedient werden. Die Verkehrsnachfrage am Stuttgarter Flughafen hat sich in den vergangenen Jahren sehr dynamisch entwickelt. Im Jahr 2000 wurden erstmals mehr als acht Millionen Passagiere auf dem Landesflughafen abgefertigt.

Bedeutung für Baden-Württemberg haben auch die außerhalb der Landesgrenze liegenden Drehkreuze (»Hubs«) Frankfurt, München und Zürich sowie der Euro Airport Basel/Mulhouse.

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Aufwertung der Magistrale Paris - Stuttgart - München - Wien - Budapest und Stuttgart 21

Ein herausragendes Verkehrsprojekt in Baden-Württemberg ist die Aufwertung des Schienenkorridors Paris - Strasbourg - Karlsruhe - Stuttgart - Ulm - München - Salzburg - Wien - Budapest. Bereits 1992 schlossen die deutsche und französische Regierung ein Abkommen, wonach die Reisezeit auf der Strecke Paris - München auf 4:45 Stunden verkürzt werden soll. Der französische Teil der Magistrale Paris - Strasbourg gehört seit 1994 zu den 14 prioritären Verkehrsprojekten der Europäischen Union. Die Europäische Kommission schlägt in ­ihrem im September 2001 veröffentlichten Weißbuch vor, auch den Abschnitt Stuttgart - Ulm - München - Salzburg - Wien in die Liste der prioritären Verkehrsprojekte aufzunehmen. Für Baden-Württemberg ist eine Aufwertung dieses Korridors bedeutsam.

Das Projekt Stuttgart 21 umfasst drei Teilprojekte, die vom Land Baden-Württemberg in engem Zusammenhang gesehen werden: die Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs und Umbau zu einem Durchgangsbahnhof ist in erster Linie ein städtebauliches Projekt, bei dem die Stadt Stuttgart die frei werdenden Gleisflächen einer anderen Nutzung zuführen kann. Ferner sollen die Bahnstrecken Stuttgart-Ulm und Stuttgart-Zürich über den Landesflughafen geführt werden, so dass nach dem Bau zweier Flughafenbahnhöfe eine Verknüpfung des Fernverkehrs der Bahn mit dem Luftverkehr ermöglicht wird. Kernstück des Projekts Stuttgart 21 ist der Bau einer Neubaustrecke zwischen Stuttgart und Ulm, die Hochgeschwindigkeitsfahrten durch die Schwäbische Alb hindurch ermöglichen und die Reisezeit auf rund 30 Minuten verkürzen wird.

Nicht nur, weil die Anbindung an das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz ein bedeutender Standortfaktor ist und ein beträchtlicher Anteil der Bevölkerung im Einzugsbereich dieser Linie lebt und damit von den attraktiven Angeboten profitieren könnte, sondern auch, um zu verhindern, dass der internationale Hochgeschwindigkeitsverkehr der Bahn Baden-Württemberg weiträumig umfährt: Ein konkurrierender Korridor von Paris nach Südostdeutschland verläuft über Frankfurt und Würzburg. Falls das Jahrhundertprojekt Stuttgart 21 realisiert wird, trägt es dazu bei, die Magistrale Paris - Stuttgart - München - Wien - Budapest nachhaltig attraktiver zu machen.

 

 

 

 

 

 

 


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