|
Die achtziger Jahre: Postmoderne - ein Kunstwerk
für die Bildende Kunst - James Stirling baut in Stuttgart
Staatsgalerie
Stuttgart
Looks like a museum (Stirling)
»Ein Kunstwerk und ein Machwerk, brutal und
verspielt, feinsinnig-proportioniert und restaurativ-eklektizistisch,
urban und menschenfeindlich, faschistisch ist James Stirlings
Neubau der Stuttgarter Staatsgalerie schon genannt worden.
In der Tat:
widersprüchlich. Aufreizend in Details und zugleich auf verwirrende Weise
eindrucksvoll im ganzen ist das bunte Erscheinungsbild dieses Bauwerks, das zu
den ehrgeizigsten Kulturbauten der Nachkriegszeit gehört. Der
Neunzig-Millionen-Bau, der . heute festlich eröffnet wird, . verändert nicht
nur die Stuttgarter Stadtlandschaft; er ist eine deutliche Kampfansage an das
seit Bauhauszeiten etablierte >moderne Bauen< ...
Die neue Staatsgalerie führt einen ästhetischen
Disput gleichsam mit sich selber: die denkmalgeschützte Vergangenheit mit der
hemdsärmeligen Gegenwart, der wohlproportionierte, statisch-vornehme Altbau mit
der dynamisch aufgelösten Wandelarchitektur des Neubaus. Als plastische
Großcollage bietet der Stirlingbau alles auf, was es an konträren Möglichkeiten
gibt: Konventionelles und Revolutionäres, Burgromantik und eiskalten
Funktionalismus, Pathos und Ironie, Harmonie und grelle Dissonanzen, den edlen
heimischen Bruchstein vom Altbau und das popfarbige Design chemischer
Fabriken.«
Wolfgang
Rainer, Stuttgarter Zeitung, 9. März 1984
|
|
|

|
|
»Statt
einer >Fassade<
weicht die Front
zurück und
präsentiert
eine ganze Serie
von Zwischenfällen
bei der Bewegung
des Betrachters,
der in das Gebäude
hinein, hindurch
oder quer darüber
geht.« James
Stirling, 1983
|
|
|
|
|
Klassizismus
wird zitiert
|
Das Zitatenmuseum
»Sein größtes manieristisches Vergnügen aber hatte James
Stirling (mit seinem Partner Michael Wilford) beim Zitieren. Er hat eine
sonderbare Begründung dafür: Ein Museum, findet er, sollte selber Museum
spielen; der Kunstsammlung im Innern entspräche also die Bau-Zitatsammlung.
Tatsächlich fällt man von einem Zitat ins nächste: die Rotunde - von Schinkel;
der abstrus platzierte klobige Portikus darin, der zu nichts als einem
Nebenausgang führt - von einem Grabmalentwurf Friedrich Weinbrenners; die
Rampen, die Balkons - von Le Corbusier, ja der ganze Verwaltungs- und
Bibliotheksbau hinten ist eine Parodie auf das Stelzenhaus Le Corbusiers in der
Weißenhofsiedlung; die zwei monströsen haushohen Entlüftungsköpfe in seinen
Lieblingsfarben Grün und Blau (und all das offene Gestänge)
- vom Centre Pompidou. Die Bullaugen in den Rampen erinnern an Scharoun,
die Neon-Strahlendecken in den Eingängen an Kinofoyers der Nierentischzeit, das
Blau an den Kirschholztresen ist von Rietveldt, die dicke Bleistiftsäule im
Foyer ist eine eher peinliche Referenz an Charles Jencks, denjenigen, der der
Postmoderne zu ihrem Namen verholfen hat.«
Manfred
Sack, DIE ZEIT, 9. März 1984
|
|
|

|
|
»Im
Innenraum erinnert
der grüne Gumminoppen-Fußboden
(als Alternative
zu dem üblichen
hochglanzpolierten
Naturstein) daran,
dass Museen heutzutage
auch Orte populärer
Unterhaltung sind.«
James Stirling,
1983
|
|
|
|
|
|
Von der Munitionsfabrik
zur »Kulturfabrik«: Das Zentrum für Kunst
und Medientechnologie in Karlsruhe

»Die ehemalige Munitionsfabrik am
Westrand der Karlsruher Innenstadt ist 312 m lang, 56 m
breit, 25 m hoch, hat 40 000 Quadratmeter Nutzfläche
und gehört zu den ersten Betonskelettbauten des Jahrhunderts.
Das von 1915 bis 1918 von Philipp Jacob Manz errichtete
Werksgebäude ist trotz seiner außerordentlichen
Länge außen wie innen prägnant gegliedert:
Quergiebel und Risalitvorsprünge rhythmisieren die
Fassaden, die fast nur aus Glas und tragenden Teilen bestehen.
Diese für die damalige Zeit erstaunliche Auflösung
und Transparenz der Wände ist dem ursprünglichen
Zweck der Fabrik zu verdanken: Im Falle einer Explosion
nämlich sollte der Detonationsdruck nicht durch massive
Mauern aufgehalten werden.« Peter Bode, 1997
Umweltverträgliches Bauen
für die Öffentlichkeit
Der Gründer des ZKM: Heinrich Klotz, 1997:
»Das Publikum wird von den Treppen und Brücken
aus, die längs durch das 312 m sich erstreckende Fabrikgebäude
hindurchführen, Einblick nehmen können in alle
Bereiche dieses der Kunst und den Medien gewidmeten großen
Environments. Das ZKM ist zugleich ein Beispiel für
einen Aspekt heutiger Architektur, der zunehmend an Bedeutung
gewinnt: die Anverwandlung und Revitalisierung von Altbauten.
Wenn überhaupt ökologisches Bauen einen Sinn machen
soll, so ist es vor allem das Bemühen um die Erneuerung
von Altbausubstanz: Recycling-Architektur. Zusammen mit
den Photovoltaik-Zellen, die auf den großen Dachflächen
des ZKM aufgebracht wurden, ist der Karlsruher Hallenbau
exemplarisch für eine zeitgemäße und den
Problemen der Gegenwart entsprechende umweltverträgliche
Architektur.«
Zur Architektur von Schweger und Partner
»Im Inneren hat der mit dem aktuellen Umbau des
denkmalgeschützten Gehäuses beauftragte Hamburger
Architekt Peter Schweger gottlob die überkommene Struktur
kaum angetastet. Geblieben sind die plastisch geformten
Skelettstützen, die umlaufenden Galerieemporen in allen
Geschossen, die offenen Treppen und die 10 grandiosen, glasüberdeckten
Lichthöfe. Hinzugekommen sind leicht konstruierte Brücken
und Stege, eine »Blue Box« - zu nutzen als Theater
und Kino - in einem der Lichthöfe sowie ein neuer High-Tech-Kubus
vor dem Haus für das Musik- und Tonstudio.«
Peter Bode, 1997
|
 Der
Gebäudekomplex des ZKM nach Fertigstellung
|
 Blick
in einen Lichthof, 1997
|
ZKM :
www.zkm.de
|
*_ ist eine weltweit einzigartige Kulturinstitution.
Es reagiert auf die schnelle Entwicklung der
Informationstechnologien und den Wandel der
sozialen Strukturen. In seiner Arbeit vereint
das ZKM Produktion und Forschung, Ausstellungen
und Veranstaltungen, Vermittlung und Dokumentation.
Mit dem Museum für
Neue Kunst, dem Medienmuseum,
dem Institut für
Bildmedien, dem Institut
für Musik und Akustik und den neuen
Abteilungen Grundlagenforschung
und Institut für
Netzentwicklungen verfügt das ZKM
über vielfältige Möglichkeiten
zur Entwicklung von interdisziplinären
Projekten und internationalen Kooperationen.
Seit 1999 unter der Leitung von Professor
Peter Weibel, setzt sich das ZKM in Theorie
und Praxis mit den neuen Medien auseinander,
erprobt mit Eigenentwicklungen ihr Potenzial,
stellt mögliche Nutzungen exemplarisch
vor und setzt sich kritisch mit der Gestaltung
der Informationsgesellschaft auseinander.
In enger Zusammenarbeit mit der Staatlichen
Hochschule für Gestaltung, Karlsruhe
und anderen Institutionen versteht sich das
ZKM als Forum für die Begegnung von Wissenschaft
und Kunst, Politik und Wirtschaft.
|
|