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John
Cranko 1969
1927 in Rustenburg (Südafrika)
geboren Tanzstudium an der Universität
Kapstadt, ab 1946 in London 1942 erste Choreographie nach
Musik von Strawinski, nach 1950 zunehmende Berühmtheit: Arbeiten für das Royal
Ballet London, das New York City Ballet (1950),
die Pariser Oper (1955) und die Mailänder Scala (1959) 16.1.1961
Ernennung zum Ballettdirektor des Württembergischen Staatstheaters Stuttgart 26.6.1973 Tod auf dem Rückflug
von einer umjubelten Gastspielreise
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Als John Cranko 1961 in
Stuttgart zum Ballettdirektor des Staatstheaters ernannt wird, kann der
33-Jährige schon auf eine stattliche Erfahrung als Choreograph zurückblicken.
Seine Jahre an der hochberühmten Sadler Well's Ballet School (später The Royal
Ballet School) in London und die Kontakte zu den Stars der Londoner
Ballett-Welt haben ihn geprägt, seine Erfahrungen aus London bringt er nach
Stuttgart mit. In London hat Cranko die
pädagogische Kraft von Sir Frederick Ashton und die unvergleichliche Eleganz
der Primaballerina Margot Fonteyn erlebt, aber eben auch gesehen, wie wichtig
eine gezielte Ausbildung junger Tänzerinnen und Tänzer für die Entwicklung
einer beachtenswerten Ballettszene ist. Das
System der staatlichen Ballettschulen Londons, die Schul- und
Tanzausbildung aufeinander abstimmen
und ihre Schüler in eigenen Aufführungen und regulären Vorstellungen des Royal
Ballet fördern, hält er für den richtigen Weg. Zugleich bringt er nach
Stuttgart Eindrücke und Erfahrungen mit, die er als Gastchoreograph gesammelt
hat. Cranko ist vielseitig, will sich nicht zwischen Klassik und Moderne
entscheiden. Den Traditionsstoff »Romeo und Julia« nach Musik von Sergej Prokofjew
(Mailand 1959) führt er genauso zum Erfolg wie die »Antigone« (London 1960),
die er mit dem griechischen Komponisten Mikis Theodorakis zu einem spannenden
Ballettabend formt.
Das Württembergische Staatstheater
Wie stand es in Deutschland, in
Stuttgart zur Zeit des Amtsantritts von Cranko um das Ballett? Auf welche
Bedingungen traf der junge Ballettdirektor in den frühen sechziger Jahren? Der Stuttgarter Kulturkritiker
Hartmut Regitz beschreibt die Situation: »Bis 1960 war Stuttgart eine
Ballettstadt wie jede andere in der Bundesrepublik.« (Kilian, Stuttgarter
Ballett, S.16) In Deutschland hatte das
Ballett seit jeher nie die Tradition, den unbestrittenen Glanz gewonnen wie in
anderen europäischen Ländern. Die Russen etwa entwickelten eine ganz
eigene, unvergleichliche Art Tanz zu lehren und zu gestalten. Schon im 18.
Jahrhundert hatte das zaristische Russland in Sankt Petersburg und Moskau
wichtige Zentren der Tanzkunst. Berühmte Tänzerinnen und Tänzer wie Anna
Pawlowa (1881-1931) oder Waslaw Nijinski (1888-1950) und Choreographen wie
Sergej Diaghilew (1872-1929) trugen den Ruhm des russischen Balletts in die
ganze Welt. Auch in England oder Dänemark und Frankreich war der Stellenwert
des Balletts enorm hoch. In Deutschland gab es sicher
auch wichtige Ballett-Zentren. Die Fürstenhöfe des 19. Jahrhunderts pflegten
gerade diese Sparte des Theaters. Aber vielfach entwickelte sich das Ballett in
sehr engem Zusammenhang mit der Oper, die Kompagnien traten manchmal als
Zulieferer für die Ballett-Einlagen zu Opern auf. Große Handlungsballette, die
in Frankreich von Komponisten wie Adolphe Adam (»Giselle«) oder in Russland von
Peter Tschaikowski (»Schwanensee«) mitgetragen wurden, waren weniger gefragt
oder wurden häufig durch Gastspiele mit wichtigen ausländischen Tänzern
importiert. In dieses Umfeld ist auch
Stuttgart zu platzieren. Die Oper dominierte und bestimmte den Ruf des Hauses.
Es galt seit den fünfziger Jahren als »Winter-Bayreuth«, das sich besonders der
Pflege der Werke Richard Wagners verschrieben hatte und wo Wieland Wagner
zahlreiche Inszenierungen mit einem hochrangigen Sänger-Ensemble ausprobieren
konnte. Dennoch: Schon Crankos Vorgänger, unter ihnen Nicholas Beriozoff,
hatten die Qualität und den Ruf des Stuttgarter Ballett-Ensembles stetig
gesteigert. Die Gründung der Noverre-Gesellschaft im Jahr 1958 unterstützte
dies nachhaltig unter anderem mit Öffentlichkeitsarbeit für das Ballett und
Stipendien. Die Grundlagen existierten jedenfalls, trotzdem waren neue Impulse
gefragt. Hierfür war Cranko der richtige Mann.
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