Zeitschrift

Europa in Baden-Württemberg

50 Jahre - ein Panorama

Hochschulpartnerschaften

Von Leonhard Müller


  Europa in Baden-Württemberg
Inhaltsverzeichnis

 

  


Brücken über den Rhein

Rektor,
Dozenten und
Studierende
aus ver-
schiedenen Nationen
beim Sommerfest
im Ehrenhof
der Universität
Karlsruhe

  

Das besondere Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland unter de GaulIe und Adenauer bildete die Grundlage für das Zusammenrücken der Nationen, und diese Brücke trägt bis heute trotz aller unterschied­lichen Belastungen im stimmungsbedingten Auf und Ab. So konnten   bald nach dem Krieg mit Hochschulpartnerschaften gangbare Wege beschritten werden. Als Beispiel sei die Universität Karlsruhe herausgegriffen.
Internationalität prägt das Bild deutscher Hochschulen seit langem. Bereits Johann Gottfried Tulla, Gründer des Karlsruher Polytechnicums 1825, gewann für seine neue Institution wertvolle Erfahrungen an der Ecole Polytechnique in Paris. 1860 fand in Karlsruhe mit 125 Personen aus europäischen Ländern der erste internationale Chemikerkongress statt. Diese Kontakte begleiteten die spätere Technische Hochschule über Jahrzehnte.
Nach dem Tiefpunkt der NS-Diktatur begann 1957 ein Studienaustausch mit dem Institut Nationale des Sciences Appliquées in Lyon Villeurbanne, wobei neben einem Assistentenaustausch gemeinsam betreute Diplom- und Doktorarbeiten durchgeführt wurden. Zum herausragenden Beispiel nach Umfang und Integrationsgrad entwickelte sich das Studienprogramm zwischen der Karlsruher Maschinenbaufakultät und der Ecole Nationale Supérieure des Arts et Métiers (ENSAM in Paris und Metz). 30 bis 50 Studierende können pro Jahr in diesem deutsch-französischen Studium das Doppeldiplom ENSAM-Karlsruhe erwerben. Das Deutsch-französische Hochschulkolleg unterstützt diese Studien mit Stipendien und einer spezifischen Infrastruktur für Praktika in beiden Ländern. In dieser Institution, 1987 gegründet und von den Regierungen in Paris und Bonn/Berlin getragen, prüfen je neun französische und deutsche Vertreter aus Wissenschaft, Ministerialverwaltung und Wirtschaft die Einrichtung deutsch-französischer Studiengänge. Unter den 70 realisierten hat die Universität Karlsruhe die meisten zustande gebracht. So wurden um 1990 integrierende Studiengänge für Physik und Mathematik mit der Université Joseph Fourier in Grenoble und der Ecole Normale Supérieure in Lyon geschaffen, die zu einem Doppeldiplom führen, das auf dem Arbeitsmarkt ein positives Echo findet. Die Fakultäten Elektrotechnik, Maschinenbau und die Wirtschaftswissenschaften sowie Informatik stehen nun ebenfalls im Austausch mit Grenoble, einem Gebiet mit ca. 30 000 Forschern bei optimaler Ausstattung mit Geräten, wie zum Beispiel dem deutsch-französischen Hochfeldmagnetlabor.
Neben diesen Partnerschaften, an denen sich im Allgemeinen hochqualifizierte und sprachgewandte Studierende beteiligen, sei der Europäische Tripartite-Studiengang erwähnt, an dem sich neben der Universität Karlsruhe und der Ecole Supérieure d´Ingénieurs en Electronique in Noisy-Le-Grand noch die englische University of Southampton und die spanische Universidad Pontifica Comillas beteiligen.
Für die Forschungslandschaft und den Austausch am Oberrhein selbst sind schon seit elf Jahren besondere Abmachungen getroffen worden, deren Ergebnisse man nach einem Jahrzehnt positiv bilanzieren kann.

                                                                                             

EUCO

 

 


Mitglieder
der »Europäischen Konföderation der oberrheinischen Universitäten« seit 1989 sind:
Albert-Ludwig-Universität Freiburg
Universität Basel
Universität Louis Pasteur Strasbourg
Université des Sciences Humaines Strasbourg
Université Robert Schumann Strasbourg
Université de Haute Alsace Mulhouse
Universität Fridericiana Karlsruhe

Ziel: gemeinsame Vorhaben, Austausch von Dozenten und Studierenden (z.Zt. etwa 200)

Form: EUCOR-Studienausweis erlaubt Zugang zu Lehre und Hochschuleinrichtungen der jeweiligen Universität, ohne sich dort immatrikulieren zu müssen

Ergebnis: Seminarscheine, Zwischenprüfungen, Studienabschlüsse werden gegenseitig anerkannt, z. B. trinationaler Diplomstudiengang Biotechnologie, Graduiertenaus­bildung »Co-tutuelle de thèse«

Forschung und Organisation: »Umwelttechnik«(1994), »Klimaatlas Oberrhein Mitte/Süd« (1995), Weiterbildung mit Videokonferenzen, beschleunigte gegenseitige Datenverbindung, »EUCOR Bibliotheksinformationen«.

Management und Information: Generalsekretariat, Jacques Aparfel, 8, Rue des Ecrivains F-76081 Strasbourg

 

 

 

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