Zeitschrift

Europa in Baden-Württemberg

50 Jahre - ein Panorama

EU-Förderprojekte:

das Stuttgarter Yipline-Projekt

Von Lothar Schaechterle


  Europa in Baden-Württemberg
Inhaltsverzeichnis

 

  


Jugendliche auf Europas digitaler Spur

Junge Leute aus Obertürkheim, Cardiff und Brünn gestalten gemeinsam ein Internetseite

[Untertürkheimer Zeitung 15/06/2000]

Obertürkheim (sto) - Mittwochabends herrscht in der zweiten Etage des Obertürkheimer Jugendhauses Villa Jo seit einigen Wochen regelmäßig Hochbetrieb. An den Wänden hängen große Plakate mit dem Aufdruck »Yipline«. Die Abkürzung steht für »Young Interactive People Project« - zu deutsch Junges interaktives Projekt.

Das von der Europäischen Union geförderte Projekt bietet Jugendlichen die Möglichkeit, sich mit dem politischen und kulturellen Europa auseinanderzusetzen - und gleichzeitig einen Einblick in das Medium Internet zu erhalten. Die Obertürkheimer Jugendlichen, die sich Woche für Woche in der Villa Jo treffen, sind dabei alles andere als unter sich: In Cardiff und Brünn gibt es ebenfalls junge Leute, die bei »Yipline« mitmachen.
Innerhalb von einem Jahr wollen die Gruppen in den drei Ländern eine dreisprachige Internetseite erstellen - »Mit allem was für Jugendliche interessant ist«, sagt Waltraud Geißer, Mitarbeiterin in der Villa Jo und Organisatorin des Yipline-Projektes. An den acht Geräten im Computerraum der Villa Jo herrscht während des Workshops Hochbetrieb. Bilder werden eingescannt, Grafiken gezeichnet, Texte geschrieben. Unter der Internet-Adresse http://www.yipline.net sind die ersten Ergebnisse bereits zu sehen.

Doch derzeit konzentrieren sich die Jugendlichen vor allem darauf im Internet Seiten mit europäischen Inhalten zu finden, Informationen zu sammeln und zu sortieren, um diese nachher für die Yipline-Homepage jugendgerecht zu verwenden. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt: Ausbildung, Schüleraustausch, das Kennenlernen der kulturellen Angebote in den anderen EU-Staaten - immer wieder gibt es beim Surfen im Netz der Netze neue Anregung und Impulse für die eigene Seite. Die soll keineswegs ein starres Gebilde sein, sondern regelmäßig aktualisiert und umgewandelt werden. »Wir wollen mit unserer Seite ein Zeichen setzen, dass auch Jugendliche sich an Europa beteiligen wollen«, sagt die 14-jährige Nella. Alle Texte werden von den Partnern in Brünn und Cardiff in die jeweilige Landessprache übersetzt. Die Partner waren kürzlich für eine Woche in Stuttgart. »Damit man sich persönlich kennenlernt«, sagt Waltraud Geißer. Jetzt wird per elektronischer Post kommuniziert oder gechattet, wie die Live-Unterhaltung via Internet neudeutsch heißt. Bald sollen sogar echte Videokonferenzen via Internet abgehalten werden, um die Gestaltung der Internetseiten abzustimmen. Gesprochen wird dabei zumeist in englischer Sprache, denn die beherrschen alle.

 

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Auf der Suche nach Informationen über Europa:
Das »Yipline«-Team der Villa Jo trifft sich jeden Mittwoch,
um an den dreisprachigen Internetseiten zu arbeiten.

 

 

Ein Teilnehmer aus Brünn:

Ahoi, ich heiße Daniel, ich bin 13 Jahre alt (bald 14).

Ich wohne in Brünn, bin slowakischer Nationalität, aber in Sydney geboren (das ist in Aust­ralien), weil meine Eltern 1985 mit meiner 8 Jahre alten Schwester, die wie meine Eltern in der Slowakischen Repubilk geboren ist, von Kosice (in Slovak Rep.) nach Australienn emigrierten. Meine Schwester lebt bis zu diesem Tag in Sydney. Jetzt arbeite ich mit Martin, Andrei, Damien, Gill, Wayne und Nella auf der Seite vom YIPLine-Projekt. diese Seite zu diesem Projekt wird auf die Site YIPLINE.NET gelegt.

 

 

Ein Teilnehmer aus Cardiff:

Hallo, mein Name ist Wayne. Ich bin 20 Jahre alt und ich bin in Cardiff geboren, der Hauptstadt von Wales. Wales ist eines der vier Länder des Vereinigten Königreichs. Cardiff ist eine wundervolle Stadt, die gegenwärtig eine Menge Entwicklungen durchmacht. Ich würde jedermann raten zu kommen und Wales, besonders Cardiff zu besuchen. Ich denke, dass das YIPLINE-Projekt ein erstaunlicher Weg ist, damit junge Leute ihre Gedanken und Auffassungen über die Europäische Gemeinschaft mitteilen und behandeln können. Ich denke, dass es wirklich wichtig ist, dass junge Leute sich einander ihre Vorstellungen von Europa mitteilen und voneinander lernen können. Ich hoffe wirklich, dass YIPLINE jungen Leuten und den Ländern von Europa helfen kann, um enger zusammen zu kommen. Ich denke, dass dieses Projekt der erste Schritt ist, dies zu erreichen.
 

 

Aus einem Interview mit Frau Sylvia Rehm,
der Leiterin des Untertürkheimer
Jugendhauses und Öffentlichkeitsbeauftragten
des Stuttgarter Jugendhaus e.V.:

D&E: Das Yipline-Projekt soll weitergeführt werden. Wird es auch in Zukunft von der EU gefördert?

S.R.: Es ist derzeit noch unklar, wie die Förderung aussieht. Wir haben aber auf jeden Fall Interesse daran, das Projekt weiterzuführen, weil wir der Meinung sind, dass durch diese Arbeit ein Grundstein gelegt worden ist, auf dem sehr gut aufgebaut werden kann. Die Projektgruppe in der Villa Jo ist stark daran interessiert weiterzumachen. Die Homepage soll erweitert und aktualisiert werden. Was neu hinzukommt, ist eine Kooperation mit einer Einrichtung in Straßburg und dem Jugendhaus Café Ratz in Untertürkheim.

D&E: Was planen Sie?

S.R.: Es geht darum, Europa-Themen jugendgerecht aufzuarbeiten, das heißt, Europa so zu vermitteln, dass es Jugendliche anspricht. Unsere Erfahrungen mit diesem Thema sahen zunächst einmal so aus: Hände über den Kopf und weglaufen! Oder: »Das ist ja wie in der Schule. Das interessiert uns nicht«. Wir versuchen mit den Jugendlichen nach Möglichkeiten zu suchen, wo sie mit ansetzen können, wo sie auch einen direkten Bezug zu ihrer Lebenswelt sehen. Und wir wollen - das ist ja ein Schwerpunkt des Modells - fördern, dass Jugendliche in Europa untereinander Kontakt aufnehmen. Über Internet und E-Mail ist es möglich, sehr schnell über große Distanzen Kontakt aufzunehmen und zu halten. Das soll nicht die internationalen Begegnungen (Anm. der Redaktion: des Stuttgarter Jugendhaus e.V.) ersetzen, aber es ist eine gute Möglichkeit sie zu ergänzen.

D&E: Gibt es bereits Nachahmer in anderen Jugendhäusern in Deutschland oder Europa?

S.R.: Das weiß ich nicht. Es gibt ja verschiedene EU-Projekte für Jugendliche. Ob unsere Form schon übernommen wurde, weiß ich nicht. Aber wir sind dafür offen: Andere Jugendhäuser können jederzeit einsteigen. Die Homepage bietet die Möglichkeit, von verschiedenen Standorten aus mitzuarbeiten. Wir würden uns freuen, wenn unser Projekt Nachahmer findet.

D&E: Eine letzte Frage zur Bewertung. Sind Sie mit dem bisher Erreichten zufrieden?

S.R.: Wir sind sehr zufrieden. Anfangs hatten wir Bedenken, Jugendliche mit politischen Themen zu konfrontieren. Wir haben jedoch sehr engagierte junge Menschen gefunden, die Lust haben, am Thema Europa zu arbeiten. Es hat sich inzwischen ein fester Stamm herausgebildet. Dabei sind Jugendräte, auch ehemalige Jugendräte. Diese Jugendlichen wollen inhaltlich arbeiten. Es geht ihnen nicht nur um die Gestaltung. Das kommt hinzu, da man bei der Arbeit einiges über Programmierung und Bildgestaltung lernt.

Wir würden das Projekt nicht weiterführen, wenn wir den Eindruck hätten, es interessiert die Jugendlichen nicht. Wir planen sogar, für Schulen Arbeitsmaterialien ins Netz zu stellen. Es kann durchaus ein Anreiz für eine Klasse sein, im Unterricht damit zu arbeiten. Außerdem sind wir dabei, Projekte für Schulen anzubieten und wollen dies auch weiter ausbauen.

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