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Jugendkultur informell
Die europäische Jugendkultur ist
untrennbar mit der Musik verbunden. Alle Grenzen ignorierend werden Musikstile
geschaffen und geschätzt, die ein gemeinsames Lebensgefühl darstellen und
Jugendlichen eine unmittelbare Kommunikation ermöglichen. Liegen die Wurzeln seit 1945 oft
in den USA, wurden doch viele Formen erfolgreich angeeignet und
weiterentwickelt. Der Brückenschlag erfolgte in den 50er Jahren über
Großbritannien. Englische Gruppen waren seit den 60er Jahren in ganz Europa zu
hören, bald verstanden es auch Gruppen aus deutschen Regionen, erfolgreich
eigene Kreativität zu entfalten.
Die jüngste Welle, Hip-Hop, fand
sowohl in Städten Baden-Württembergs ihre Hochburgen (z.B. Stuttgart,
Heidelberg und Tübingen) als auch in anderen europäischen Ländern. Besondere
Kontakte bestehen hier zu Frankreich.
Zum
Beispiel: HIP-HOP in Stuttgart
Die Anfänge sind weniger in den
Jugendmusikschulen als in den Plattenabteilungen der großen Musikläden zu
suchen. Hier liegen die Wurzeln und hier besorgen sich die Kreativen ihr
Rohmaterial. Ihre musikalischen Ressourcen sind: Alte Platten, Musikfetzen und
Geräusche. Alles wird für den Computer »gesamplet«, aufbereitet und zu Songs
montiert. Die Musiker sind kundige PC-Benutzer, wenn sie die Bühne betreten,
ist der größte Teil der Instrumentalmusik bereits von einer Festplatte abrufbar
und geht von dort direkt in die Verstärker und Lautsprecher. Im Mittelpunkt des
Auftritts stehen die Rapper, die mit eigenen Reimen und Rhythmen singen und
sprechen.
Die Wurzeln dieser Musik liegen
in den Ghettos der großen amerikanischen Städte. Insbesondere
afro-amerikanische und hispanische Jugendliche entwickelten eine rhythmische,
einfach herzustellende Musik. Dazu benützten sie die schwarze Musiktradition
wie Soul, Funk und Rhythm and Blues. Für diese Jugendlichen war ihre Musik oft
die Alternative zu Straßenkämpfen und Bandenkriminalität. Begleitet wurde die
Musik oft von anderen Ausdrucksformen: Breakdance etwa, oder Graffity.
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Psy
4 de la rime (Marseilles) Skills en masse (Stuttgart)
Eine
besondere Rolle spielt der Austausch mit ausländischen Gruppen,
z.B. aus Frankreich.
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Viele Hip-Hop Formationen
verstehen sich als Sprachrohr gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit. Damit
sind sie sehr gut geeignet, jenseits von der offiziellen Lenkung
Internationalität und europäische Gemeinsamkeit zu fördern. Ihren Ursprung hat die
Stuttgarter Hip-Hop Szene in der Entscheidung einiger Bands, nicht mehr
traditionell mit Bass, Gitarre und Schlagzeug auf der Bühne zu stehen, sondern
bewusst diese neue Musik zu adaptieren und eigene Audrucksformen zu finden.
Angestoßen wurde dies von amerikanischen »GIs«, die die neuen Trends
mitbrachten und sich hier als »DJs« Geld verdienten oder sogar eine Karriere
aufbauen wollten.
Von hier gingen Ende der 80er
Jahre die Auftritte der deutschen Hip-Hop Szene aus. Hintergrund war nicht mehr
die Ghetto-Situation unterprivilegierter Jugendlicher, sondern der Wunsch,
eigene kreative Ausdrucksmöglichkeiten zu nutzen. Gemeinsam blieb, dass man die
eigene Situtation zum Gegenstand machte. Die heimischen Musiker bringen
ihren eigenen Erfahrungshintergrund ein. In Texten und Sprüchen fangen sie ein,
wie sie in der Großstadt und den Vorstädten herangewachsen sind. In Jugendzimmern traf man sich
um die Jams in den Jugendhäusern der Umgebung vorzubereiten. Zuerst eine kleine
Gemeinde, zehn Jahre später ein wichtiger Teil der bundesweiten Charts. In der
Zwischenzeit empfinden sich die Hip-Hopper nicht zu Unrecht als die größte
Jugendbewegung in Deutschland.
Parallel entwickelte sich in
anderen europäischen Ländern, insbesondere in Frankreich, eine ähnliche Szene.
Gemeinsame Projekte und Auftritte von Bands aus Frankreich und der Stuttgarter
Region pflegen z.B. unter dem Namen »French Connection« die grenzübergreifende
Verbundenheit der Jugendkultur.
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