Zeitschrift

Europa in Baden-Württemberg

50 Jahre - ein Panorama

Musik und Jugendkultur

Von Roland Wolf


  Europa in Baden-Württemberg
Inhaltsverzeichnis

 

  

Jugendkultur informell

Die europäische Jugendkultur ist untrennbar mit der Musik verbunden. Alle Grenzen ignorierend werden Musikstile geschaffen und geschätzt, die ein gemeinsames Lebensgefühl darstellen und Jugendlichen eine unmittel­bare Kommunikation ermöglichen.
Liegen die Wurzeln seit 1945 oft in den USA, wurden doch viele Formen erfolgreich angeeignet und weiterentwickelt. Der Brückenschlag erfolgte in den 50er Jahren über Großbritannien. Englische Gruppen waren seit den 60er Jahren in ganz Europa zu hören, bald verstanden es auch Gruppen aus deutschen Regionen, erfolgreich eigene Kreativität zu entfalten.

Die jüngste Welle, Hip-Hop, fand sowohl in Städten Baden-Württembergs ihre Hochburgen (z.B. Stuttgart, Heidelberg und Tübingen) als auch in anderen europäischen Ländern. Besondere Kontakte bestehen hier zu Frankreich.

Zum Beispiel: HIP-HOP in Stuttgart 

Die Anfänge sind weniger in den Jugendmusikschulen als in den Plattenabteilungen der großen Musikläden zu suchen. Hier liegen die Wurzeln und hier besorgen sich die Kreativen ihr Rohmaterial. Ihre musikalischen Res­sourcen sind: Alte Platten, Musikfetzen und Geräusche. Alles wird für den Computer »gesamplet«, aufbereitet und zu Songs montiert. Die Musiker sind kundige PC-Benutzer, wenn sie die Bühne betreten, ist der größte Teil der Instrumentalmusik bereits von einer Festplatte abrufbar und geht von dort direkt in die Verstärker und Lautsprecher. Im Mittelpunkt des Auftritts stehen die Rapper, die mit eigenen Reimen und Rhythmen singen und sprechen.

Die Wurzeln dieser Musik liegen in den Ghettos der großen amerikanischen Städte. Insbesondere afro-amerikanische und hispanische Jugendliche entwickelten eine rhythmische, einfach herzustellende Musik. Dazu benützten sie die schwarze Musiktradition wie Soul, Funk und Rhythm and Blues. Für diese Jugendlichen war ihre Musik oft die Alternative zu Straßenkämpfen und Bandenkriminalität. Begleitet wurde die Musik oft von anderen Ausdrucksformen: Breakdance etwa, oder Graffity.

Psy 4 de la rime
(Marseilles)
Skills en masse
(Stuttgart)

Eine besondere
Rolle spielt der
Austausch mit
ausländischen
Gruppen, z.B.
aus Frankreich.

Viele Hip-Hop Formationen verstehen sich als Sprachrohr gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit. Damit sind sie sehr gut geeignet, jenseits von der offiziellen Lenkung Internationalität und europäische Gemeinsamkeit zu fördern.
Ihren Ursprung hat die Stuttgarter Hip-Hop Szene in der Entscheidung einiger Bands, nicht mehr traditionell mit Bass, Gitarre und Schlagzeug auf der Bühne zu stehen, sondern bewusst diese neue Musik zu adaptieren und eigene Audrucksformen zu finden. Angestoßen wurde dies von amerikanischen »GIs«, die die neuen Trends mitbrachten und sich hier als »DJs« Geld verdienten oder sogar eine Karriere aufbauen wollten.

Von hier gingen Ende der 80er Jahre die Auftritte der deutschen Hip-Hop Szene aus. Hintergrund war nicht mehr die Ghetto-Situation unterprivilegierter Jugendlicher, sondern der Wunsch, eigene kreative Ausdrucksmöglichkeiten zu nutzen. Gemeinsam blieb, dass man die eigene Situtation zum Gegenstand machte.
Die heimischen Musiker bringen ihren eigenen Erfahrungshintergrund ein. In Texten und Sprüchen fangen sie ein, wie sie in der Großstadt und den Vorstädten herangewachsen sind.
In Jugendzimmern traf man sich um die Jams in den Jugendhäusern der Umgebung vorzubereiten. Zuerst eine kleine Gemeinde, zehn Jahre später ein wichtiger Teil der bundesweiten Charts. In der Zwischenzeit empfinden sich die Hip-Hopper nicht zu Unrecht als die größte Jugendbewegung in Deutschland.

Parallel entwickelte sich in anderen europäischen Ländern, insbesondere in Frankreich, eine ähnliche Szene. Gemeinsame Projekte und Auftritte von Bands aus Frankreich und der Stuttgarter Region pflegen z.B. unter dem Namen »French Connection« die grenzübergreifende Verbundenheit der Jugendkultur.

 

 

 


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