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60er Jahre: Die Jugend soll Brücken bauen
Schülerinnen und Schüler
aus Korsika und Oberschwaben erarbeiten gemeinsam eine zweisprachige
Bühnenfassung der Geschichte »Le Hollandais sans peine« von Marie-Aude Murail. Die
Deutschen spielen Franzosen, die Korsen Deutsche - Fremdsprache, Spaß und
Interkulturalität. Finanzielle Unterstützung leistet das Deutsch-Französische
Jugendwerk.
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Als Symbol des Wandels gilt
der von Charles de Gaulle und Konrad
Adenauer am 22.1.1963 unterzeichnete Elysée-Vertrag,
der zwei echte Neuerungen brachte: die regelmäßig - seit 2001 alle zwei Monate
- stattfindenden Konsultationen der beiden Regierungen und die Errichtung des Deutsch-Französischen Jugendwerks/Office
Franco-Allemand pour la Jeunesse (DFJW/OFAJ) am 5.7.1963. (2) Das DFJW/OFAJ fördert jährlich
mit einem Etat von rund 20 Millionen Euro rund 7000 Begegnungen für etwa 140
000 Jugendliche, das heißt seit seiner Gründung 200 000 Treffen mit inzwischen
über 6 000 000 Jugendlichen aus Frankreich und Deutschland. Dieser eindrucksvollen Bilanz
nach bald vier Jahrzehnten fügen kritische Beobachter(innen) zwei Anmerkungen
hinzu. Zum einen ist zwar das traditionelle Austauschprogramm - Kennenlernen
und Besichtungstouren - ebenso unattraktiv wie fragwürdig geworden, dennoch
bleiben fächerverbindende Projektarbeit und Einsatz neuer
Kommunikationstechniken die Ausnahme. Zum anderen erscheint das DFJW/OFAJ in erster Linie als
Förderinstrument für Sprachunterricht, Themenseminare, Sportveranstaltungen,
kulturelle und künstlerische Treffen; soziales Engagement und Berufsbildung
werden bisweilen übersehen. Dennoch ist »die Sprache des Nachbarn« weitgehend
unbekannt. Längst müssen die beiden Sprachen im Land des Partners versuchen, ihren
Platz als zweite Fremdsprache zu halten. Französisch ist immerhin noch
Arbeitssprache der UNO und EU, ins Deutsche wird nicht mehr bei allen
EU-Treffen übersetzt. An französischen Collèges wird Deutsch gerade noch von
9,4 % als erste Fremdsprache gewählt; 89,7 % entscheiden sich für Englisch. Der
früh beginnende Fremdsprachenunterricht verstärkt diesen Trend. Jack Lang meint
zwar: »Wäre ich ein Diktator, würde ich Englisch in der Grundschule verbieten«,
aber er ist nur Erziehungsminister. (3) Diese beiden kritischen
Anmerkungen dürfen nicht dazu verleiten, die positiven Aspekte zu übersehen,
auch dies aus dem Blickwinkel der baden-württembergischen Partnerregion
Rhône-Alpes und ihrer Hauptstadt Lyon betrachtet (vgl. in dieser Reihe D &
E, Heft 46/2003). Das DFJW/ OFAJ fördert im Bereich der Académie jährlich 90
traditionelle Austauschmaßnahmen, fünf
Begegnungen, die zur Wahl von Deutsch als erster Fremdsprache motivieren
sollen, 20 Austauschprogramme im Rahmen von Schulpartnerschaften, zusätzlich
Praktika in Betrieben.
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Anne-Marie Jonchier vom Service des Projets
Educatifs, Culturels et Internationaux der Académie
de Lyon in Baden-Württembergs Partnerregion
Rhône-Alpes, nun stellvertretende Direktorin
des Institut Français de Stuttgart, sieht
es so:
»Baden-Württemberg ist unser wichtigster
Partner, insgesamt ist die Bilanz positiv. Wir
bedauern jedoch, dass die traditionellen Austauschmaßnahmen
zu wenig Inhalt haben. Der Sprachaustausch beschränkt
sich zu oft auf einen Besuch mit touristischem
Programm, ohne dass die Schüler etwas gemeinsam
erarbeiten. Es ist sehr schwer, da etwas zu
ändern, weil sich eine gewisse Tradition
herausgebildet hat, weil es das starre Schulsystem
erschwert, Schüler vom im Stundenplan vorgesehenen
Unterricht zu befreien, und auch wegen der Belastung
der Lehrer. Austausch ist meistens zusätzliche
Arbeit. Das OFAJ sieht die Probleme, aber auch
die Schwierigkeit etwas zu ändern. Es fürchtet,
die Lehrer zu verunsichern, und dass die Zahl
der Austauschmaßnahmen abnimmt.«
(März 2001)
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Im Jahr 2000 fuhren aus der
Académie Lyon 202 Schüler an Grundschulen, 4156 an Collèges, 1482 an Lycées und
222 an Berufsschulen zum Austausch nach Deutschland, mehr als in jedes andere
Land. Baden-Württemberg ist für
Rhône-Alpes bevorzugter Partner, ebenso bei Klassenreisen ohne Austausch;
etwa die Hälfte der Reisen nach Deutschland hat als Ziel den Südweststaat, an
der Spitze liegt Freiburg vor Tübingen, Calw, Stuttgart und Karlsruhe.
Gerade wer die Zukunft eher in
europäischen Bildungsprojekten mit drei oder mehr Partnern sieht, kann erfreut
beobachten, dass die zahlreichen und intensiven deutsch-französischen Kontakte
dazu führten, dass Deutsche und Franzosen zum Motor vieler Bildungsprojekte
werden.
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Jugendliche aus Baden-Württemberg und
Polen bei der Suche nach Spuren der multikulturellen
Vergangenheit in Lód´z im September
2000
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