Zeitschrift

Europa in Baden-Württemberg

50 Jahre - ein Panorama

50 Jahre Partnerschaften
von Gemeinden und Schulen

Von Wolfgang Bohusch


  Europa in Baden-Württemberg
Inhaltsverzeichnis

 
 

  

90er Jahre: MOE-Staaten als Partner und: neue Informations- und Kommunikationstechnologien 

»Wir haben verdammt viele Vorurteile abgebaut«, meinten die Musiker der Schulband der Jörg-Ratgeb-Schule nach ihrem Auftritt beim Kulturdialog Lodz-Stuttgart in Polen. Viel beachtet in polnischen Medien wurde, dass Schüler derselben Schule bei der Restaurierung des jüdischen Friedhofs halfen; die polnischen Gäste verschönerten beim Gegenbesuch das städtische Lapidarium. Finanzielle Hilfe leisten die Stadt, das deutsch-polnische Jugendwerk und die Robert Bosch Stiftung.

»Europa in Baden-Württemberg« gewinnt in den 90er Jahren zwei neue Dimensionen. Das Ende des sowjetischen Blocks erleichtert Partnerschaften in mittel- und osteuropäischen Ländern (MOE-Staaten) und die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien halten Einzug in baden-württembergische Schulen.
Besonders die erfahrenen Städte knüpfen neue Kontakte. Stuttgart lädt schon vor der Wende Schüler, Studenten und Künstler aus Lód´z ein, Karlsruhe liefert gebrauchte Trams nach Temeschwar (Rumänien), Biberachs Orchester spielt in Telawi (Georgien). Die neuen politischen Verhältnisse wirken auch in die Schulen hinein.

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Auch außerunterrichtliche Veranstaltungen finden heute als transnationale Unternehmung statt.

»Ich bin begeistert von Freiburg, es störte uns nicht einmal, dass wir (montags) bei strömenden Regen eine Stunde einen Pub gesucht haben. Mir gefielen die nette Atmosphäre in der Familie und die Herzlichkeit. Ich habe sehr viele Freundschaften geschlossen und Erfahrungen gesammelt. In den Sommerferien treffe ich mich privat mit meiner Freundin, die ich während des Austausches kennen gelernt habe.«

Eine polnische Schülerin (2000)

Partner aus MOE-Staaten dürfen sich an europäischen Bildungsprojekten beteiligen, das DFJW/OFAJ fördert Begegnungen mit Jugendlichen aus Polen und Tschechien als drittem Partner; das am 17.6.1991 gegründete deutsch-polnische Jugendwerk leistet wertvolle Hilfe, zudem sprechen die MOE-Partner meist sehr gut Deutsch. Kein Wunder, dass sich die Zahl der deutsch-polnischen Schulpartnerschaften in den 90er Jahren auf über 400 vervierfacht und Jugendbegegnungen zum Alltag werden. In Stuttgarts Partnerstadt Lód´z waren es im Schuljahr 2000/2001 allein zwölf mit Baden-Württemberg (Seminarkurse, Theater-AG, Referendarkurse, Studienfahrten, Comenius-Projekte, politische Bildung, Literatur).
Die neuen Partner bereichern die traditionellen Kontakte. So nennt die Académie Lyon als ein Vorzeigeprojekt die Theaterarbeit mit der Akademie Calw und Polen, durch die es gelang, bisher sechs transnationale Theaterbegegnungen mit 252 Jugendlichen und zwei Projekte Comenius 1 auf die Beine zu stellen; ein Projekt Comenius 2.1 wird vorbereitet, auch Finnen und Italiener wollen mitmachen.

Beim Einsatz der neuen Kommunikationstechnologien geht Baden-Württemberg voran. Das Kultusministerium hat mit Unterstützung der Landesbildstelle das Modell »Schulen auf Draht« initiiert, das je vier Schulen in Baden-Württemberg, Rhône-Alpes, Katalonien und der Lombardei über eine Mailbox vernetzt. Ziel ist es, gemeinsam eine mehrsprachige Zeitung zu erstellen. Die technischen Schwierigkeiten sind anfangs enorm, aber die Begeisterung der Schüler ist noch größer, und die gemeinsame Zeitung erscheint.

Erst gedruckte, später elektronische, transnational erstellte Zeitschriften werden zu einem Rückgrat vieler europäischer Projekte. In der Folgezeit avanciert das Internet zur wichtigsten Informationsquelle und E-Mail zum häufigsten Kommunikationsweg bei der europäischen Zusammenarbeit. In der Praxis wird der Spaß, den die elektronische Kommunikation macht, nur durch die Freude bei echten Begegnungen überboten.

Wieviel Europa gibt es in den Schulen?

Vor 50 Jahren waren europäische Kontakte von Schulen eine Ausnahme. Heute berichtet der Schulleiter eines Gymnasiums in einer württembergischen Kleinstadt:

»Wir haben neben den Schüleraustauschmaßnahmen mit England, Spanien, Frankreich, USA, Australien, Mexiko und den Kontakten über unser Comenius-Projekt mit Polen und Spanien hinaus weitere internationale Kontakte. So wurde zwei Mal ein Projekt mit deutschen und spanischen Schülern durchgeführt zu den Themen >Faschismus< und >Moderne Technologien in den Naturwissenschaften und deren ethisch-moralische Aspekte >Debating<

Bei schulischen Festen (z.B. Spanischer Abend) werden immer wieder ausländische Gäste einbezogen und die hier am Ort lebenden spanischen Mitbürger eingeladen. So treten Folklore-Gruppen und Musiker auf, zwei Mal wurde ein Konzert und Essen mit Musikern aus dem Baskenland durchgeführt.« (5)
In den Schulen gibt es »Europa in Baden-Württemberg«.

Anmerkungen

  1. heute: Conseil des communes et régions d'Europe, 30, rue Alsace-Lorraine, F 45 000 Orléans
  2. www.ofaj.org - www.dfjw.org
  3. Zahlen und Zitate aus: Le Monde, 21.2.2001 und L'Express, 15.2.2001
  4. www.bosch-stiftung.de
  5. Udo Bochinger, Werner-Heisenberg-Gymnasium in Göppingen

 

 

 


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