Europa in Baden-Württemberg 50 Jahre - ein Panorama
1. Suzana Lipovac |
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Mein Vater-Land liegt im Balkan, im ehemaligen Jugoslawien. Dies liegt daran, dass es das Geburtsland meines Vaters ist und er dort lange Zeit eine Heimat hatte. Mein Vaterland sollte mir eigentlich meine ethnische und nationale Herkunft attestieren. Dies gestaltete sich jedoch im Laufe der letzten 10 Jahre als äußerst schwierig, da sich mein Vaterland wie eine bösartige Krebszelle permanent teilte, Krieg und Zerstörung vermehrte und während dieses Prozesses meine Staatszugehörigkeit von Jugoslawin auf Bosnierin, von Bosnierin auf Kroatin, von Kroatin auf Bürgerin der serbischen Republik wechselte. Da das deutsche Innenministerium nicht festlegen konnte, welchem Staat ich nunmehr angehöre und welcher Staat mich entlassen könnte (was die Vorbedingung zum Erhalt der deutschen Staatsangehörigkeit ist), wurde ich kurzfristig staatenlos. Staatenlos zu sein, selbst für eine kurze Zeit, bedeutet seine Freiheit zu verlieren: man kann an keinem politischen Prozess teilnehmen und wählen, man kann nicht reisen und sich problemlos legitimieren. Als ich mich 1992 an der Universität Stuttgart immatrikulierte, stand in meinem Studienbuch unter Staatsangehörigkeit: »ungeklärt«. Mein Zukunfts-Land ist Europa. Es besteht aus Staaten, die sich ehemals bekriegten und deren Geschichte, Kulturen und Sprachen nicht unterschiedlicher sein könnten. Es hat mehr Grund und mehr Chancen als jedes andere Land der Welt, um aus seiner Vergangenheit zu lernen und daraus eine bessere Zukunft für seine Bürger und die Menschheit zu gestalten. Europa steht für ein demokratisches, tolerantes und freiheitliches Leben aller gleichgesinnten Kulturen. Wie (über-) lebenswichtig eine starke und solidarische Gemeinschaft ist, erkennt man dann, wenn diese Ideale durch Krieg, Terrorismus und Fundamentalismus angegriffen werden und das Leben jedes einzelnen Menschen gefährdet ist. Der größte Feind Europas sitzt jedoch in den eigenen Reihen, dort wo multikulturelles Leben als Bedrohung und gemeinsames Handeln als Schwäche und Unterwerfung angesehen wird |
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