Zeitschrift

Europa in Baden-Württemberg

50 Jahre - ein Panorama

Sport verbindet

Von Lothar Bösing


  Europa in Baden-Württemberg
Inhaltsverzeichnis

 

  

 
Vier Motoren für Europa

Ein wegweisendes Kooperationsprojekt mit dieser Zielsetzung beschlossen die politischen Spitzen von Baden-Württemberg, Rhône-Alpes, Katalonien und der Lombardei am 9. September 1988. Mit der Gründung einer Arbeitsgemeinschaft sollten die bereits bestehenden bilateralen Partnerschaften zwischen diesen Regionen zukunftsorientiert intensiviert und zu einem immer engeren Verbund vertieft werden. Die Vorreiterrolle, welche die vier Regionen mit dieser Kooperation übernahmen, brachten sie auch mit der Bezeichnung »Vier Motoren für Europa« zum Ausdruck. Die Gründer machten deutlich, dass sie unterhalb der nationalstaatlichen Ebene einen nachhaltigen, eigenständigen Beitrag zur europäischen Integration leisten wollen.

Baden-Württemberg beschränkt sich in dieser politischen Haltung nicht auf die Zusammenarbeit mit den genannten Regionen. Auch die partnerschaftlichen Kontakte mit Wales, Flandern in Belgien, dem Elsass, den Nachbarn im Bodenseeraum, den Alpen- sowie zu den Donauländern und osteuropäischen Regionen ergänzen das Netzwerk regionaler Beziehungen in Europa. Auf die Aktivitäten von Baden-Württemberg auf dem Gebiet des Sports in der Arbeitsgemeinschaft der Alpenländer wird später noch näher eingegangen.

Ziele des Zusammenschlusses der »Vier Motoren« waren und sind

  • die gemeinsame Formulierung politischer Ziele und deren Durchsetzung sowohl bei den nationalen Regierungen als auch bei den zentralen Behörden europäischer Ebene
  • die gegenseitige Unterstützung bei der wirtschaftlichen Entwicklung
  • die gemeinsame Weiterentwicklung in der Wissenschaft und Forschung sowie
  • die Förderung des kulturellen und damit auch sportlichen Austausches zwischen den Menschen dieser Regionen

Auf dem Gebiet des Sports finden im Rahmen der »Vier Motoren für Europa« regelmäßige Begegnungen insbesondere von Jugendlichen statt. Nicht selten entwickeln sich aus diesen ersten Kontakten auch Freundschaften. Über die sportliche Begegnung hinaus werden bei gemeinsamen Ausflügen, Diskussionsrunden und Festen Eindrücke und Erfahrungen über die jeweils andere Kultur ausgetauscht. Beim Besuch von kulturellen Sehenswürdigkeiten erfahren die Jugendlichen auch etwas über die Geschichte des jeweiligen Gastgeberlandes und seine Bewohner.

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Gemeinsame Kunstturnveranstaltung im Rahmen der »Vier Motoren für Europa«

Im Jahr 2000 standen Jugendvergleichswettkämpfe in den Sportarten Tischtennis, Leichtathletik, Kunstturnen, Rhythmische Sportgymnastik, Ski, Kanu und Golf auf dem Veranstaltungskalender der »Vier Motoren«. Darüber hinaus fanden mehrere gemeinsame Trainingsmaßnahmen im Leistungssport statt. Wesentlicher Bestandteil aller Projekte ist ein in den Richtlinien für die Ausrichtung und Durchführung verbindlich vorgeschriebener kultureller Programmteil.
Eindrucksvoll ist zu beobachten, wie die Athleten das gelegentlich auftretende Sprachproblem bewältigen. Gestik und Mimik ermöglichen die erste Kontaktaufnahme. Den zahlreichen Teilnehmern mit Fremdsprachenkenntnissen bleibt es dann vorbehalten, maßgeblich zur Intensivierung dieser Kontakte beizutragen. »Eine tolle Verbindung von sportlichem Wettkampf und kulturellen Eindrücken«, »eine hervorragende Atmosphäre zwischen den Sportlerinnen und Sportlern, die ihre Region vertreten« - so zwei beispielhafte Kommentare zu den Begegnungen, die im Rahmen des Sportprogrammes der »Vier Motoren für Europa« in jenem Jahr zu hören waren.

Erfreulich ist die Offenheit, mit der sich die Jugendlichen bei diesen Treffen begegnen. Der Austausch über aktuelle regionale wie überregionale Probleme und die Ansätze zu deren Lösung unterstreicht die Bedeutung dieser Treffen für das gegenseitige Verständnis der Menschen in einem immer weiter zusammenwachsenden Europa.

Neben solchen Sportbegegnungen veranstalten die Mitgliedsregionen regelmäßig Kongresse, Fachtagungen, Austauschprogramme, Ausstellungen und andere Projekte mit Sportbezug.
Im Rahmen der Kongresse und Tagungen findet nicht nur ein wissenschaftlicher und fachspezifischer Informationsaustausch statt. Auch das Programm dieser Veranstaltungen enthält immer Angebote und Gelegenheiten die Kenntnisse über andere Regionen zu vertiefen, sei es im Rahmen von organisierten Besichtigungen und Gesprächsrunden oder bei Aktivitäten, die durch die Teilnehmer selbst initiiert werden.

ARGE ALP

Einen weiteren Mosaikstein im Netzwerk der regionalen Verbindungen bildet die Mitgliedschaft Baden-Württembergs in der Arbeitsgemeinschaft der Alpenländer (ARGE ALP). Die ARGE ALP ist ein Verbund von elf Regionen (siehe Abb.), dem Baden-Württemberg 1992 beitrat. In der ARGE ALP gibt es Arbeitsgruppen zu mehreren Themen, wie Tourismus, Verkehr, Wirtschaft und auch Sport. Von den zuständigen Behörden wird in enger Zusammenarbeit mit den Sportorganisationen jährlich ein umfangreiches Programm vereinbart. So fanden im Jahr 2000 insgesamt 25 Veranstaltungen statt: Sportturniere und Tagungen zu sportspezifischen Fragestellungen.

Sowohl die Aktivitäten im Rahmen der »Vier Motoren« als auch die der ARGE ALP können vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport bezuschusst werden, sobald sie in das offizielle Austauschprogramm aufgenommen sind. Anfragen sind an das Ministerium zu richten.

Doch nicht nur im Rahmen der Kooperationen »Vier Motoren für Europa« und der ARGE ALP wird deutlich, dass Baden-Württemberg auf ein enges Netzwerk europäischer Regionen hinwirkt.

 

Weitere Aktivitäten

Ein interessantes Beispiel grenzüberschreitender Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Sports bildet auch die Multiplikatorenschulung zum Thema »Sport und Umwelt«. Lehrer aus dem Elsaß und aus Baden-Württemberg wurden und werden in gemeinsamen Lehrgängen in deutscher und französischer Sprache zu Multiplikatoren für dieses Thema fortgebildet. In ihren Regionen führen sie nun ebenfalls Schulungen zu diesem Thema mit Teilnehmern aus beiden Regionen durch. Die überaus positiven Erfahrungen mit diesem Projekt führten dazu, dass über eine Ausweitung auf die grenznahen Gebiete der Schweiz und Österreichs nachgedacht wird.

Die Sensibilisierung der Teilnehmer für den Umgang von Sportlern mit der Natur in den anderen Regionen war ein eindrucksvolles Beispiel, wie wir uns durch solche Kontakte aufeinander zu bewegen können. Das gemeinsame Erarbeiten von Lösungsmöglichkeiten über Grenzen hinweg zeigt, dass nicht nur einheitliche Regelungen durch die nationalen Regierungen oder durch die Europäische Kommission in Brüssel zu einem vereinten Europa führen können.

Auch bei Schulsportbegegnungen knüpfen Jugendliche und deren Betreuer Kontakte. So findet unter dem Dach der internationalen Schulsportföderation in unterschiedlichen Regionen jedes Jahr ein internationales Schulsportfest statt. Ausrichtung und Programm vereinbaren die zuständigen Behörden der Mitgliedsregionen. In den vergangenen Jahren wurden Wettkampfbegegnungen in zahlreichen Sportarten wie Leichtathletik, Schwimmen, Geräteturnen, Basketball, Fußball und Handball ausgetragen. Nicht selten entwickeln sich aus diesen ersten Begegnungen über persönliche Verbindungen hinaus zum Beispiel auch Schulpartnerschaften.

»Sport verbindet«, so lautet das eingangs erwähnte Motto der DOG. Diese verbindende Funktion des Sports wird nicht zuletzt durch die geplante Einrichtung eines Beauftragten für Sport bei den Vereinten Nationen (UN) deutlich. Dieser soll die Möglichkeiten des Sports zu einer besseren Völkerverständigung nutzen.

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Multiplikatorenschulung zum Thema »Sport und Umwelt«.
Deutsch-französische Lehrerfortbildung 

 

 


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