Zeitschrift

Europa in Baden-Württemberg

50 Jahre - ein Panorama

Wirtschaft

»Offene Grenzen, moderne Welt, historische Landschaft«

Von Martin Kramer


  Europa in Baden-Württemberg
Inhaltsverzeichnis

 

  

 

 

Artur Fischer (geb. 1919)
1948 Firmengründung Magnesiumblitzgeräte
1958 8  S-Dübel aus Nylon
1965 8  Fischertechnik (Konstruktionsbaukasten)
1970 8  Oscar du Jouet in Frankreich
1976 8  Ehrendoktor für Engagement
im Bereich Bildung und Erziehung

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Stuttgart (Isw).
Das Jahr 2000 war für die Südwestwirtschaft...
ein Glanzjahr.

Der damalige Präsident des
Statistischen Landesamtes,
Eberhard Leibing, Schwarzwälder Bote, 16. Februar 2001

Konjunktur im Südwesten.
Rückgang auf breiter Front
Michael Heller. Wirtschaftsredakteur,
in der Stuttgarter Zeitung,
13. November 2001

Euro und die Wirtschaft.
Unser Wohlstand hängt
vom Export ab

A. Richter, Hauptgeschäftsführer der IHK Stuttgart, in der Suttgarter Zeitung, 5. Oktober 2001

 

Viele Ausländer unter den Existenzgründern
Schwarzwälder Bote,
8. Dezember 2000

Gleich wie sich die zukünftige wirtschaftliche Lage nach den Terroranschlägen in den USA, unter anderem auf das New Yorker World Trade Center am 11. September 2001, und angesichts der allgemeinen konjunkturellen Abschwächung Ende des Jahres 2001 entwickeln wird: Baden-Württemberg ist weltweit eine der führenden Exportregionen. Es wird jedoch leicht vergessen, dass es unter den im Südwesten ansässigen Firmen mehr als dreißigtausend ausländische Unternehmen mit etwa 500000 Beschäftigten gibt.

Rückblende

Vor 200 Jahren noch waren Baden und Württemberg klein und bettelarm. Der Anstoß zur langen Erfolgsgeschichte ging vom französischen Nachbarn aus: Napoleon schuf im Verein mit weitblickenden badischen und württembergischen Reformpolitikern das Königreich Württemberg und das Großherzogtum Baden. Württemberg verdoppelte, Baden vervierfachte 1806 sein Staatsgebiet. Beide Mittelstaaten wurden ohne Rücksicht auf feudale und kommunale Privilegien in zentralistische Einheitsstaaten umgewandelt. Auch wenn es noch Jahre dauern sollte, bis zusammenwuchs, was eigentlich gar nicht zusammenwachsen wollte, waren damit einheitliche Wirtschaftsräume geschaffen worden.

Trotz jahrzehntelanger obrigkeitlicher Förderung gelang der Take off zum Industriestaat aber erst durch die Öffnung nach außen. Auf der ersten Weltausstellung in London (1851) waren badische und württembergische Firmen vertreten und legten damit den Grundstein für die südwestdeutsche Exportwirtschaft, die bis heute die Wirtschaftskraft Baden-Württembergs ausmacht.

Natürlich war Badens Nähe zu den europäischen Nachbarn immer unmittelbarer. Früh schon investierten Schweizer und Elsässer Unternehmerfamilien in die Textilindustrie im Wiesental am Oberrhein und im Markgräflerland. Dafür sorgte schwäbischer Erfindergeist seit der Jahrhundertwende für europaweite Mobilität: Autos bauten auch die anderen, aber keines fuhr ohne Zünder aus Stuttgart.

»Baden-Württemberg«

Die Besetzung des Südwestens am Ende des Zweiten Weltkrieges zerschlug die in anderthalb Jahrhunderten gewachsenen Strukturen Württembergs und Badens. (Vgl. S. 14-19) Frankreich war die einzige Besatzungsmacht, deren Zone eine unmittelbare territoriale Erweiterung des eigenen Staatsgebietes darstellte. Dementsprechend frankreichbezogen war die Besatzungspolitik. Vor allem Baden war hart betroffen von der französischen Demontagepolitik und der Rekrutierung von Zwangsarbeitern. 1949 floss die Hälfte des Steueraufkommens in die Besatzungskosten, nach der Devise, sie dort zu holen, wo sie anfallen - das französische Oberkommando residierte in Baden-Baden.

»Baden-Württembergs unwiderstehliche Anziehungskraft liegt darin, dass es die offenen Grenzen der modernen Welt mit der geprägten Gestalt einer historischen Landschaft verbindet. Gibt es das überhaupt noch einmal in der Welt?«

Ralf Dahrendorf zum 25-jährigen Jubiläum Baden-Württembergs 1977

Dieser schwere Aderlass für Industrie und Gewerbe wirkte in den ohnehin strukturschwachen und stark agrarisch geprägten südlichen Landesteilen des späteren Baden-Württemberg noch lange nach. Die industriellen und gewerblichen Ballungszentren lagen im Norden, im von den Amerikanern geschaffenen Land Württemberg-Baden: der mittlere Neckarraum und das Gebiet um Heidelberg und Mannheim.

Der Anstoß zum Zusammenschluss ging von den Westalliierten aus. Aus ökonomischen Gründen hatten Engländer und Amerikaner ihre Zonen verbunden. Die Absicht, der wirtschaftlichen Stabilisierung die politische folgen zu lassen, erzwang geradezu die territoriale Neuordnung des Südwestens. Der begrüßte und bekämpfte Südweststaat stand 1952 vor einem ähnlichen Problem wie 150 Jahre zuvor: Wieder musste zusammenwachsen, was eigentlich nicht zusammenwachsen wollte. Erst 1971 in der Volksabstimmung in Südbaden wurden die letzten Vorbehalte ausgeräumt, aber da war das Land Baden-Württemberg schon längst eine wirtschaftliche und politische Erfolgsgeschichte.

Land der Gegensätze

Bis heute kontrastieren in Baden-Württemberg industrielle Ballungsräume mit ländlichen Gebieten, die je nach Perspektive als strukturschwach oder idyllisch bezeichnet werden. Zu den Ballungsräumen zählen der mittlere Neckarraum Stuttgart/Heilbronn, das Rhein-Neckar-Dreieck Heidelberg/Mannheim, Karlsruhe und Freiburg. Hier wohnen zwei Fünftel der Bevölkerung und arbeitet rund die Hälfte der Beschäftigten. Im Vergleich dazu ist die Zahl der Arbeitsplätze in den ländlichen Gebieten gering. Dort dominieren Landwirtschaft, Handwerk und wenige mittelständische Betriebe. Aber auch dort gibt es industrie- und gewerbestarke Mittel- und Unterzentren, neben dünn besiedelten Gebieten wie dem Odenwald, der Hohenlohe, der Schwäbischen Alb und dem Südschwarzwald.

Strukturwandel

Viele Ausländer
unter den Existenzgründern

Stuttgart (Isw).
Ausländische Unternehmen und Selbstständige bieten in Baden-Württemberg knapp 500 000 Menschen Arbeit. Jeder zehnte Arbeitnehmer im Land sei bei einem ausländischen Arbeitgeber beschäftigt, sagte Wirtschaftsminister Walter Döring. Der Jahresumsatz dieser Betriebe liegt bei fast 200 Mrd. DM (102,2 Mrd. Euro). Im Südwesten gibt es 36 000 ausländische Selbstständige, berichtete Döring unter Berufung auf ein Gutachten des Instituts für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim. Dabei ist die Zahl der ausländischen Existenzgründer in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent gewachsen. Die Zahl der deutschen Selbstständigen erhöhte sich in diesem Zeitraum nur um 15 Prozent auf insgesamt 440 000. Die ausländischen Selbstständigen kommen vor allem aus Italien (25 Prozent) und der Türkei (15). Sie schufen 127 000 Arbeitsplätze und kommen auf einen geschätzten Jahresumsatz von acht Mrd. DM (4,1 Mrd. Euro). Die 2800 ausländischen Unternehmen - zumeist Tochtergesellschaften großer internationaler Konzerne - geben 340 000 Menschen Arbeit und setzen 190 Mrd. DM (97,2 Mrd. Euro) um.

Schwarzwälder Bote, 8. Dezember 2000

In den ersten 25 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg machte das Land einen grundlegenden Strukturwandel durch. Die Textilindustrie wurde von der Metall ver­arbeitenden Industrie vom ersten Platz verdrängt. Zu Wachstumsbranchen entwickelten sich Chemie-, Papier-, Druck- und Nahrungsmittelindustrie. Wobei das typische Merkmal der südwestdeutschen Unternehmenskultur, ihr mittelständischer Charakter, weitgehend erhalten blieb.
In den 50er und 60er Jahren war der Raum Balingen-Albstadt geprägt von einer expandierenden Textilindustrie. »Garagen- und Scheuern-Fabrikanten« versorgten die Republik mit Kleidung. Die Bezeichnung hob darauf ab, dass sich viele Firmen aus kleinsten Anfängen entwickelten, buchstäblich aus der Strickmaschine in der Garage. Geblieben ist beispielsweise Trigema als mittelständisches Familienunternehmen und ein Maschenmuseum in Albstadt-Tailfingen, in dem man nicht nur die ausgestellten Maschinen zum Laufen bringen, sondern auch einen Streifzug durch die Mode der 50er und 60er Jahre unternehmen kann.

Unter den 50 größten internationalen Industriekonzernen mit Sitz in Baden-Württemberg sind Tochterfirmen ausländischer Konzerne

IBM Deutschland

Hewlett-Packard

ABB

Debitel

Roche Deutschland

Alcatel SEL

John Deere

Iveco Magirus

Boss

Berlin/Stuttgart

Böblingen

Mannheim

Stuttgart

Grenzach Wyhlen

Stuttgart

Mannheim

Ulm

Metzingen

Beschleunigt wurde dieser Strukturwandel durch die staatliche Wirtschaftsförderung, welche die Industrieansiedlung in ländlichen Gebieten konsequent unterstützte. Nur so konnten vor allem in Klein- und Mittelstädten die zahlreichen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge integriert werden. (Vgl. S. 11-13) Der wirtschaftliche Aufschwung erfolgte allerdings so rasch, dass bereits in der ersten Hälfte der 50er Jahre rund eine Viertelmillion Abwanderer aus Bayern in den mittleren Neckarraum strömten. Mit Beginn der 60er Jahre folgten dann die ersten »Gastarbeiter«.
Die Studie des Club of Rome »Die Grenzen des Wachstums« bewirkte ein Atemholen, ein Umdenken: Wachstum wurde nicht mehr nur positiv gesehen. Dennoch entwickelte sich in den 80er Jahren eine neue Dynamik: Der Export boomte, Gewerbe und Industrie öffneten sich nach Europa und internationale Firmen und Konzerne fassten im »Ländle« Fuß.

 

50 Jahre Baden-Württemberg: drei Beispiele

In der »Berliner Republik« ist Baden-Württemberg zwar an die Peripherie gerutscht, aber europäisch gesehen liegt es mehr denn je im Zentrum. (Vgl. S. 40-43) Das ging nicht ohne Blessuren ab und auch heute freut sich nicht jeder darüber. Auf jeder Autobahnfahrt ist es unübersehbar: Europas LKW-Verkehr drängelt sich im Südwesten. Diskussionen um eine LKW-Maut werden nicht verstummen, aber rückgängig machen lässt sich diese Entwicklung wohl kaum. Manch' alteingesessener Betrieb und mancher über die Jahre vertraut gewordene Markenname sind längst verschwunden, einige Firmennamen fusionierten. Wer erinnert sich noch an die Saba-Rundfunkgeräte aus Villingen-Schwenningen, die LKW der Magirus-Werke in Ulm, die Fahrräder und Motorräder aus Neckarsulm (NSU), um nur wenige Namen zu nennen. Übernahmen einheimischer Firmen durch internationale Konzerne waren oft mit Werksschließungen und Arbeitsplatzverlust verbunden, konnten aber auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen beitragen.

Rhein-Neckar-Dreieck

Heideldruck rotiert weltweit mit großem Erfolg

Den zweiten Weltkrieg überstand Heideldruck fast unbeschadet. Deshalb ging bereits 1957 in Wiesloch bei Heidelberg die größte Druckmaschinenfabrik der Welt in Betrieb, zwei Jahre später wurde die 100000ste Maschine ausgeliefert.
Und dann begann wieder einmal eine neue Ära. 1962 startete der Bau von Offset-Druckmaschinen. Da immer mehr Kunden farbig drucken wollten, wurde in Amstetten bei Geislingen ein neues, vollständig rechnergesteuertes Werk gebaut. 1988 stieß man schließlich in ein zusätzliches Geschäftsfeld vor, der amerikanische Rollenoffset-Spezialist Harris wurde erworben .Und dann stieß Heidelberg in eine noch größere Dimension vor, geführt von Hartmut Mehdorn, der das Unternehmen von 1995 bis 1999 leitete . Mehdorn machte es sich zur Aufgabe, das Unternehmen vom klassischen Druckmaschinenhersteller zum Lösungsanbieter von der Druckvorstufe bis zur Weiterverar­beitung von Druckerzeugnissen zu entwickeln und so den Kunden den Weg ins digitale Zeitalter zu erleichtern.
1996 erwarb Heidelberg deshalb den Druckvor­stufen-Spezialisten Linotype-Hell, das niederlän­dische Unternehmen Stork Contiweb - einen Hersteller von Rollenwechslern und Trocknern - sowie die britisch-amerikanische Firma Systems, die Buchbindereisysteme und Versandanlagen produziert. Heute laufen rund 400000 Druckmaschinen made in Deuschland.
VDI-Nachrichten, 10. März 2000

Das Rhein-Neckar-Dreieck, eines der drei Ballungszentren Baden-Württembergs, entwickelt sich gegenwärtig zu einem bedeutenden Standort für Biotechnologie. In Heidelberg ist Molekularbiologie und Medizin allgegenwärtig. Neben der Universität auch in einer supranationalen Großforschungseinrichtung wie dem 1974 gegründeten Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL). Dort entwickeln rund 1000 Wissenschaftler und Techniker neue Instrumente für die biologische Forschung, oft wird der Schritt zur Gründung eines eigenen Unternehmens gewagt. Seit 1996 wurden 15 neue Biotech-Firmen gegründet.
Ungeachtet aller Börsenturbulenzen liefert SAP in Walldorf europa- und weltweit die Software für virtuelle Marktplätze. Aber nicht nur die aus den Börsennachrichten bekannte IT-Firma ist in diesem industriellen Ballungszentrum ansässig. Firmen, deren Namen nur Fachleute kennen, produzieren seit Jahren in diesem äußersten Zipfel Nordbadens Dinge, die unseren Alltag begleiten und prägen: Die in Familienbesitz befindliche DFG-Stoess-Gruppe im badischen Eberbach stellt den Rohstoff für Gummibärchen her, 45 000 Tonnen Gelatine jährlich, ein Fünftel der Weltproduktion. Mit 1000 Mitarbeitern produziert in Weinheim die weltweit führende Naturin GmbH & Co Wurstpellen aus Kollagen und Kunststoff. Ihrem schwäbischen Ursprung untreu geworden sind die Birkel-Nudeln. Sie werden inzwischen ganz in Mannheim zusammengerührt. Dort residieren auch die Hüter der deutschen Rechtschreibung und die Garanten für solides Lexikonwissen: Mannheim ist seit 1984 Sitz der Bifab, der Bibliographischen Institut & F. A. Brockhaus AG, welche die alten Konkurrenten Brockhaus, Meyers und Duden vereint.
Auf Initiative Lothar Späths wurde 1989 das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) an der Universität Mannheim gegründet. Juristen, Psychologen und Soziologen liefern Untersuchungen und statistische Daten zur Situation des Mittelstandes. Seit 1990 gibt es in der Kraichgaustadt Sinsheim zwei europaweit führende und international angesehene Leitmessen, vornehmlich für mittelständische Betriebe: die »Control«, Fachmesse für Qualitätssicherung, und die »Motek«, Fachmesse für Montage- und Handhabungstechnik. Ihr Einzugsbereich erstreckt sich auf die fünf südlichen Bundesländer, Besucher aus den benachbarten Industriezentren der Schweiz, Österreichs, Frankreichs und Norditaliens gehören zu den Stammgästen.

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Print Media Academy der Heidelberger Druckmaschinen AG

 

Milch und Zucker

Mit dem Ruf »Gut Mus feil!« macht zu Beginn des Grimmschen Märchens »Das tapfere Schneiderlein« eine Bauersfrau einem eifrig nähenden Schneiderlein den Mund wässrig. Pflaumenmus wurde in einem aufwendigen und langwierigen Verfahren hergestellt: 2 Stunden kochen, 24 Stunden rühren und 14 Tage kühl in Töpfen lagern, ganz ohne Zucker, denn Zucker war ein teuer importiertes Luxusgut. Erst die Zuckerrübe machte aus dem heißbegehrten weißen Stoff ein Massenprodukt, mit dem man nicht nur Kaffee und Schokolade süßte, sondern auf einfache Weise Marmelade herstellte.
Im Kraichgau, von Heilbronn bis Mannheim in den fruchtbaren Lößböden des Unterlandes, gedieh die unscheinbare Variante der Runkelrübe und mit ihr die verarbeitende Industrie. 1926 schlossen sich fünf Zuckerfabriken zur Süddeutschen Zucker AG zusammen, die in den 50er und 60er Jahren langsam aber stetig expandierte. Die Fusion der Süddeutschen Zucker AG mit der Zuckerfabrik Franken in Ochsenfurt 1988 schuf die Grundlage für die europaweite Expansion der Südzucker AG. Seit 1990 vor allem in Osteuropa engagiert, betreibt die Südzucker-Gruppe 19 Zuckerfabriken, unter anderem in Moldawien, Polen, Rumänien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn.

Nach einem Ausflug in die Speiseeis- und Tiefkühlbranche wurde 2001 ein Strategiewechsel vorgenommen: Konzentration auf das Kerngeschäft mit Zucker. Mit der Übernahme des zweitgrößten französischen Zuckerherstellers Saint Louis Sucre stieg der Marktanteil der Südzuckergruppe in der EU auf über 21 Prozent. Mehrheitsaktionär ist aber immer noch mit 52 Prozent die Süddeutsche Zuckerrüben-Verwertungsgenossenschaft, der rund 30000 Zuckerrübenanbauer angehören.

Europaweiter wirtschaftlicher Erfolg kann aber auch umgekehrt verlaufen, und dann verschwinden traditionsreiche baden-württembergische Unternehmen unter dem Dach eines ausländischen Konzerns, wie die Südmilch AG. 1972 aus der Verschmelzung der Stuttgarter und Heilbronner Milchversorger entstanden, wurde sie 1993 von der holländischen Campina Melkunie mehrheitlich übernommen. 1999 wurde der Verwaltungssitz der Tochtergesellschaft von Stuttgart nach Heilbronn verlegt, die Aktiengesellschaft in eine GmbH umgewandelt. Bekannte und beliebte Marken der Campina GmbH sind »Landliebe« und immer noch »Südmilch«.

Die Häfele-Story

img5.gifDie Produkte der Firma Häfele hat und nutzt jeder, aber kaum einer ist sich dessen bewusst: Möbelbeschläge in unendlichen Variationen. Die Firma mit dem bieder-schwäbischen Namen feierte 1998 ihr 75-jähriges Bestehen. Im Krisenjahr 1923 gegründet, wurde der Firmensitz 1928 nach Nagold verlegt, ins damalige Zentrum der württembergischen Möbelindustrie, von der heute wenig übriggeblieben ist. Liebhaber edler Polstermöbel kommen zwar auch heute noch bei Rolf Benz auf ihre Kosten, preiswerte Möbel werden in anderen Regionen Europas angefertigt. Das mittelständische Familienunternehmen aus der Provinz allerdings hat sich zur europa- und weltweit operierenden Unternehmensgruppe gemausert. 1964 wurde im schweizerischen Kreuzlingen die erste ausländische Niederlassung gegründet. Neun Jahre später erschien »Der Große Häfele«, ein Gesamtkatalog mit über 25 000 Artikeln, zum ersten Mal in den Weltsprachen Englisch, Französisch und Spanisch. 1980 entstand das Tochterunternehmen Häfele United Kingdom in Rugby und danach in rascher Folge weitere Tochterunternehmen und Verkaufsbüros in zahlreichen europäischen Ländern. Ende der 80er Jahre schließlich gelang der Sprung nach Asien (Singapur) und in die USA (Chicago).
Das Motto des Firmengründers Adolf Häfele »jedem das zu bieten, was er braucht, preiswert und gut«, hat mit dazu beigetragen, das Augenmaß zu wahren und die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Heute beschäftigt die Häfele GmbH & Co weltweit 2000 Mitarbeiter, davon allein in Nagold 600. Nagold ist Sitz der Hauptverwaltung und des Zentrallagers geblieben.

 

 


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