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Zeitschrift Migration
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Als die Franzosen wieder aus dem Land marschierten, zogen die Unsrigen über den Neckar, legten sich ins Zabergäu, darunter der Kurfürst von Sachsen in Person selber nach Brackenheim, und räumt er nicht allein auf, was die Franzosen übrig gelassen, sondern hausen, sonderlich an Früchten und Feldungen … bald übler als die Franzosen selber getan. Zit. n.: Ehmer, Hermann: Au champ d’Ilsfeld, in: Härle, Eugen (Hrsg.): Ilsfeld in Geschichte und Gegenwart. Stadt Ilsfeld 1989, S. 109
Da nun sehr viele Orte unseres Deutschlands in einem sehr gefährlichen Zustand verfallen, indem einerseits die französischen Waffen der Festung Landau sich bemächtigt und mithin die gesamten Landschaften jenseits des Rheins wieder in viele harte Troublen und Pressuren [Unruhen und Unterdrückung] gesetzt haben; andererseits die ausgedehnten bayerischen Vormärsche allen benachbarten Ländern zum Schrecken geraten – sind viele dadurch veranlasst worden, an besagte Landschaft Carolina zu denken und in Erwägung zu ziehen, ob es nicht ratsam sei, aus dem so viel und hart bedrängten Deutschland auszuwandern und sich dahin zu begeben. Zit. n.: Ehmer, Hermann: Die Auswanderung aus Südwestdeutschland nach Nordamerika, in: Haselier, Günther (Hrsg.): USA und Baden-Württemberg in ihren geschichtlichen Beziehungen. Landesarchivdirektion Stuttgart 1976, S. 42
M3 Aus einer Auswandererwerbeschrift von 1751 Weil Neu-Schottland in einer so gesegneten und fruchtbaren Gegend liegt und die Regierung so vortrefflich eingerichtet ist, dass ein jeder, wenn er nur will, in seinem Stand ruhig, vergnügt und glückselig leben kann, […] so darf man sich nicht wundern, dass alljährlich so viele Personen Deutschland verlassen und sich in großer Menge in dieses gesegnete und glückselige Land begeben. Zit. n.: Lehmann, Heinz: Zur Geschichte des Deutschtums in Kanada. Band 1: Das Deutschtum in Ostkanada. Schriften des Deutschen Auslands-Instituts, A Kulturhistorische Reihe, Band 31, Stuttgart 1931, S. 23 f.
M4 Das Geschäft mit der Auswandererwerbung Jacob Friedrich Heerbrand, in Heilbronn niedergelassener Werbeagent, schreibt in einem Brief an seinen Vetter in Balingen am 27. 9. 1751: »Hierbei folgen wieder 30 Exemplare neuschottischen Drucks, von welchem durch dero Fleiß einen guten Effekt wünsche. Es wäre gut, wenn ein paar tausend Frachten [Auswanderer] vor [für] Schottland und Neu-England könnten zusammengebracht werden.« Hauptstaatsarchiv Stuttgart, A 211 Bü 673
M5 Auswandererschiff vor den Kreidefelsen der Isle of Wight
Diese Reise währte von Anfang des Maien bis Ende des Oktobris, also ein ganzes halbes Jahr, unter solchen Beschwerlichkeiten, die niemand im Stande ist, genugsam mit ihrem Elend zu beschreiben. Die Ursache ist, weil die Rheinschiffe von Heilbronn aus bis nach Holland an 36 Zollstationen vorbei zu passieren haben, bei welchen die Schiffe alle visitiert werden. Unterdessen werden die Schiffe mit den Leuten lange Zeit aufgehalten, dass man vieles verzehren muss, und bringt man demnach nur mit der Rheinfahrt vier, fünf, bis sechs Wochen zu. Wenn alsdann die Schiffe mit den Menschen nach Holland gekommen sind, so werden sie daselbst gleichfalls fünf bis sechs Wochen aufgehalten. Weil es allda sehr teuer ist, so müssen die armen Leute in dieser Zeit schier alles verzehren. […] Es werden die Menschen teils in Rotterdam, teils in Amsterdam in die großen Seeschiffe sehr nahe, bald sozusagen wie die Heringe zusammen geladen. Da wird einer Person kaum zwei Fuß breit und sechs Fuß lang Platz in der Bettstatt gelassen, weil ein manches Schiff vier, fünf bis 600 Seelen fährt, ohne der unzählig viel Gerätschaften, Kisten, Proviant, Wasserfässer und anderes, welches auch viel Platz einnimmt. […] Während der Seefahrt aber entsteht in den Schiffen ein jammervolles Elend, Gestank, Dampf, Grauen, Erbrechen, mancherlei Seekrankheiten, Fieber, […], Mundfäule und dergleichen, welches alles von alten und sehr scharf gesalzenen Speisen und Fleisch, auch von dem sehr schlimmen und wüsten Wasser herrührt, wodurch viele elendiglich verderben und sterben. […] Dieser Jammer steigt alsdann aufs höchste, wenn man noch zwei bis drei Tag und Nacht Sturm ausstehen muss, dabei jedermann glaubt, dass das Schiff samt den Menschen werde zugrundegehen. In solcher Not betet und schreit das Volk erbärmlich zusammen. […] Mancher seufzt und schreit: »Ach! Wäre ich wieder zu Hause und läge nur in meinem Schweinestall«, oder ruft: »Ach, lieber Gott, hätte ich nur noch einmal ein gutes Stücklein Brot oder einen guten frischen Tropfen Wasser!« Zit. n.: Charnitzky, Jürgen: Gottlieb Mittelbergers Reise nach Pennsylvanien, S. 75 ff.
M7 Ein Auswandererschiff geht unter Anno 1754, am Tage Jacobi [25. 7.], ist ein Schiff mit 300 etlich und 60 Seelen, meistens Württemberger, Durlacher [Baden-Durlach] und Pfälzer, zwischen Holland und Alt- England durch einen Sturmwind in der Nacht auf einen Felsen getrieben worden, wo es drei Stöße erlitten und allemal große Knälle getan, auch sich endlich nach der Länge unten voneinander getan hat, dass das Wasser eingedrungen ist, welches so überhandgenommen, dass das Schiff morgens früh angefangen zu sinken. Da nun die Not am größten und sich die Menschen zu erretten suchten, sprangen 63 Personen in ein Boot. Weil nun dieses Boot schon gar zu sehr überladen war und noch eine Person dasselbe schwimmend erreicht und lange festgehalten, hat man sie nicht anders abtreiben können, bis man derselben die Hände abgehauen, dass sie hat versinken müssen. […] Auch habe man noch das große Schiff mit 300 Seelen im Hinwegfahren vor ihren Augen versinken sehen; der barmherzige Gott aber hat den übrigen, die sich auf dem Boot errettet, in der Nähe ein englisches Schiff zu Hilfe gesendet, welche sie in ihrer großen Not und erlittenem Schiffbruch aufgenommen und wiederum zurück an Land gebracht.« Zit.n.: Charnitzky, Jürgen, Gottlieb Mittelbergers Reise nach Pennsylvanien, S. 91
M8 Wie kommt man ohne Geld nach Amerika? Wir, die untergeschriebenen Passagiere an Bord des Schiffes genannt die Pearl, geführt von hier aus Rotterdam
über See nach Halifax, gelegen in der Provinz Nova Scotia oder Neu-Schottland in Nordamerika, bezeugen
und bekennen hiermit: dass wir an den Herrn John Dick, Seiner Britannischen Majestats Agent von der Provinz
Nova Scotia in der Port [Hafen] Rotterdam, […] für unsere und unserer Familien Transportation von hier nach […]
Nova Scotia […] in holländischer Währung und Summen auf eine ehrliche, treuliche und rechtmäßige Weise schuldig
sind […] treulichst zu bezahlen und abzuführen, durch unserer Hände Arbeit in allem demjenigen, was der all
dasige Herr Gouverneur von uns zu begehren oder befinden wird und zwar Arbeitslohn 18 Pence Sterling täglich
abzuverdienen so lange, bis unsere Schulden […] bezahlt Zit. n.: Lehmann, Heinz: Zur Geschichte des Deutschtums in Kanada. Band 1, Das Deutschtum in Ostkanada, Schriften des Deutschen Auslands-Instituts, A Kulturhistorische Reihe, Band 31, Stuttgart 1931, S. 24
M9 Schlepper und Schleuserkriminalität Diese Menschendiebe belügen Leute von allerlei Stand und Profession, worunter auch viele Soldaten, Gelehrte, Künstler und Handwerker sind. Sie verführen die Leute und liefern sie zum Verkauf bis nach Rotterdam oder Amsterdam. Sie bekommen allda von ihren Kaufleuten für eine jede Person, welche zehn Jahr und darüber ist, drei Gulden oder einen Dukaten; dahingegen die Kaufleute von einer Person in Philadelphia 60, 70 bis 80 Gulden bekommen, nachdem eine Person auf der Reise mehr oder weniger Schulden gemacht. […] Öfters geschieht es, dass die Kaufleute in Holland mit ihrem Kapitän und Neuländern [Amerikawerber] einen verborgenen Akkord [Absprache, Vertrag] gemacht haben, dass sie die Schiffe mit den eingeladenen Menschen an einen amerikanischen Platz [Ort], und nicht nach Pennsylvanien, wo die Leute hinwollen, führen sollen, sondern dahin, wo sie gedenken, die Menschen besser zu verkaufen. […] So muss man also in Holland und zur See sich dem Wind und des Kapitäns Willen überlassen, weil man auf der See nicht gewiss weiß, wohin das Schiff geführt wird. Daran aber sind die Neuländer und einige gewissenlose Menschenhändler in Holland schuld. Zit. n.: Charnitzky, Jürgen: Gottlieb Mittelbergers Reise nach Pennsylvanien, S. 94 f
Philadelphia, den 9.November 1764 Philadelphia, 4. August 1766 Zit. n.: Rehs, Michael und Haager, Hans-Joachim: Wurzeln in frermder Erde. Zur Geschichte der südwestdeutschen Auswanderung nach Amerika. DRW, Stuttgart 1984, S. 28
M11 Bau einer ersten Unterkunft
In dieser Stadt sind auch schon acht Kirchen, drei englische, drei deutsche, eine schwedische und eine Quäker- Kirche. […] Es ist in dieser Stadt auch schon ein Gymnasium erbaut, worinnen mancherlei Sprachen traktiert werden, denn es sind in dieser Stadt und in diesem Land Leute aus allen Teilen der ganzen Welt zu sehen, sonderheitlich Europäer, und könnte man derer mehr denn einhunderttausend zählen. Die größte Anzahl der Einwohner von Pennsylvanien sind die Deutschen. Es studieren auch in gedachtem Gymnasio viele von den Deutschen in unterschiedlichen Sprachen. Zit.n.: Charnitzky, Jürgen, Gottlieb Mittelbergers Reise nach Pennsylvanien, Sigmaringen 1997, S.105 f.
a) 1753 Zit.n.: Charnitzky, Jürgen, Gottlieb Mittelbergers Reise nach Pennsylvanien, S. 37–38 b) 1751 Zit.n.: Knauf, Diethelm: Deutsche Auswanderer in den USA, Praxis Geschichte 1/1992. Westermann, Braunschweig S. 47
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