Zeitschrift

Migration

  • Glaubensflüchtlinge: Waldenser
  • Schwabenzüge nach Russland, Polen und in die Donauländer
  • Auswanderung nach Nordamerika im 18. und 19. Jahrhundert
  • Zweiter Weltkrieg - erzwungene Migration: NS-Umsiedlungsaktion Neue Heimat für die Vertriebenen
  • Migration nach Deutschland: Gastarbeiter 1955 - 2000  - Migration heute


Heft  45 - 2002

 



 

Inhaltsverzeichnis

 

Migration nach Deutschland

 

Materialien

 

M1a Zu- und Fortzüge über die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland von 1958 bis 1998

 

Aus dem Migrationsbericht der Ausländerbeauftragten der Bundesregierung, November 2001, S. 5

 

 

M1b  Zugewandert - abgewandert

Globus Infografik 4. 3. 2002

 

Zahl der Zuwanderer gesunken 

Die Zuwanderung von Ausländern wird uns als Thema erhalten bleiben. Unbestritten ist, dass Deutschland auf Zuwanderer angewiesen ist. Schon heute wäre der Anteil der älteren Bevölkerung ohne ausländische Mitbürger um einiges höher, und schon heute gibt es Engpässe in einigen Branchen des Arbeitsmarktes. Im Jahr 2000 hatten 649 000 Einwanderer das Ziel Deutschland, 562 000 verließen das Land. Damit sind rund 87 000 Ausländer mehr zugewandert als abgewandert. 1999 betrug der Saldo noch 118 000. Anfang der 90er-Jahre lag die Zahl der Zuwanderer mit zum Teil über einer Millionen (1992) erheblich höher, während die Zahl der Abwanderer über die Jahre nicht so stark schwankte. In den Jahren 1997
und 1998 war die Zahl der Fortzüge sogar größer als die der Zuzüge, der Wanderungssaldo also negativ. 

 

M 2a  Ausländer in Baden-Württemberg 1991-2003 
          nach ausgewählter Staatsangehörigkeit und aus den
          EU-Beitrittsländern

 
*) Stichtag jeweils 31.12.
www.statistik.baden-wuerttemberg.de; dort auch eine Aufschlüsselung nach den einzelnen
10 Beitrittsländern von 2004. © Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

 

M2b Anteil der ausländischen Personen an der Bevölkerung in den Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs 2001

 

Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg. Stand: 1. Januar 2001

 

M3a  Geburten in der Bundesrepublik Deutschland

* Bis 1991 alte Bundesländer
Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland 2004;
www.destatis.de

 

M3b Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland 

 

 

 

Quelle: Bevölkerungsentwicklung Deutschlands bis zum Jahr 2050, Ergebnisse der neunten koordinierten Bevölkerungsberechnung, Statistisches Bundesamt

 

M4  Sterbendes Volk? 

Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 2000: 82 Millionen

Prognose für 2050: 

Ohne Zuwanderung:

 

60 Millionen (- 28% gegenüber 2002) 
Bei einer Zuwanderung von 
200 000-250 000 pro Jahr:

 

73 Millionen (10% gegenüber 2000)
Bei einer Zuwanderung von 
325 000 pro Jahr:
82 Millionen

Im Jahre 1999 betrug nach einer Studie der Vereinten Nationen das Verhältnis der 15- bis 64-Jährigen zur Bevölkerung über 65 Jahren 4,41. Bliebe diese Relation bis 2050 erhalten, müssten in Hinsicht auf die Altersversorgung jährlich 3,4 Millionen zuwandern. 

Nach: Der Spiegel vom 23. 10. 2000, Nr. 43, S. 42 f. 

 

M5a Aussiedler- und Spätaussiedlerzuzug (1950-2000) 

Aus: Bericht der Unabhängigen Kommission "Zuwanderung", 4. Juli 2001, S. 178 Vgl. www.bmi.bund.de

 

 

M5b  Spätaussiedler nach Herkunftsländern
von 1991 bis 2003

Aus: Migration und Asyl in Zahlen, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. 11. Auflage 2004, S. 54, Abb. 32. www.bamf.de

 

M6  Asylbewerber in Europa

Deutschland ist erstmals seit rund 20 Jahren nicht mehr das Zufluchtsland Nummer eins in der EU.
Das geht aus der jüngsten Asylbewerber-Statistik des UN-Flüchtlingshilfswek UNHCR hervor. Danach suchten im vergangenen Jahr 50 450 Menschen Asyl in Deutschland, das ist die geringste Zahl seit 19 Jahren. Großbritannien wurde dagegen zum begehrtesten Aufnahmeland mit über 61 000 Anträgen. Setzt man die Zahl der Asylbewerber ins Verhältnis zur Bevölkerung des Landes, dann nehmen Österreich, Schweden und Norwegen die ersten Plätze in der Statistik ein. In Japan dagegen spielt die Asylfrage praktisch keine Rolle.
 

Quelle: UNHCR, Stat. Bundesamt - Globus 9129

 

M7  Stimmen zum neuen Zuwanderungsgesetz

Die »Mühe« des jahrelangen Ringens um einen Kompromiss »habe sich gelohnt«, war aus der SPD-Fraktion zu hören (Hans-Joachim Hacker, zuständig für Innen- und Rechtspolitik).

Weitere Stimmen zur Einigung lauten:

  • »... nach langer Reise endlich am Ziel« und: »Dieses
    Gesetz stiftet auch gesellschaftlichen Frieden«
    (Innenminister Otto Schily, SPD).
     

  • »... klassischer Kompromiss« und »Ausdruck der Mehrheitsverhältnisse in beiden Gesetzgebungskammern« (Volker Beck, Unterhändler der Grünen).
     

  • »... angemessene Regelungen« und »deutliche Fortschritte beim Thema Sicherheit« (Saarlands Ministerpräsident Peter Müller, CDU), jedoch »mit Licht und Schatten« (Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm, CDU).
     

  • »Wenig Offenheit für Arbeitsmigration« titelte die Frankfurter Rundschau.
     

  • »Erfolg in der Nachspielzeit« (Leitartikel der Stuttgarter Zeitung).
     

  • »Wir begrüßen es, dass Menschen, die gegen Recht und Demokratie verstoßen, leichter abgeschoben werden. Dafür bedauern wir, dass Deutschland an die Intelligenz der Welt nicht eindeutigere Signale ausgesandt hat, zu uns zu kommen.« (Andreas Richter, Hauptgeschäftsführer der IHK der Region Stuttgart).
     

  • »... Die Berliner haben sich überzeugen lassen, dass nachholende Integration wichtig ist.« (Gari Pavkovic, Stuttgarter Integrationsbeauftragter).

 

M8  Zerreißprobe für den Sozialstaat?

Eine besonders hohe Mobilität kann man bei den Menschen aus den zehn osteuropäischen Ländern erwarten, mit denen nun EU-Beitrittsverhandlungen geführt werden oder werden sollen. Die Lebensverhältnisse werden dort für längere Zeit nicht mit den Verhältnissen in Westeuropa vergleichbar sein. Die Löhne liegen in Osteuropa bei einem Zehntel bis Fünftel der westdeutschen Löhne oder bei einem Viertel bis zur Hälfte der deutschen Sozialhilfe. In München beträgt der durchschnittliche Stundenlohn in der Metall verarbeitenden Industrie heute 28,50 DM, in Westpolen liegt er umgerechnet bei 4,80 DM, in Ostpolen bis 2,70 DM. Real gerechnet sind die Unterschiede wegen der niedrigen Preise der nicht gehandelten Waren nicht ganz so groß, aber immer noch erheblich. Man braucht daher kein Prophet zu sein, um zu ahnen, dass die Osterweiterung umfangreiche Wanderungsströme hervorbringen wird.

Für die westeuropäischen Sozialsysteme wird die Zuwanderung der Osteuropäer einen hohen Wettbewerbsdruck entfalten, weil die Entscheidung darüber, in welches Land man wandert, vor allem von ökonomischen Anreizen bestimmt wird. Zwar sind große Einkommensunterschiede nötig, um Menschen zu veranlassen, ihrer Heimat den Rücken zu kehren. Doch wer sich zur Wanderung entschlossen hat, lässt sich bei der Wahl des Ziellandes von kleinen Differenzen im Lebensstandard lenken. Die Leistungen des Sozialstaates werden zum Problem, Wohngeld, Kindergeld, Sozialwohnungen, ergänzende Sozialhilfe, Verteilungsvorteile in der gesetzlichen Krankenversicherung und die freie Nutzung der öffentlichen Infrastruktur sind Beispiele für Leistungen, die von zuwandernden Arbeitnehmern in Anspruch genommen werden können und daher die Wanderungsentscheidungen beeinflussen.
Prof. Dr. Hans Werner Sinn, Universität München, in: »Die Osterweiterung
wird für den westlichen Sozialstaat zur Zerreißprobe«, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. 8. 2000

H.-W. Sinn wiederholte seine provokanten Thesen im Mai 2004 in der »Süddeutschen Zeitung«. Er warnte vor einer Masseneinwanderung aus Osteuropa in die westeuropäischen Sozialkassen, ermöglich – wie Sinn prognostiziert – durch die EU-Richtlinie für Wanderungen innerhalb der Europäischen Union, die bis zum 1. Juli 2005 nationales Recht werden muss. Manche Zuwanderungsexperten wie der FDP-Politiker Max Stadler werten diese These des Ifo-Instituts als »unsinnige Panikmache«. (Red.)

 

M9   In der Stuttgarter Römerschule lernen Frauen aus acht Nationalitäten, wie das deutsche Schulsystem funktioniert.

Foto: Weise/factum 

 

M10  Integration als Ziel

Was ist nicht das Ziel von Integration? Integration kann und darf weder das Ziel haben, Deutschland durch eine multikulturelle Gesellschaft endlich verschwinden zu lassen, noch kann und darf es unser Bestreben sein, eine kulturell homogene Gesellschaft unter einer Leitkultur durchzusetzen. Beide Ziele entstammen zwar wirklichkeitsfremden Ideologien, richten aber gleichwohl Schaden an. Integration will vielmehr dem friedlichen Zusammenleben kultureller Vielfalt in Deutschland dienen und hat zwei Grundpfeiler: Erstens ist die unbedingte Anerkennung der Werteordnung unseres Grundgesetzes nicht verhandelbar. Zweitens ist eine gute Kenntnis der deutschen Sprache und eine Grundkenntnis unseres Landes unerlässlich. Die Matrix der Integration sind also unsere Verfassungsordnung und die deutsche Gesellschaft im Prozess ihrer ständigen Veränderung, zu der in den letzen Jahrzehnten auch die in Deutschland lebenden Ausländer nicht unmaßgeblich beigetragen haben. Auch sie gehören zu der Vielfalt, aus der unsere gesellschaftliche Entwicklung lebt. Die Illusion muss abgebaut werden, das Einebnen oder Verleugnen von kulturellen, religiösen und anderen Unterschieden vermeide Konflikte und erzeuge ein harmonisches Zusammenleben. 

Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, Minister für Wissenschaft und Kunst im Freistaat Sachsen, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, in: Berichte und Dokumente, hrsg. vom Generalsekretariat des ZdK, August 2000, S. 11 

 

M11 Wie andere Länder die Zuwanderung regeln

        

Vorläufige Anwerbe-
bedingungen         

Aufenthaltsbedingungen

 

Arbeit-
nehmer-
typus

Voraus-
setz-
ungen

Verfüg-
barkeit heimischer Arbeits-
kräfte als Ablehn-
ungs-
grund

Quoten

Dauer des Aufenthalts (Verlän-
gerungs-
möglich-
keiten)

Tätig-
keits-
be-
schränk-
ungen

Fami-
lien-
nach-
zug 

Ver-
än-
der-
ung des Au-
fent-
halts-
sta-
tus  mög-
lich

 

Ent-
sandte Arbeit-
nehmer

Arbeit-
geber muss die Arbeits-
geneh-
migung bean-
tragen

Ja (Aus-
nahme: Arbeits-
kräfte, die mehr als € 3200 pro Monat ver-
dienen)

Nein

9 Monate (eine Verlän-
gerung; in Ausnahme fällen zwei Verläng-
erungen)

Ja (Arbeits-
erlaubnis nur gültig für einen best. Beruf, eine best. Region, bei einem einzigen Arbeit-
geber)

Nein

Nein

 

Saison-
arbeiter

An-
werbe-
vor-
schlag durch Arbeit-
geber

Alters-
begrenz-
ung (17-50 Jahre) bei nicht nam-
ent-
licher Anfor-
derung

Aufent-
halts-
geneh-
mig-
ungs-
pflicht

Ja

Bilate-
rale Ab-
kom-
men

Höchstens 6 Monate in 12 aufeinander folgenden Monaten 

Mindest-
aufent-
haltsdauer von  4 Monaten für Saison-
arbeiter  aus weit entfernten Gast-
ländern

Ja (wie oben)

Nein

Nein

Arbeits-
erlaubnis plichtige (unter best. Beding-
ungen  keine Arbeits-
genehm-
igung erfor-
derlich, z.B. Mitglieder des Common-
wealth) 

Arbeit-
geber muss die Arbeits-
geneh-
migung bean-
tragen 

Nur für hoch qualifizierte Arbeits-
kräfte ("Key-
workers")

Angemes-
sene Englisch-
kennt-
nisse

Ja   (Aus-
nahmen: für best. Tätig-
keiten) 

Nein

Bis zu 4 Jahren (Verlän-
gerung  möglich) 

Ja (ein Wechsel des Arbeit-
gebers ist nur unter beson-
deren Um-
ständen möglich)

Ja (falls Ein-
kom-
men aus-
reich-
end u. Whg. vor-
han-
den 

Ja (nach 4 Jah-
ren Be-
ruf-
stä-
tig-
keit in GB)

 

Ferien-
arbeiter

Ange-
hörige einer Com-
mon-
wealth- Nationen

Altersbe-grenz-
ung 

(17- 27 Jahre)

Unver-
heiratet

Finanzielle Situation erlaubt Rückkehr

Keine Arbeits-
genehmig-
ungs-
pflicht

Zufälliger Arbeits-
wunsch während des Urlaubs

Nein

Nein

2 Jahre (keine Verlänger-
ung)

Nein (falls Ehepartner ebenfalls  berechtigt und edes Kind unter 5 Jahren alt ist)

Ja

Nein

 

Trainees, Azubis

Ausreich-
ende Aus-
bildung und Beherr-
schung der englischen Sprache

Nein

Nein

Begrenzt auf Ausbildung (bis  3 Monate), verlän-
gerbar je nach Ergebnis der Ausbildung

Ja

Ja

Nein

 

Sammeln von Arbeits-
erfahr-
ung

Ausreich-
ende Aus-
bildung und Beherr-
schung der englischen Sprache

Keine Vakanz erforderl.

Nein

Nein

1 Jahr (um 1 Jahr (verlän-
ger bar)

Ja

Ja 

 Nein

H-1B (Spezia-
listen)

Kein Lohn-
dumping

BA (4 Jahre Univer-
sität)

Berufser-
fahrung

Nein

Ja

3 Jahre (eine Verlän-
gerung) 

Ja 

Ja  

Ja

 

O (beson-
dere Fähig-
keiten)

Anfrage bei ähnlich Qualifizier-
ten

Nein

Nein

Bis zu 10 Jahre (je nach Tätigkeit)

Ja (kein Wechsel des Tätig-
keits-
gebiets)

Ja 

Ja 

 

H-2A (Land-
wirt-
schaft)

Vorüber-
gehende Arbeits-
erlaubnis nötig

Mindest-
lohnbeach-
tung durch den Arbeit-
geber

Ja

Nein

1 Jahr (anfänglich), verlän-
gerbar bis zu 3 Jahren, jeweils um 1  Jahr

Ja (best. Branche/ Ort)

Ja  

Ja

 

H-3 (industri-
elle Trainees)

Dar-
legungs-
pflicht, warum die Ausbildung nicht im Heimatland stattfinden kann 

Wohnsitz im Ursprungs-
land muss bei-
behalten werden 

Nein 

Nein

Höchstens 2  Jahre Laufzeit wie Trainings-
programm

Ja (best. Branche / Ort) 

Ja 

Ja 

Nach: Institut der deutschen Wirtschaft (iwd), Köln, Nr. 11, 14. 3. 2002, S. 7 (Quellen: OECD, IW)

 

 

 


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