Der Balkan
Hrsg.: LpB |
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| I. Die
Region im Überblick 1. Landschaft und Wirtschaft |
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| Der Terminus »Balkan« bedeutet auf Türkisch »Gebirge« (Encyclopaedia universalis France). Diese Bezeichnung bezieht sich bereits seit dem 15. Jahrhundert auf die Stara Planina (Altes Gebirge), den zentralen Gebirgszug Bulgariens, der damit der kompaktesten der mediterranen Halbinseln seinen Namen verlieh. Noch heute zeugt er durch vielfältigste Hinterlassenschaften von der Vergangenheit des Osmanischen Reiches. Im Jahr 1808 prägte der Geograf August Zeune den Begriff »Balkanhalbeiland«, da er vermutete, dass das Balkangebirge vom Schwarzen Meer bis Istrien reiche und damit eine sinnvolle Nordgrenze der Halbinsel sei (vgl. M. Redepenning, S. 11). Obwohl dies falsch ist, behielt man die Bezeichnung bei. Spricht man vom »Balkan«, so sollte deshalb präzisiert werden, ob es sich um das Gebirge oder die Halbinsel handelt. Begrenzung und Relief Konnte man bei der Iberischen und Apenninischen Halbinsel von einer gewissen Abgeschlossenheit und einer relativen Einheitlichkeit ausgehen, so kann festgestellt werden, dass die Balkanhalbinsel sich einerseits geradezu durch die fehlende Abgeschlossenheit und einen daraus resultierenden Übergangscharakter kennzeichnet. Dieser spiegelt sich in der Vielfalt der ethnischen, sozialen und kulturellen Beziehungen wider, die eine Brücke zwischen Europa und Asien bilden. Die physisch-geografische Gliederung des Naturraumes mit seinen zahlreichen Gebirgszügen, Tälern und Becken kann dagegen als Begründung für die Vielfalt und die komplizierten politischen und ethnischen Beziehungen herangezogen werden, da die natürlichen Bedingungen Barrieren für den Austausch zwischen den verschiedenen Gruppen schufen (vgl. Karte Umschlagseite 4).
Brücke über die Valbona in den albanischen Alpen. Aus:
Werner Daum u. a. (Hrsg.): Albanien zwischen Aus physisch-geografischer Sicht wird als nördliche Grenze der Halbinsel in der Regel der Verlauf der Flüsse Save und Donau angesehen. Es erscheint jedoch zweckmäßig, auch das Zwischenstromland zwischen Drau und Save (nördliche Landesteile Sloweniens und Kroatiens) dem Balkan zuzurechnen, was sich besonders aus kulturgeografischer Sicht rechtfertigen lässt, auch wenn sich die Gebirgszüge dieses Raumes in das tektonische Bild der Halbinsel einordnen lassen.
Klima Aus der geografischen Lage und den geotektonischen Bedingungen folgt, dass das Klima stark durch die Höhenlage beeinflusst und kontinentalen Einwirkungen unterworfen ist. Dies gilt für weite Teile der Halbinsel, da der küstenparallele Verlauf des Dinarischen Gebirges, das Fehlen größerer Küstenebenen oder sich zur Adria weit öffnender Flusstäler den mediterranen Klimaeinfluss im gesamten Westen auf einen wenige Kilometer breiten Streifen beschränkt. Zum Teil sind daher kaum 30 Kilometer landeinwärts deutlich spürbar kontinentale Verhältnisse anzutreffen. Die Küstenstadt Zara weist ein Jahresmittel der Temperatur von 6,7 °C auf, während im 25 Kilometer landeinwärts liegenden Caspic´, beeinflusst durch den Gebirgscharakter, eine mittlere Temperatur von –3,2 °C herrscht. Insgesamt beschränkt sich der mediterrane Einfluss des Klimas auf die adriatische Küste, die griechische Halbinsel und die ägäischen Randlandschaften südlich der Rhodopen, während besonders die breite Basis verstärkt kontinentalen Charakter aufweist. Das Balkangebirge stellt seinerseits eine wirksame Klimabarriere gegen das Eindringen kalter, winterlicher Festlandluftmassen dar. Hinsichtlich der Niederschläge besteht ein
starker Unterschied zwischen Ost- und Westseite.
Die Küste bei Kotor (Montenegro) empfängt
mit zirka 4700 Millimetern die größte
Niederschlagsmenge in Europa, während Athen Wirtschaftliche Aspekte – Verglichen mit der Apenninischen und der Iberischen
Halbinsel bilden die klimatischen Voraussetzungen,
das bewegte Relief, die räumliche
Gliederung der Landschaften und die vorherrschenden
Grundgesteine wenig vorteilhafte
Bedingungen für die Erschließung und Nutzung
des Raumes. Dies gilt besonders für die Landwirtschaft,
aber auch für andere wirtschaftliche
Aktivitäten, da das Relief Verkehrsbeziehungen
behindert. Eine wichtige Rolle spielen auch die
vor allem im Westen stark ausgeprägten Karsterscheinungen,
die durch die Umwandlung des
festen Kalziumkarbonates unter Einwirkung von
Kohlenstoffdioxid in das lösliche Bikarbonat
entstehen. Die sich dabei bildenden Dolinen
oder Poljen prägen das Landschaftsbild ebenso
wie Höhlen- und unterirdische Entwässerungssysteme.
Dies verdeutlicht, dass der relative Wasserreichtum
bestimmter Regionen nicht immer direkt nutzbar
gemacht werden kann, da das Wasser nicht als Oberflächenwasser
abfließt. So ist beispielsweise in den Karstgebieten
Hochkroatiens und in der Hochkarstzone
bestellbarer Boden rar, und oft kann nur in den im Winter
überschwemmten Poljen mit ihren fruchtbaren
Schwemmlandböden Ackerbau betrieben werden. Da die
Böden auf der Kalksteinbasis selten fruchtbar sind, eignen
sich die Karstflächen eher für Kleinviehhaltung mit Günstigere Bedingungen findet man im tertiären Hügelland und in den größeren Becken, so im Zwischenstromland im Norden Kroatiens, das zugleich auch dessen dicht besiedeltes Kernland darstellt. Hier wird intensive Landwirtschaft mit dem Anbau von Zuckerrüben, Getreide und Kartoffeln, in günstigen Lagen auch Kulturen wie Obst und Wein betrieben. Die östlich an die Hochkarstzone anschließende innerdinarische Zone Bosniens und der Herzegowina erweist sich im Norden als relativ siedlungsfreundlich mit guten Anbaumöglichkeiten, wobei die landwirtschaftliche Produktion durch den Krieg fast zum Erliegen gekommen ist. In Serbien bieten ausgedehnte Becken günstige Bedingungen. Hier herrschen teilweise fast submediterrane Verhältnisse, die den Anbau von Wein, Tabak und Baumwolle ermöglichen. Die angrenzenden Gebirge eignen sich jedoch nur für extensive Weidewirtschaft. Das fruchtbare Hügelland im Norden des Landes, der Sumadija, ist vor allem für die Kultur von Pflaumenbäumen zur Produktion des Pflaumenschnapses Sliwowitz bekannt. Neuere wirtschaftliche Entwicklungen Nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Zerfall des
alten Jugoslawiens unterlagen die Länder der Balkanhalbinsel
schwerwiegenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen
Veränderungen. In den kommunistischen
Ländern des Balkans existierte eine »Überindustrialisierung Noch schlimmer gestaltete sich die Entwicklung in den vom Krieg gezeichneten Ländern des ehemaligen Jugoslawiens. In Bosnien-Herzegowina war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 1998 um 60 Prozent niedriger als vor dem Krieg (vgl. S. Marti 1999, S. 45). Obwohl die Wirtschaft langsame Fortschritte macht, betrug die Arbeitslosigkeit im Jahr 2000 noch etwa 50 Prozent (vgl. S. Marti 2001, S. 50). Im Jahr 1998 fiel in Serbien-Montenegro das BIP auf das Niveau von 1971 zurück (vgl. S. Marti 1999, S. 45). Der internationale Schuldenerlass 2001 sowie die 2002 eingeleiteten Wirtschaftsreformen führten zu einer leichten Verbesserung der Situation. Doch bereits im Jahr 2003 ging das Wachstum auf nur noch ein Prozent zurück. Besonders schwerwiegende Konsequenzen zeigten
die kriegerischen Auseinandersetzungen für Albanien,
obwohl es nicht direkt am Krieg beteiligt war. Zwar hat
sich die Wirtschaftskraft in den vergangenen zehn Jahren
langsam positiv entwickelt (BIP 1990: 2740 Mio. US-Dollar/Person; 1999: 3192 Mio. US-Dollar/Person) (Fischer
Weltalmanach 2003), doch haben sich die Anteile der
unterschiedlichen Sektoren stark verändert (siehe Tabelle
nach Fischer Weltalmanach 2003).
Das Bruttoinlandsprodukt Albaniens wies 2003 eine reale
Wachstumsrate von sechs Prozent auf, wobei 80 Prozent
des BIP im privatwirtschaftlichen Bereich erwirtschaftet
wurden, eine auf der Balkanhalbinsel vergleichsweise Literaturhinweise Baratta, Mario von (Hrsg.): Der Fischer Weltalmanach 2003. |
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